Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 „Vier Fragen eines Ostpreußen" bis heute in strengster Consequenz gegeben, und weil diese Worte von einem Außenstehenden gesprochen und von den Zuhörern mit lebhaftem Beifall begrüßt wurden, mögen sie hier aufbewahrt bleiben. Auch wir weichen in den politischen Ansichten von Jacobh weit ab, aber wir verehren ihn als Mann des Rechts und der Wahrhaftigkeit. Staatsmänner, Politiker, Diplomaten haben wir in Fülle, aber solcher Charaktere nur wenige, und darum ist uns Glück zu wünschen, daß wir ihn haben. Jüngst nahm ein bekannter deutscher Romanschriftsteller in einem vor Kurzem erschienenen politischen Romane Jacobh zum Vorbild einer seiner Helden — aber er hatte die Falschheit, nicht zu erwähnen, daß er ein Jude sei, während er sociale Karrikaturen, Banquierssöhne u. dgl. als Juden einsührt und brandmarkt. Wir sind weit davon entfernt, in Dichtungen und Charakterschilderungen zu verlangen, daß die Juden stets von vortheilhafter Seite gezeichnet werden. Aber wir wollen gerechte Vertheilung von Licht und Schatten. Daß wir Juden auch in der politischen und publizistischen Sphäre ein Contingent unangenehmer und selbst schädlicher Persönlichkeiten liefern, stellen wir nicht in Abrede; aber wir können uns auch so bedeutender Charaktere rühmen, daß wir Jedem Ungerechtigkeit und Gehässigkeit vorwerfen können, der uns nur von der Schattenseite darstellt. Berlin, im December. (Privatmitth.l Während in Nummer 49 Ihres weitverbreiteten Blattes von hier aus berichtet wird, die jüdische Gemeinde sei von der competenten Behörde zur Feier des Friedensfestes aufgcfordert worden, schreibt man in demselben Blatte aus Breslau, die dortige Shnagogengemeinde habe dazu keine Ordre erhalten. Es erscheint diese Jnconsequenz sehr auffallend. Wie wir hier aus verlässigem Munde hörten, besuchte unser Rabbiner vr. Aub 8 bis 10 Tage vor dem Friedensfeste den Herrn Cultus minister, um zu fragen, ob denn auch die Juden das Friedensfest feiern sollten, und wenn ja, warum nicht eine Aufforderung an die Vorstände deßhalb ergangen sei? Der Cultusminister bejahte die erste Frage und erklärte, es würde durch die zuständigen Behörden oder Oberpräsidien die Aufforderung an die jüdischen Gemeinden ergehen. In der That erhielt der Vorstand unserer Gemeinde im Aufträge des Ministers durch daö Ober-Polizeipräsidium diese Aufforderung. Dem Rabbiner Di-. Aub händigte der Minister bei der Audienz die an die Kirchen ergangene Ordre sofort ein, um rechtzeitig Vorbereitungen treffen zu können. * Eine zweite Correspondcnz von der Leine in derselben Nummer Ihrer Zeitung nimmt sich heraus, die israelitische Gemeinde zu Hannover auf Kosten der beiden großen Gemeinden Berlin und Hamburg zu rühmen. Wir kennen das Schulwesen in Hamburg zu wenig, um den Advokaten dieser Gemeinde machen zu können; aber hier in Berlin wirken in dem Lehrerseminar, an den beiden Gemeindeschulen und an der Religionsschule 20—30 tüchtige Lehrkräfte in der schönsten Harmonie, so daß die Anstalten unter der Wirksamkeit dieser Lehrer in der schönsten Blüthe stehen. Bonn, 19. Dez. (Privatmitth.» Nachträglich sind uns zu unseren Petitionen Vollmachten zugesandt von den Gemeinden Marienwerder, Grätz, Lötzen, und Neuwedell. Da wir auf den Wunsch des betreffenden Berichterstatters der Petitionscommission des Abgeordnetenhauses die sämmtlichen Vollmachten eingesandt haben, hatten wir Gelegenheit auch die Zustimmungen der obigen Gemeinden trotz ihrer verspäteten Ankunft noch hinzuzufügen. — Die Seminarangelegenheit der beiden Provinzen Westphalen und Rheinland hat in diesen Tagen einen Schritt vorwärts gethan. Die umfängliche Ansprache der Commission an die Gemeinden beider Provinzen und das von derselben umgearbeitete Statut sind an die Gemeinden abgegangcn. Nunmehr rst es die Sache der Gemcinoen, für die Erhaltung und Reorganisation des Seminars thatkräftig einzutreten. Die Gemeinden müssen feste Jahresbeiträge auf ihren Etat übernehmen, um die Kosten des Seminars außer den aus den Fonds fließenden Einnahmen zu decken. Noch wesentlicher wäre es, wenn recht viele Gaben zu diesen Fonds flössen, weil dadurch mit der Zeit der Bedarf an Jahresbeiträgen vermindert und die Sicherstellung der Anstalt für alle Zeit erhöht würde. Cs versteht sich, daß das Statut, auch wie es aus der zweimaligen Berathung der Commission hervorgegaugen, Bestimmungen enthalten wird, über welche sich streiten läßt, und die eine andere Auffassung uno Meinung znlassen. Dies liegt in der Natur alles Menschlichen. Die Commission hat sich aber sorgfältig an die Grundsätze gehalten, welche von der Versammlung zu Cöln aufgestellt worden. Möge es uns vergönnt sein, recht bald Erfreuliches von den Resultaten berichten zu zu können. 1*