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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-29 · Heft 5 (29.1.1867) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 5 (29.1.1867)
Date
1867-01-29
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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n gegen die Verkrümmung desselben um so energischer protestiren, als die Romane, der Schauplatz des heutigen Rischut, der moderne Pranger des Juden, in unzählige Hände kommen und dadurch die Vorurtheile und die Rancune der Herren Belletristen in das Volk tragen und in weiten Kreisen verbreiten. Gerade in unseren Tagen, wo die alten Vorurtheile allmählig aus dem Volke zu schwinden beginnen, sollten die Herren Bildungsimporleure des Volkes es am allermeisten und mit genauster Sorgfalt vermeiden, sie von Neuem wachzurufen. Die gesellschaftlichen Zustände unserer Tage bieten ihnen zur Genüge Gelegenheit und Stoff, den Juden zu schildern, wie er in Wahrheit ist. Allein um zur Beseitigung eines Vorurtheiles beitragen zu können, muß man zuvörderst selbst davon befreit sein. Jene Herren aber sind so sehr von Rischut erfüllt, daß es sie blind gegen die Wirklichkeit macht, und selbst auf politischem Gebiete sehr freisinnige Männer können sich von diesem Schandflecken ihres Herzens und Geistes nicht frei machen. Wer hat nicht Gustav Freitags „Soll und Haben" gelesen, und welchen Juden und welche Jüdin, die ein Herz für ihre Religion, für ihre Geschichte, für sich selbst haben, hat die jüdische Carrikatur in diesem hochgerühmten und vielgelesenen Roman?! Ein nicht minder falsches und man darf wohl sagen mit Bosheit gezeichnetes Bild eines Juden liefert der vielleicht nicht minder häufig gelesene Roman „der Hungerpastor"*) von Jacob Corvinus oder Wilhelm Raabe in seinem Theodor. Um nur Eines aus diesem schmutzigen Charakterbilde hervorzuheben, was recht grell die Unkenntniß oder die absichtliche Verkennung des jüdischen Herzens beweist, so läßt Herr Corvinus den jungen Theodor, für den sein Vater sein Lebenlang mit Selbstaufopferung gearbeitet, als dieser im Sterben liegt, eiligst das Spinde öffnen, Geld und Papiere herausnehmen, um zu zählen und zu ordnen, ohne Thräne, ohne Blick, ohne Gedanken für den sterbenden Vater. Allerdings tritt Theodorspäter zum Christenthume über und wird auch im Romane durch die Taufe nicht um ein Haar besser, allein als der Vater stirbt, ist er noch Jude und es liegt keine Veranlassung für ihn vor, jetzt schon an die Taufe zu denken, die ja auch, nach Corvinus, nicht aus Ueberzeu> gung genommen wird. Aber selbst von getauften Juden hat man ein ähnliches unkindliches Benehmen nicht ge¬ *) Ueber diesen Roman haben wir bereits früher eine ausführliche Kritik gebracht. Redaktion. hört, denn das jüdische Herz wird durch die Taufe doch nicht ganz weggewaschen und gewöhnlich überlebt das Pietätsgefühl für die Eltern dieselbe. Allein das thut nichts. Es soll nun einmal im Hungerpastor bie christliche Erziehung, Lebensweise und Anschauung vom Leben, das christliche Studium und die mit demselben verbundenen Ziele, das christliche Gemüth und weiche Herz herausgestrichen werden im Gegensätze zu allen diesen Dingen bei den Juden und darum muß Theodor nebst vielen andern Lastern auch das der Elternverachtung tragen. Eine neue Erfindung unserer reactionären Judenfresser ist der „Preßjude" und ist dieses Wort neben den „verfehlten Existenzen und Carrieren" zum Stichwort der feudalen Blätter, besonders zur Zeit des Confliktes zwischen Regierung und Abgeordnetenhaus, gegen manche oppositionelle Zeitungen geworden. Natürlich ist es nunmehr Pflicht der modernen Sittenmaler, um ihrem hohen Berufe ganz zu genügen, diese neue Erfindung soviel als möglich auszubeuten und diese neue Erscheinung in der modernen Gesellschaft auch in ihren Gemälden zu berücksichtigen. Unter Anderen hat Herr Franz Dingelstedt sich diese Pflicht besonders zu Herzen genommen. In einer seiner ersten Novellen „die Amazone" ist die Presse der Residenz fast ausschließlich durch zwei Juden vertreten, als ob die moderne Presse sich in der That ausschließlich in den Händen der Juden befände. Obwohl dies nun durchaus nichts Schlimmes und Schändendes wäre, so ist es doch vor allen Dingen unwahr, sodann aber entspricht auch die Schilderung dieser beiden jüdischen Zeitungsredakteure oder Feuilletonisten ebensowenig der Wahrheit als der Menschenliebe. Herr Dingelstedt erzählt: „Der Feuilletonist der Morgenzeitung, Meyer Hirsch, sitzt im Salon; das Licht des Abendblattes, Hirsch Meyer, wartet allein im Kabinet der Prima-Douna. Sie dürfen sich persönlich nicht begegnen, sonst giebt es ein Unglück, Mord und Todtschlag. Und doch —wenn jemals zwei Sterbliche durch die Stimme des Bluts, des Berufes, der innigsten Seelenverwandtschaft zu einem Paar- Busenfreunden bestimmt gewesen, so sind es Hirsch Meyer und Meyer Hirsch. Sie gehören zu der interessanten Gattung von Säugethieren, die ein Staatsmann der Gegenwart mit dem Namen ,,Preßjuden" taufen wollte. Beide führen keineswegs das Steuer in den Redaktionen ihrer Organe; sie bedienen nur das Feuilleton mit Kunstartikeln, vermisch- 5*

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