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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-01 · Heft 1 (1.1.1867) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 heit in dieser Zeit vorwärts gekommen, ob das Ringen und Kämpfen schöne Erfolge erzielt hat, ob das Werk Gottes in der Menschheit weiter gediehen? Und dies iß es, dies ist es wahrhaftig, und Alles, was Ihr aufgezählt, Freiheit, Recht, Erkenntniß und Glaube haben ihre Siege gefeiert, haben weite Wegesstrecken zurückgelegt. Wir wollen hier nicht in Erörterungen über das Allgemeine eingehen. Wir haben unsere Ansichten und Beweise hierüber an anderen Orten niedergelegt.*) Wir ziehen uns vielmehr hier auf das Gebiet zurück, auf welchem dieses Blatt sich bewegt. Und fürwahr! hier wird es uns nicht schwer, den Fortschritt in dem Zeiträume, den wir heute überblicken, zu erkennen, Niemand wäre undankbarer gegen seine Zeit, als der Jude, wenn er ihr die Palme des Fortschrittes nicht zuerkennen wollte. Und wir sprechen hier nicht blos von den äußeren Berhältnissen, sondern auch vom inneren Leben. Selbstverständlich kann auch hier von der Erreichung eines letzten Zieles, von dem Ende des Weges, von dem Abschluß der Entwickelung und des Kampfes nicht die Rede sein; und wir verkennen auch nicht, daß, wie jedes Licht seinen Schatten, so auch hier die Verbesserung ihre Benachtheiligung mit sich gebracht, nur daß es darauf ankommt, auf welcher Seite das Mehr liegt. Sammeln wir unsere Erinnerungen, und gedenken zuerst der äußeren Verhältnisse und Stellung der Juden und des Judenthums. Nur daß wir nicht zulassen können, daß es sich hier bloß um Aeußeres handele. Innerlich waltet in dieser äußeren Lage der Juden ein großes Rechtsprinzip, ein bedeutsames Freiheitsprinzip, nämlich die Rechtsgleichheit und die Gewissensfreiheit, und es ist wahrlich nicht blos etwas Aeußerliches, ob diese einen immer erfolgreicheren Sieg in der menschlichen Gesellschaft erfechten, noch dazu, da sie selbst als Prinzipien nicht isolirt aufgefaßt werden können, sondern in der engsten Verbindung mit den anderen Rechts- und Freiheitsprinzipien. Nun, sehen wir, was wir hier erfahren haben. Wir wenden uns zuerst nach dem Westen. Mit Befriedigung sehen wir hier von Frankreich, Belgien und Holland ab, in welchen Staaten die bürgerliche Gleichstellung und die Anerkennung des jüdischen Cultus seit 1837 *) S. unsre Vorlesungen über „die Resultate in der Weltgeschichte" (Leipzig 1860). „Israelitische Religionslehre" B. I. S. 125 ff. Leipzig 1861), keine Fortschritte gemacht, weil sie keine zu machen brauchten. Die immer größere Ausdehnung der Theilnahme, welche die Juden am öffentlichen Leben in diesen Staaten gewannen, wie sich eine immer größere Zahl im Dienste des Staates, der Wissenschaft und Kunst hervorthat und verwandt wurde, wie selbst Ministerstühle in Frankreich und Holland von Juden besetzt wurden, der Lehrstühle an Universitäten nicht zu gedenken (z. B. in Paris gegenwärtig fünf), so wie die beständige Steigerung des vom Staate für den jüdischen Cultus bewilligten Etats sind nur natürliche Consequenzm. In England hingegen ward es damals als ein ungeheurer Fortschritt gefeiert, daß ein Jude in London zum ersten Male zum Sheriff gewählt und zugelassen wurde. Seitdem ist durch die Zulassung in das Parlament nach langem Kampfe die letzte Schranke gebrochen, wiederholt erhielten Juden das Amt des Lord-Mayors von London und au^ in anderen großen Städten des Reiches, z. B. im vorigen Jahre drei, und im Unterhause sitzen vier Juden, nach der schwachen jüdischen Bevölkerung in England eine große Zahl. Selbst auf der pyrenäischen Halbinsel, wo Spanien noch immer den Standpunkt der Unbeweglichkeit iu Allem, was die moderne Welt beseelt, einnünmt und für die Juden aus gemeinnützigen Absichten höchstens ein paar Orden und stille Duldung Weniger hat, erhob sich wenigstens Portugal, unseren Glaubensgenossen die Niederlassung und die öffentliche Ausübung ihres Cultus mit Synagoge und Begräbnißplatz zu gewähren. — Welche Veränderung aber in Italien! Damals noch in allen italienischen Staaten die vielfachste Beschränkung, in einigen die größte Erniedrigung, aus Neapel und Sieilien die Verbannung — jetzt in dem neugeschaffenen Reiche die unbedingteste Gleichstellung und Gewissensfreiheit, und zwar nicht blos in der papierenen Verfassung, sondern faktisch bethätigt in allen Zweigen des öffentlichen und des Privatlebens. Nur Ein Staat beharrt auch hierin in seinem Non possumus, der Kirchenstaat, eine einzige kleine Wüste in der großen europäischen Oase, eine umgekehrte Naturerscheinung! Und doch hatte auch hier Pius IX. bereits einen ganz anderen Weg eingeschlagen, als er wieder umkehrte und noch hinter seine Vorgänger zurückwich. So gewaltig ist aber die Macht der Zeit, daß sie auch hier eine Umgestaltung unausweichlich gemacht hat. — Von jeher war das griechische Volk den Juden feindlich gesinnt, und wehe diesen, wo irgend der griechische Pöbel keine Zügel zu tragen hatte! Dennoch war der griechische Staat

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