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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-01 · Heft 1 (1.1.1867) · p. Seite 10

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 ihres Vermögens oder doch ein beträchtliches Pauschquantum dafür bezahlen. Wie aber die deutschen Könige allmählich alle ihre Regalien für irgend welchen Entgelt an die Fürsten und Städte übertrugen, so auch ihr Schutzrecht über die Juden. Dies geschah auf zwei Weisen: entweder trat der König den Schutz über die an einem bestimmten Orte oder in einem gewissen Bezirke wohnende Judenschaft an einen Andern ab; oder er gestattete einem Landesherrn oder einer Obrigkeit, unter eigenem Schutze Juden in einem Theile ihres Gebietes, wo bisher keine Juden waren, anzusiedeln, wie man sich damals ausdrückte, Juden zu halten. Der erstere Modus wurde zuerst nur immer auf kurze Zeit geübt, oft wurden die Juden auch von den Berechtigten wieder an Andere abgetreten; nach und nach aber konsolidirte sich das Recht des Judenschutzes in der Hand des Landesherrn. Die zweite Art, einem Landesherrn oder einer Stadt das Schutzrecht über die Juden zu verleihen, kommt nicht, wie man bisher irrthümlich annahm, schon in der Mitte des zwölften Jahrhunderts vor, sondern erst unter Kaiser Friedrich II. — Der Judenschutz war zu nichts anderem geworden, als zu einer Einnahmequelle. Einmal gebrauchte man die Juden als Bankiers, andrerseits aber und hauptsächlich preßte man sie auf jede nur mögliche Weise aus. In der goldenen Bulle räumte Kaiser Karl IV. den Kurfürsten im Jahre 1356 ganz generell das Judenregal ein: die Kurfürsten sollten in ihren Territorien alle Bergwerksuutzungen an Metallen und Salz, die Juden und die Einkünfte von den Zöllen haben! „Die Juden", bemerkt Herr Stobbe, „erscheinen wie Bergwerke, aus denen sich nicht durch Arbeit, sondern durch Druck edle Metalle gewinnen lassen!" Wegen dieser finanziellen Bedeutung der Juden für Kaiser nnd Landesherren war es ihnen — mit geringen Ausnahmen — verboten, ohne Genehmigung ihrer Herren ihr Domizil zu verlassen. Auf der andern Seite rief aber auch an manchen Orten der nationale Widerwille, die Wuth des Pöbels, die Noth der Schuldner oder die Intoleranz des Klerus zu Zeiten entgegengesetzte Privilegien hervor, daß niemals mehr ein Jude dort Aufnahme finden solle. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 15. Dezember. Die Justizcommission des Abgeordnetenhauses beschäftigte sich heute mit einer Petition des Rabbiners Dr. Heinrich Jolowicz zu Königsberg i. Pr., in welcher derselbe beantragt: die Aufhebung des Juden-Eides und Ersetzung desselben durch die Formel: „Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden .... So wahr mir Gott helfe!" Es lag von einer Seite der Antrag vor, die Initiative zu ergreifen und der Staats-Regierung die Annahme eines besonderen Gesetzentwurfs zu empfehlen. Die Commission beschloß sedoch nach einer eingehenden Debatte dem Hause zu entpfehlen, die Petition der Staats- Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Berlin, 2v. Dezember iPrivatmitth.). Wenn einer Ihrer Berliner Correspondenten jüngst ausgesprochen hat, daß es wünschenswerth sei, in diesem Glatte die hervorragenden Momente zu notiren, in welchen Mitglieder der verschiedenen Parlamente jüdischen Glaubens mitgewirkt, und überhaupt dann und wann einen Blick auf den Charakter und die Wirksamkeit dieser Männer zu werfen, so scheinen mir mehrfache Gründe hierfür zu sprechen. Ist nun damit bereits in der letzten Nummer der Anfang gemacht worden, so gestatten Sie mir, noch einmal bei Johann Jacoby einen Augenblick stehen zu bleiben. Eine Charakteristik dieses seltenen Mannes zu geben, ist nicht meine Absicht, tvohl aber zu zeigen, wie man ihn auch in weiteren Kreisen anerkennt. Am vorigen Sonntag fand hier eine sehr zahlreich besuchte Volksversammlung statt, um über die Wahlen zum norddeutschen Parlament zu berathen. Als einer der ersten Caudidaten wurde Johann Jacoby vorgcschlagen, und dieser Vorschlag brachte einen stürmischen Beifall hervor. Der Redner sagte: Er stehe allerdings nicht auf dem Standpunkte Jacobh's in der deutschen Frage; wenn aber Jacobh von seinen bisherigen Wählern nicht wieder gewählt würde, so wäre das eine Verleugnung jedes politischen Tactes, eine Verleugnung der ewigen Ideen des Rechts unv der Moral, die in diesem Mann verkörpert sind. (Lebhafter Beifall.) Mit diesen wenigen Worten ist der Charakter, der ganze Lebensinhalt dieses Mannes von seinem ersten Auftreten in den bekannten

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