Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1867)
- Date
- 1867-01-08
- Page
- Seite 39 (sequence 19)
- Language
- German
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39 geben. Reiche Goldschrift wechselte mit leuchtendem Purpur, mit Smaragdgrün und Azurblau ab; auf dunklem Grunde erhoben sich silberweiße Figuren, die mit sausten rosa Wölkchen umringt waren. Ein staunenswerthes Erzeugniß glänzender Kunst, die jedem Beschauer die Seele mit Bewunderung erfüllte. Auch der wilde Ritter war von diesem Anblick ergriffen, der ihm bis jetzt nie geworden, von welchem er keine Ahnung gehabt. „Hm," murmelte er, „ein schönes Ding da, gewiß eine Kostbarkeit; aber im ganzen römischen Reich wird mir Niemand einen Goldgulden dafür geben. Spielerei, oder wahrscheinlich so ein Zauberding der Juden, denn diese sind einmal Gevatter und Schooßkinder des Satans. Nun, wir wollen sehen, was sich daraus machen läßt. Vielleicht kann mein Schloßkaplan es enträthseln." Er rollte das Pergament zusammen, legte es in das Kästchen zurück und ließ es dann von dem Juden wieder schließen. Dann riß er den goldenen Schlüssel aus dessen Hand und von der Schnur ab. „Ich gehe also ganz leer aus." rief er unmuthig aus, „und das soll dir nicht gut bekommen, Jude! Nehmt den Mann in Gewahrsam," wandte er sich an seine Reisigen, „und den größeren Buben dazu, und laßt ihn Bekanntschaft mit unserem Verließ machen, und zwar mit dem untersten Loch. Du aber, Weib," rief er der jammernden Frau zu, „magst deine Lumpen da zusammenraffen und laufen, wohin du willst. Willst du deinen Mann wieder haben, so mußt du mir zehn Mark Goldes bringen und fünf für deinen ältesten Buben. Aber ich sage dir, ich ernähre sie nicht länger als vier Wochen. Bist du da nicht hier mit dem Golde, so bekommen sie keinen Bissen Brodes mehr und können verhungern. Dies ist mein Bescheid. Jetzt wollen wir nach der Burg aufbrechen." „Das werdet ihr nicht thun, Herr Graf!" rief der Jude aus. „Das wäre mein Tod, denn wo sollen wir armen Leute eine solche Summe hernehuren!..." „Das ist Euere Sorge; wer mich daran hindern will, den will ich sehen! . . ." „Herr Graf — so erfahret — Euer Vater hat meinen Vater erschlagen, einen armen, wehrlosen Mann — wollt Ihr nun auch den Sohn morden? ..." Nach einer Pause sprach der Ritter kalt und höhnisch: „So hat mein Vater das Gewürm nicht mit zertreten, damit sein Sohn auch etwas habe . .." Mit diesen Worten wandte er sich und war bald hinter den Bäumen verschwunden. Die Knechte ergriffen den Mann und den Knaben, um sie fortzuschleppen. Da bat jener flehentlich, ihm zu gestatten, nur einige wenige Worte mit seinem Weibe noch reden zu dürfen. Sie wollten es ihm nicht erlauben; aber da er sie aufmerksam machte, die Frau müsse doch wissen, woher sie das Lösegeld schaffen solle, ließen sie diese herantreten. „Geh' nach Speyer," flüsterte er ihr ins Ohr, „geh' zu Rabbi Anselm von Speyer und sage ihm, das Sod von Toledo sei in Gefahr, von den Händen der Unbeschnittenen entweiht und vernichtet zu werden. Er wird uns helfen und das Kleinod meiner Väter wird auch in der Gefangenschaft seine Kraft bewähren." Schnell drückte er einen Kuß auf ihre bleichen Lippen, warf einen zärtlichen Blick seinen beiden Kindern zu und folgte den Knechten, die ihn in ihre Mitte nahmen. Als diese die kleine Lichtung verlassen hatten, auf der es wieder so still und einsam ward, denn auch die Hunde waren schon dem Grafen nachgesprungen, warf sich das unglückliche Weib auf die Knie und hob jammernd und stöhnend ihre Hände zum Himmel empor. Der Knabe und das Mädchen warfen sich dicht neben die Mutter hin und legten ihre Arme um deren Nacken und Schultern, und weinten und schrien. Aber nach einiger Zeit raffte sich das Weib auf, drückte ihre Kinder an ihre Brust und sprach zu ihnen: „Seid stille, Kinder, still, Gott im Himmel wird uns helfen! Ach, ihr habt noch nicht einmal etwas gegessen. Hier ist das Brod. Euer armer Vater kann nicht mehr davon verzehren. Esset und dann wollen wir aufbrechen und nicht eher ruhen, und von Haus zu Haus wandern, bis daß wir zurückkehren können, um Eueren Vater und Eueren Bruder aus dem Gefängniß dieses blutgierigen Räubers zu befreien. Gott wird uns helfen." Nur eine kurze Rast und sie thaten also. Sie kehrten auf die Heerstraße zurück und verfolgten diese. Es ward Abend im Walde und die Raubthiere begannen aus ihren Schlupfwinkeln hervorzukommen, nachdem das Raubthier, Mensch genannt, das Waldrevier verlassen hatte. (Fortsetzung folgt.) Correspondenz. Prag, 15. Dezember. Der Prozeß betreffs der Judenverfolgungen in Hostonritz. lFor tsetzung.) Nachdem die Gensdarmen die Gefangenen herausgegeben hatten, nahm der Haufen dieselben in die Mitte, und zog mit ihnen unter tobendem Geschrei vors Nachhalls. Hier forderten sie die Herausgabe des verhafteten Gerabek, der auch, da der Haufe mit Zerstörung des Rathhauses drohte, freigegeben wurde. Gerabek stellte sich sofort an die Spitze des Haufens, zog mit diesem wieder in das Haus des Brunner, wo mehrere der früheren Zerstörung entgangene Fässer zertrümmert und das Dach des Hauses demolirt wurde. Mittlerweile hatte ein anderer Haufe den Wagen des Brunner aus dem Schoppen gezogen, vor denselben spannten sich mehrere Kerls, ein Haufe bestieg ihn und fuhr mit demselben im Triumphgeschrei nach dem Dorfe Bezdejschi; dort wurde vor dem Hause des Juden Salomon Ohrenstein Halt gemacht, das Hausthor zer-