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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-29 · Heft 5 (29.1.1867) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 5 (29.1.1867)
Date
1867-01-29
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
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S2 len Nachrichten, Verbrechen und Unglücksfällen. Die halboffizielle Morgenzeitung geht tapfer hinter der Regierung her, durch Dick und Dünn.... Umgekehrt das Abendblatt, welches ebenfalls durch Dick und Dünn vor der Opposition einherläuft. Eigenthümer ist eine Aktiengesellschaft, die in Liberalismus speculirt, je nach dem Tageskurs.... Freiheitsstrafen sitzt Hirsch Meyer ab nach einer bestimmten Diätenscala. Seine Spezialität ist die Theaterkritik; doch schreibt er auch glänzende Leitartikel...." An einer andern Stelle treffen wir Herrn D octor Hirsch Meyer im Arbeitszimmer eines Gesandten. „Zunächst sehen wir, wie der Graf seinem Begleiter iHirsch M.) eine Mitheilung ins Ohr flüstert, welche dieser überrascht und erfreut aufnimmt. Hirsch Meyer grinst und nickt mit dem Kopf, zum Zeichen daß er den Grafen verstanden, und will sich, verabschiedet von ihm, entfernen. Da fällt sein Blick auf einige blaue Couverts, die auf dem Fußboden liegen. ,,„Excellenz, Herr Graf,"" sagt er, „„darf ich aussprechen eine Bitte? Lassen Sie mich auflesen die Brosamen, die gefallen sind von des Herrn Tische."" Er zeigte ans die Couverts. — „„Was können Ihnen die lehren Couverts nützen, Doktor?"" — „„Viel, excellenter Herr Graf, grausam viel. Steht doch darauf Euer Excellenz hochgräflicher Name, oder die hohe Gesandtschaft. Wenn ich kann zeigen im Vertrauen das Couvert einer solcher) Depesche, so werden steigen meine Artikel um fünfzig Procent."" — Hat Herr Dingelstedt in der That solche „Preßjuden" kennen gelernt? Wir halten uns berechtigt, mit einem entschiedenen Nein zu antworten. Aber selbst wenn er sie gefunden, verschwinden sie nicht in der ungeheuren Schaar christlicher Journalisten, Feuilletonisten, Berichterstatter, Neuigkeitshorcher, Scandalfabrikanten, Berichtigungsmaschinen rc. rc.? Hat man denn gerade unter jüdischen Journalisten die meisten oder eine verhältnißmäßig gleiche Zahl charakterloser Scribler, Mantelträger und Fahnenflüchtiger gesunden wie unter den christlichen? b^ominu 8unt ockiosu. Warum wählt Herr D. dennoch gerade Juden, um das Gebühren der Journalisten darzustellen? Run, weil eben der Zopf ihm hinten hängt! Weiler ätout prixgeistreich sein mochte; weil er es nicht verschmerzen kann, daß auch Juden Tüchtiges in der Presse leisten und dadurch Einfluß auf die Zeitereignisse gewinnen. Wenn jener „Staatsmann der Gegenwart" die „Preßjuden" entdeckt, so hat er in diesem Worte nur das Geständniß ausgesprochen, daß die jüdischen Journalisten ihm ihres Freisinnes wegen (denn Herr Dingelstedt wird wohl in ganz Deutschland nicht viele Juden finden, die durch Dick und Dünn mit der Regierung gehen) ärgerlich und unbequem sind; in Herrn Dingelstedt aber hat er einen schlechten Illustrator seiner Gedanken gefunden. Denn solche Individuen, wie dieser mit vielem Behagen sie zeichnet, machen, ob Juden oder Christen, keinem Staatsmann auch nur den mindesten Kopfschmerz, und sie sind es nicht, an denen jener „Staatsmann der Gegenwart" sich rächen will, wenn er ihnen in seinem Grimme den „Preßjuden" an den Kopf schleudert. Ein jüdischer Journalist beging vor wenigen Wochen sein fünf und zwanzigjähriges Jubiläum, der Landtagsabgeordnete Ignatz Kuranda in Wien, der Begründer der „Grenzboten." Zu Ehren des allgemein hochgeachteten Jubilars vereinigten sich Reichs- und Landtagsabgeordnete, Schriftsteller und Künstler zu einem solennen Feste, auch die akademische Jugend sandte eine Deputation. Aber das ist es gerade, was Leute wie Herrn D. schmerzt. Gewiß hat derselbe in keinem deutschen Blatte, das von Juden redigirt oder mit einem Feuilleton versehen wird, eine Sprache und Wortstellung gefunden, wie er sie dem Doctor Meyer Hirsch in den Mund legt. Allein was thuts, der Jude, meint Herr D., muß gebrandmarkt werden! Der Jude muß gesinnungs- und charakterlos, muß demüthig und kriecherisch sein, darf bei Leibe kein richtiges Deutsch sprechen, denn das wäre ja ein Eingriff in die Prärogative der urchristlichen Herren D. und Consorten! «Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 18. Januar. Angekommen: Die Mosesgruppe von Rauch. Eine jüdisch-wissenschaftliche Kunststudie von Dr. Tobias Cohn, Rabbiner zu Potsdam. Mit dem Bilde der Mosesgruppe. Leipzig. Verlag von Oskar Leiner 1867. Es ist dies ein besonderer Abdruck der im vorigen Jahrgang dieser Zeitung enthaltenen Abhandlung, mit einer schönen Abbildung der Mosesgruppe versehen. Die Abhandlung fand verdiente Anerkennung und ist daher die Separatausgabe eine willkommene Gabe für Biele. Denn an die Würdigung des Meisterwerkes von Rauch vom ästhetischen Standpunkte aus und seiner Auffassung im Vergleich'zum Schrifttexte knüpft der Verfasser eine gründliche Beleuchtung des Verhältnisses des

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