Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1867)
- Date
- 1867-01-08
- Page
- Seite 32 (sequence 12)
- Language
- German
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32 Confessionsverwandten auch Israeliten se nach deren Befähigung allerhuldvollst berücksichtigen zu wollen. In tiefster Ehrfurcht Ew. Majestät allcrunterthänigst gehorsamste Baireuth, December 1866. Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus dem Tokajergebirge, im December. (Privatmitth.i Wenn auch im Landhause die Emancipationsangelegenheit bei der Wichtigkeit des schwebenden Ausgleiches noch ganz und gar ruht und die diesbezüglichen Reden bedeutender Abgeordneten dahin gedeutet werden müssen, daß erst dann, wenn die großen Fragen gelöst, auch die anderen Religionen und Nationen an die Reihe kommen, so sind doch die Journalisten in der Klarlegung dieser Fragen, sowohl in diesbezüglichen Journalen, als in selbstständigen Broschüren, desto lebhafter beschäftigt. Vor uns liegen zwei Broschüren, beide von anonymen Verfassern, beide sich mit der Emancipation beschäftigend, die eine führt den Titel: „Die Judenfrage vor dem Reichstage," die andere: „Zur Reformation der ungarischen Juden, von einem Glaubensgenossen." Die erstere, welche ein Scparatabdruck aus dem „Pester Lloyd" ist und wenn wir richtig vermuthen, den auch in weiten Kreisen rühmlichst bekannten Journalisten Landesadvocatcn Dr. Mör Mezei zum Verfasser hat, zeichnet sich durch eine seltene Klarheit aus, und wenn wir mit dem geehrten Verfasser dieser vorzüglichen Broschüre nicht in allen Punkten übercinstinnncn, so wolle man dieses nicht unserem Ausländerthum, wie man dieses in gewissen Kreisen so gerne beliebt, zuschreiben, wohl aber einer Ueberzeugung, die wir während eines mehr denn 13jährigen Aufenthaltes in einem Theile Ungarns gewonnen haben. Der geistreiche Autor hebt vor allem hervor, wie schon auf dem Reichstage 1839,40 in der diesbezüglichen Verordnung die Beschränkung der Juden als provisorisch bezeichnet ward, und daß die entschiedene Manifestation eines Franz Deal zu Gunsten der Juden die Emancipation der Inden zur Gewißheit mache. Sehr gründlich behandelt der Verfasser die Frage: „Was verstehen wir unter der vollen Gleichberechtigung der jüdischen Confession" und kömmt am Schluffe des ersten Absatzes zu dem Satze: „Wir wünschen und erwarten von dem gegenwärtigen Reichstage ein Gesetz, welches klar und unzweideutig aus spricht, daß der jüdischen Confession in ihren Cultus- und Schulangelegenheiten volle Autonomie zullehc und daß jede, die Gränzen des staatlichen Oberaufsichtsrechtes überschreitende Einmischung der Administrationsbehörden widergesetzlich und verboten sei." Wenn der Verfasser in dem ferneren Verlauf seiner Abhandlung dem Schulwesen seine ganze Aufmerksamkeit zmvendet und von der zweckmäßigen Verwendung des Schulfonds sich viel Heil für die Hebung der Culturzustände Ungarns verspricht, so sind wir mit dieser Partie nicht nur einverstanden, sondern leben in der festen Ueberzeugung, daß dem Aberglauben in einem Theile Ungarns durch ein zweckmäßiges Schulwesen nrit einem auf breiten Grundlagen basirten autonomen Systeme entgegengetreten werden kann. Ebenso interessant sind die Abschnitte, „über die Eidesleistung der Juden," „über die Einwanderung ausländischer Israeliten," „über die Mischehen zwischen Juden und Christen" rc. Nicht so consequent finden wir die Schlüsse, die der Herr Verfasser bei Gelegenheit des Capitels „über die staatliche Anerkennung der israelitischen Confession als Gesammtkorporation" macht, nachdem eine Consistorialverfassung in Ungarn, ähnlich der in Frankreich, nach unserer Ansicht eine Unmöglichkeit ist, und kann ich nicht begreifen, wie man Rabbinen und Rebbes der extremsten Richtung, Gemeinden mit den verschiedensten und extremsten Ansichten, etwa Pest, Szegedin, Ujhely, und Liszka vereinigen kann. Ist einmal der Gegenstand spruchreif, so finden wir in den jüdischen Zuständen Ungarns mit den hierländischen Protestanten bei weitem mehr Analogie, als mit den französischen oder englischen Juden, nachdem die 4 protestantischen Kirchendistricte unabhängig von einander sind und sich erst in der neuesten Zeit in Schulangelegenheiten geeinigt haben. In den Schulfragen haben wir bereits einen schönen Anfang gemacht und wünschen wir denn auch von Herzen, daß es dem Lehrerverein bald gegönnt sein möge seine Thätigkeit zu beginnen. Mit dem halsbrecherischen Zerstören, wie es die zweite Broschüre vorschlägt, der die paar deutschen Rabbinen und Lehrer ein Dorn im Auge sind, hat es Zeit, und wenn wir in diesen Fragen einen Wunsch haben dürfen, so ist es der: Mögen doch die großen Wortführer sich für die Folge mehr als bisher die Protestanten