Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 der zu Bilderdienst führten, von der Darstellung des Göttlichen durch die Kunst abgehalten. Aber trotz alledem finden wir in den biblischen Berichten Leistungen verzeichnet, die schon einen gewissen Anspruch auf künstlerisches Schaffen machen. Zunächst die Stiftshütte in der Wüste, welche das jüdische Volk auf seinen nomadischen Zügen mit sich herumgeführt hatte, und deren Grundform bei allen späteren Tempelbauten als Vorbild diente, wurde von jüdischen Werkleuten erbaut. Der Stiftshütte, obgleich nur ein trag- und zerlegbarer Zelttempel von bescheidner Größe, ist doch eine gewisse architektonische Anordnung und künstliche Ausschmückung unb Ausstattung („mit allerlei Geräthe") nicht abzusprechen. Dieselbe bestand aus hölzernen Pfosten, mit Querriegeln verbunden, die wieder mit Goldblech überkleidet waren, und ans einem Dach von prächtigen Teppichen. Ein Vorhof ringsumher wurde durch erzbekleidete Pfosten von Föhrenholz, woran Teppiche und Tücher befestigt wurden', abgegrenzt. (2. Buch Moses, Cap. 31- 49.) Dem prachtliebenden Salomo diente bei der Ausführung seines berühmten Tempels die Stiftshütte zmn Muster, nur daß hier die innere Ausschmückung weit kostbarer und alle Verhältnisse ausgedehnter waren. Werfen wir euteu Blick im Allgemeinen auf die Bauweise der Juden, im Vergleich zu der der heidnischen Völker, welche die Steinarchitektur pflegten, so finden wir auch hier, wie bei den religiösen Anschauungen — Gegensätze. Der Stein als schönster Stoff für die architectonische Form, war als solcher bei den Juden unbekannt; gerühmt zwar werden die großen und kostbaren Steine, aber dieselben wurden nur angewendet zu Substrmtionen, Umfassungsmauern und Scheidewänden. Thür- und Fenstergewände, Gurte und Gesimse werden hier entweder aus Holz gemacht oder mit demselben verkleidet. Schnase sagt hierüber treffend: „Dieser Gebrauch der Bekleidung und Uebergoldung ist sehr charakteristisch Der eigentlich architektonische Sinn will die Construetion selbst, die Glieder des Gebäudes, die feinen Relationen ihrer einzelnen Theile sehen; er liebt den Schmuck wohl als eine Entfaltung und Erklärung dieser einzelnen Theile, nicht aber als einen fremdartigen Prunk, welcher den eigentlichen Ban verhüllt und über denselben in Ungewißheit läßt. Hier aber sehen wir Goldglanz und ehernen Schmuck, der blendend die Wände und Glieder des Baues, wie die schwere Tracht des Barbaren die schönen Verhältnisse des Körpers, verbirgt." Es erscheinen Holzbalken von weiter Spannung, welche Säulen unnöthig machen, Mauern aus sorgsam behauenen Steinquadern, welche anstatt das Material und die Construetion zu zeigen, mit Getäfel von Cedernholz vom. Libanon oder Cypressen verblendet waren. Diese Verkleidungen wurden wieder mit Schnitzwerk und Gold verziert. Außer diesem waren Decken und Wände gemalt und ornamentirt mit reichlichen Darstellungen von Blumen, Palmen, Cherubgestalten, Coloquinten i Eierstäben); dazu Teppiche mit Buntwirkerei, überhaupt alles, was die Phantasie reizt und unruhig erhält und den Sinn für die Form abstumpft. Die Erinnerung des Zeltes, wie sie überall bei ihren Werken zur Erscheinung gebracht wurde, ließ die architektonische Durchbildung nicht aufkommen, was auch die Vermuthung, die Juden hätten in der Gefangenschaft ägyptische Formen angenommen, zu Nichte macht; denn die Architektur der Aegypter beruht auf anderen Prinzipien: Steinbau mit Bildnerei, wie die vielen erhaltnen Werke, die Tempelbauten, Obelisken und die kolossalen Pyramiden beweisen, denen vorherrschend architektonische, plastische Formen eigen sind. Die Ausschmückung ist zwar auch sehr reich mit bunten Farben, jedoch der Goldglanz ist vermieden. Wir finden hier nur Gegensätze statt Aehnlichkeit. Auch die Visionen der Propheten bestätigen uns die geringe Entwicklung plastischen Sinnes bei den Juden. Die Beschreibungen ihrer in der Phantasie geschauteu Gotteshäuser sind verschwommen und unklar. Wunderbare Glanzlichter mit Farbenpracht ohne bestimmte Form im Umriß, mit monströsen, schrecklichen Thiergestalten, unbedeutende Dinge, die ans irgend einem Grund ihnen zusagen, als: Leuchter, Rädern, s. w. werden uns vorgeführt, ohne dem manchmal schön angelegten Bilde zu entsprechen. Höchst merkwürdig ist, wenn wir die Leistungen der Hebräer in den bildenden Künsten vergleichen mit dem, was sie -in der Poesie geleistet haben. Welche Fülle von Bildern, welches Gefühl für alle Naturerscheinungen, für das Große, Erhabene, Leuchtende und wieder das Kleine und Unbedeutende tritt uns hier entgegen. Schrecklich malen sie das Gericht des göttlichen Zornes und die Zerstörung alles Irdischen. Und wieder wie freundlich und lieblich sind die Bilder des Glückes und der häuslichen Zufriedenheit! Hiob, die Psalmisten und die Propheten: welche herrliche Bilder stellen sie in einem Zuge uns vor Augen! Sollte man da nicht meinen, eine große Gabe der Auffassung und Darstellung hätte