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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-29 · Heft 5 (29.1.1867) · p. Seite 93

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 5 (29.1.1867)
Date
1867-01-29
Page
Seite 93 (sequence 13)
Language
German
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93 Judenlhums zur Kunst, namentlich vom halachischen Standpunkte, so daß auch ein praktischer Nutzen daraus erstießt. — Sechs Briefe zur Beleuchtung der religiösen Wirren in Ober-Ungarn von einem Beamten der israelitischen Kultus-Gemeinde zu Eperies. Kaschau 1866. Durch das Zusammentreffen des Chassidisimus, der Orthodoxie und einer, allerdings sehr mäßigen Aufklärung sind' in Ober-Ungarn große religiöse Wirren entstanden, die mannichfaltige Zerrüttungen im Gefolge haben, und unter denen die Gemeinden außerordentlich leiden. Die Kosten bezahlen zunächst die Synagogen, welche mit einem etwas geordneten Gottesdienst begonnen hatten, die Schulen, auf deren Ruin man losstürmt, die Kultusbeamten und Lehrer. Solch' ein Chaos kann natürlich nur da entstehen, wo eine unendliche Begriffsverwirrung vorhanden, die Masse noch im Schoße der Unkultur ruht, und die sogenannten Gebildeten nichts weiter als die mit Finsterniß übertünchte Masse ist. Der Indifferentismus der letztern und die Indolenz der Orthodoxie strafen sich nun durch das Ueberhandnehmen des Chassidismus, der gegen beide keine Schonung kennt, sondern seine Herrschaft auf den Trümmern beider errichten will. Hiergegen ist nun auch die vorliegende lebhaft geschriebene Broschüre gerich tet, welche den Unsinn des Chassidismus und deffen Widerspruch gegen Talmud und Minhag aufdecken will. Die „Sechs Briefe" sind eine kräftige Mahnung an diejenigen dortigen Juden, welche für wahre Frömmigkeit und vernünftige Bildung noch irgend ein leises Gefühl haben. Möge sie ihre Wirkung nicht verfehlen. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Posen, im Januar. Seit dem 3./15. April 1837 ist im russischen Polen eine Judensteuer eigener Art eingeführt, wie sie wohl sonst nirgends in der Welt besteht. Den jüdischen Gemeinden ist nämlich das Recht eingeräumt, jeden in Geschäften reisenden ausländischen Juden an jedem Orte, wo er sich auch nur vorübergehend aufhält, mit Beiträgen zur Gemeinde nach dem Ermessen derselben zu belasten. Ein polnisches Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, Herr Waligorski, wird hierüber wie über andere Hemmnisse und Erschwerungen des Grenzverkehrs, welche durch russische Ukase zur Belästigung der preußischen Staatsangehörigen eingeführt sind, eine Interpellation an daS Staatsministerium richten, und haben die schriftliche Eingabe jener über achtzig Abgeordnete aus allen Fraktionen der liberalen Partei unterzeichnet. Gewiß ist es an der Zeit, daß diese Schäden wieder einmal aufgedeckt werden, denen die gegenwärtige russische Regierung vielleicht Abhülfe angedeihen läßt. Paderborn, im Januar. Das Kuratorium des hiesigen israelitischen Waisenhauses hat folgenden Aufruf erlassen: Das zwöfte Jahr seines segensreichen Bestehens hat unser Waisenhaus zurückgelegt und die wohllöblichen Gemeinden Westfalens und Rheinlands haben durch ihre anerkennende und dankenswürdige Opferwilligkeit das Haus zu einer Stätte der Liebe und Barmherzigkeit gemacht. Viele Kinder, welche in der Anstalt sich befinden, sind ihrem traurigen Geschicke entrissen und werden unter Gottes Beistand einer besseren Zukunft zugeführt. Aber noch viele Verlassene stehen an den Pforten des Hauses und harren auf Errettung in dieser kalten Winterzeit. Die Cholera, welche in Westfalen sehr stark auftrat, raffte viele arme Familien-Väter und Mütter fort, welche 25 Waisen in tiefster Armuth und Verlassenheit hinterließen. Die Gemeinden wandten sich an uns um Abhülfe so großen Jammers; allein da wir schon 29 Kinder durch unsere Anstalt ernähren und erziehen, so wissen wir keinen anderen Weg zu nehmen, als den, unseren Nothruf in die wohllöblichen Gemeinden Westfalens und Rheinlands zu schicken, durch Abhaltung einer besonderen Collecte uns in den Stand zu versetzen, durch außergewöhnliche milde Beiträge an unser Haus die verlassenen Waisen in ihrem großen Unglücke zu schützen; denn so sehr auch die Gemeinden, welche das Leid getroffen, helfen mögen, für das leibliche und geistige Wohl dieser Armen thut baldige Abhilfe Noth. Wir bitten daher den wohllöblichen Gemeinde-Vorstand, im Hinblicke so großen Elendes uns recht bald in den Stand zu setzen, viele dieser Verwaisten in unsere Anstalt aufnehmen zu können. Gottes reichster Segen wird den Spendern nicht ausbleiben für die Gaben der Liebe, welche sie auf den großen Altar der Menschenrettung niederlegen. Schließlich erlauben wir uns, darauf aufmerksam

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