Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1867)
- Date
- 1867-01-15
- Page
- Seite 59 (sequence 19)
- Language
- German
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Schwert Gottes", Jephtha*s, David's, der Makkabäer, Hyrean's rc. beredtes Zeugniß. Aber auch die Frauen beseelte kriegerische Glut, erscholl in Israel der Ruf: „Zu den Waffen", und galt es, das bedrängte Vaterland zu schützen. Die kühnen Thaten einer Deborah, Jael, Judith und Esther leben noch heute in Liedern, wie einst Mirjam und die Jungfrauen zu Saul's Zeiten auf den Schwingen des Gesanges die Thaten der Männer priesen. Der edle, kriegerische Geist und der glühende Freiheitssinn, der die ganze Nation durchdrang, lassen es allein begreifen, wie dieses kleine Volk der Juden sieben Jahre lang den blutigen Kampf um seine Freiheit und Unabhängigkeit kämpfte gegen die sieggewohnten Legionen des mächtigen, weltbeherrschenden Rom. Tausende verbluteten und Tausende traten wieder an ihre Stelle. So fiel das Volk unter den gräßlichsten Qualen der Hungersnoth, mit den Waffen in der Hand, wie es mit den Waffen das Land erobert hatte. Seitdem mit dem jüdischen Reiche auch das Volksthurn und das Heer gefallen war, ist die Geschichte der jüdischen Soldaten verflochten mit der Geschichte fast aller Nationen des Erdballes. Bei den Gothen bildeten die Juden ein selbstständiges Corps. Viele Juden dienten mit Auszeichnung in der Armee Selim I., unter der sie besonders dem Officiercorps der Artillerie ein beträchtliches Coutingent stellten. Unter Napoleon 1. avancirten viele Juden zu Generalen und Obersten, und unter jenen, die sich damals die Ehrenlegion errangen, ist mit vieler Auszeichnung General Wolf genannt. Nach einer rühmenden Erwähnung Wellingtons haben auch im englischen Heere viele jüdische Officiere die Schlacht von Waterloo mitgeschlagen. Und als in Deutschland der Tag des Freiheitskampfes anbrach gegen das Joch des Corsen, da stellten auch die Juden, und unter ihnen oft die wohlhabendsten Familien, ihre Söhne in die Reihen der Kämpfer. „Die Geschichte unseres letzten Krieges gegen Frankreich," schreibt der Staatskanzler Fürst von Hardenberg an den Grafen Grote, 4. Januar 1815, „hat bereits erwiesen, daß die Juden des Staates, der sie in seinen Schooß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffen geführten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch uuter ihnen Beispiele des wahren Heldenmuthes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen." Auch in Oesterreich hat der jüdische Soldat eine ruhmreiche Geschichte hinter sich. Noch heute zeigt mau am weißen Berge vor Prag die Verschanzungen, die von den Juden gegen die Schweden erbaut und vertheidigt wurden, und die noch heute den Namen „Judenschanzen" führen. Die Friedensfeier des dreißigjährigen Krieges wurde auch von den Juden durch öffentliche Umzüge mit wehenden Fahnen und klingendem Spiele gefeiert. Unter Kaiser Josef wurden die Bekenner des Judettthums durch das Conscriptionsgesetz zum Militärdienste zugezogen. Von dieser Zeit an haben die Juden Oesterreichs alle die Kriege mitgefochten, die das Reich in wechselvollen Schicksalen bis nun zu bestehen hatte. Die Opfer, welche die Juden auch in dem letzten Kriege an Gut und Blut gebracht, haben tiefe Nachwehen hinterlassen, die nach Kräften zu heilen, auf Anregung zweier, in weiteren Kreisen bekannter Männer, Dr. Adolf Neustadt's, der sich als Schriftsteller und Finanzpolitiker einen rühmlichen Namen erworben, und E. B au mg arten 's , Redacteurs des volkswirthschaftlichen Journales „Fortschritt", der auch unter den Schriftstellern in hebräischer Sprache mit Anerkennung genannt wird, ein Comite zu edlem, menschenfreundlichem Wirken constituirt wurde. Den Verwundeten hilfreich beizustehen, die Witwen und Waisen der Gefallenen mit Rath und That zu unterstützen und den bedürftigen Reconvalescenten unter die Arme zu greifen, das war das Ziel, für das außer den beiden genannten Männern in besonders verdienstlicher Weise noch Dr. A. Jellinek, Chachaw Rüben Baruch, Hermann Reis und Simon Sznnto, sowie die Mitglieder der Zweigvereine in den Provinzen kräftig mitwirkten. Bon allen Seiten, aus allen Ländern strömten die Beiträge in so reichlichem Maße herbei, daß gegen achthundert verwundete Soldaten und mehr als vierzig Soldatenfrauen und Witwen in ergiebigster Weise betheilt werden konnten. Die reichen Zuflüsse machten es dem Comite möglich, seine Wirksamkeit in größerem Kreise auszudehnen. So wurden jenen wiedergenesenen Soldaten, die irgend ein Handwerk erlernt hatten und nun Urlaub erhielten, die Werkzeuge angekauft, um ihnen den Beginn der Arbeit zu ermöglichen. Andern wieder suchte man auf andere Weise unter die Arme zu greifen. Die Thätigkeit des Comite's war überhaupt eine vielseitige und weitverzweigte, so daß wir nur wünschen können, sie möge auch bei unseren jetzt noch wirkenden Wohlthätigkeitsvereinen eifrige Nachahmung finden. Die Gründer dieses Comitö's haben sich um den jüdischen Soldaten kein geringes Verdienst erworben! Es liegt viel Trost und Beruhigung in dem Bewußtsein, daß auch für ihn, der ja nicht blos für Thron und Vaterland, sondern auch für das gute Recht und die Freiheit seiner Glaubensbrüder sicht, nach Kräften gesorgt wird, wenn er verstümmelt zurückkehrt, und daß die armen Witwen und Waisen einen Halt finden in der Noth des Augenblickes an Vereinen, wie sie ja schon lange unter den christlichen Mitbürgern in Wirksamkeit sind, und stets nur ins Leben gerufen werden, wenn die Zeit daran rnahnt, ohne daß man berechtigt wäre, ihnen den Vorwurf des Separatismus zu machen. Di°. Earl Linder,