Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gar zu einem bestimmten Styl gelangt zu sein. Es ist daher unsere Absicht, in der nächsten Zeit in diesem Blatte über diese beiden ebenso wichtigen wie interessanten, Gegenstände von verschiedenen Seiten beleuchtende und klärende Aufsätze zu bringen, um dahin zu wirken, daß die Ansichten sich darüber fester gestalten, und damit auch die rege Strebsamkeit auf dem Gebiete der Kunst, wo sie in den Gottesdienst eingreift, mit einem guten Compaß zu versehen. Wird das Bedürfniß klarer und das Ziel sichtbarer, so pflegt es an der Erfüllung weniger zu mangeln. Wir geben daher heute mit Vergnügen Auszüge aus einem vortrefflichen Aufsatze aus der Wochenschrift „Der Taunusbote." Derselbe rührt von einem hochverdienten, als Architekt anerkannten Manu her, christlichen Glaubens,» der an eine wohlwollende Kritik der neuen Synagoge zu Hornburg v. d. Höhe seine Ansichten über das Bauwesen der Juden knüpfte. Mit Hinweglassung der ersteren, die nur lokalen Werth hat, geben wir hier die letzteren wieder. — „Es ist ein einteressaute, zugleich aber auch eine sehr schwierige Aufgabe für den Architekten, einen Tempel für den israelitischen Cultus zu erbauen; denn vollkornmen ausgebildete Bauwerke, wie der christliche Cultus deren viele aufzuweisen hat, finden wir bei den Juden sehr wenig, und die wenigen, die bestanden haben, sind zerstört. Es fehlen uns hier die wahrheitsgetreuen und unverfälschten Zeugen, nämlich die Baudenkmäler der früheren Zeiten, wo Moses die Stiftshütte und Salomo den prächtigen Tempel aufbauen ließen, bei welchen Bauwerken die Jdeerr des israelitischen Volkes, welches damals unter großen Herrschern und guten staatlichen Einrichtungen mächtig war, zur richtigen Erscheinung gebracht worden sind. Der Baumeister, der nicht die Synagogen, welche in den letzten Jahrhunderten entstanden sind, planlos copiren will, ist angewiesen, seine Studien theils aus den zwar wenig erhaltenen Resten, theils aus der Beschreibung der israelitischen Kunstwerke in der Bibel und den Schriften des Josephus zu machen. Die mosaischen Gesetze schreiben dein Architekten im wesentlichen die Anlage und die innere Einrichtung des Tempels vor, über die künstliche Behandlung des Baustyls jedenfalls nicht; denn in Deutschland, Frankreich, England, Spanien, selbst im Morgenland rc., wo im Laufe der Jahrhunderte viele Synagogen zur Ausführung kamen, wurden die verschiedenartigsten Baustyle angewendet.*) Und gewiß läßt es sich nicht läugnen, daß auch auf diesem Gebiete der religiösen Baukunst manches Bedeutende zu leisten ist, sobald es dem Baumeister Ernst ist und er sich keine Mühe verdrießen läßt, tüchtige Studien in der Geschichte der Juden und des Alterthums zu machen. Der jüdische Glaube muß ihm als Richtschnur dienen und nur daun wird es ihm gelingen die Ideen und Anschauungen der Juden zur wahren Erscheinung zu bringen; er muß suchen, der sonst starren anorganischen Masse eines Bauwerkes Leben und Seele einzuhauchen. Bei der Unvollständigkeit der Nachrichten und bei dem Mangel an Werken der bildenden Künste, könnte man sich veranlaßt fühlen, voreilig zu schließen, die Juden hätten gar nichts geleistet in der Baukunst, Skulptur und Malerei. Dies ist nicht ganz richtig. Wenn indessen ihre Leistungen von den Aegyprern, Griechen und Römern übertrofsen wurden, so mag dies zum großen Theil seinen Grund darin haben, daß die Vorbedingungen, die einem großen künstlerischen Leben und Schaffen eines Volkes voran zu gehen Pflegen, hier gänzlich fehlen. Ackerbau und Viehzucht war ihre Hauptbeschäftigung, und außer diesem lebten sie eine zu lange Zeit in sehr ungünstigen politischen Verhältnissen, was der Kunstentwicklung hemmend in den Weg trat. Sehr ist noch zu beachten: Während die bildenden Künste bei den verschiedenen alten und neuen Völkern im Dienste der Religion sich großartig entfalten konnten, und während das religiöse Bewußtsein eines Volkes bei den gottgeweihteu Werken seinen vollgültigen Ausdruck fand: sehen wir die Hebräer durch das Bilderverbot Moses mit einer gewissen, damals**) berechtigten, religiösen Scheu, daß Bil- *) Berühmt war im Alterthum wegen ihrer Schönheit und Größe die Synagoge in Alexandria, im 12, Jahrhundert die von Marmorsäulen getragene Hauptsynagoge in Bagdad und seit dem 14. Jahrhundert die noch vorhandene große Synagoge zu Toledo. Im 16. Jahrhundert wurde die schöne Meiselschule in Prag und ün folgenden die Synagoge der portugiesischen Juden in Amsterdam aufgeführt. In neuerer Zeit wurden hauptsächlich in Wien, Berlin, Frankfurt, Cöln, Trier, Mannheim sehr schöne und großartige Synagogen erbaut. Corresp. **) Wir glauben nicht, daß man sich auf dieses „damals" beschränken könne. Jedermann weiß, daß der Bilderdienst noch heute nicht ganz verschwunden ist. Redakt.