Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226581-3226583--24527-3259988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M 1. 3i. g^rgmta. Allgcmcivc Zeitung des Zu-cuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 1. Januar 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 2Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden'mit llj2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Dreißig Jahr. — Die Petitionen an das preußische Abgeordnetenhaus und au das norddeutsche Parlament. — Ueber Bauwesen und Musik zn jüdischen gottesdicustlichen Zwecken. 1. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr D euts chland: Berlin, Bonn, Birnbaum, Aus der Pfalz. Frankreich: Paris. Italien: Vercelli. Afrika: Abyssinien. Feuilleton-Beilage: Vergangenheit. — Verschenkt! Verkauft! — Correspondenz. — Kuriosum. Leitende Artikel. Bonn, zum I. Januar 1867. Dreißig Jahr. Dreißig Jahre sind vorübergegangen, seitdem diese Zeitung ihren Rundgang begonnen. Wir schrieben >837, als sie zum ersten Male erschien. Ist die Welt in diesen drei Jahrzehenden fortgeschritten, oder nicht? Und wenn es in der Natur der menschlichen Dinge liegt, niemals auf demselben Punkte stehen zu bleiben, waren die Veränderungen zum Guten oder zum Uebeln? Die beiden Fragen, die im Grunde nur Eine sind, werden verschiedentlich beantwortet. Die ungeduldige Jugend, der Unzufriedene, der Vornrtheilsvolle und Beschränkte ruft aus: Nein! Was und so Vieles auch geschehen, sein Inhalt ist unbedeutend, und trägt mehr den Schein des Fortschrittes, als es in Wirklichkeit ist! So viel ist um die Freiheit gekämpft worden, und wo wäre sie heute schon zu finden? So viel ist nach dem Rechte gerungen worden, und es ist immer noch wenig entwickelt, und wenig festgestellt, wenig mit erforderlicher Macht ausgerüstet! Der Schatz der Kenntnisse, Erfahrungen, Beobachtungen ist außerordentlich vermehrt worden, aber ist cs der Schatz der Erkeuntniß in gleichem Grade? Hat sich der Glaube nicht vermindert und der Aberglaube dafür gestärkt? Die Kritik hat viel gearbeitet, aber ist sie nicht zur bloßen Verneinung -geworden? Selbst der inächtige Aufschwung der Industrie, hat er nicht den Dämon der Spekulation aus seinen Flügeln emporgetragen?... Nein! Was ihr Fortschritt nennet, befaßt mehr Veränderung zum Uebeln als zum Guten! Wir sind nicht dieser Meinung. Gestützt auf die dreißigjährige Erfahrung, die wir in der Redaktion dieses Blattes zu machen so reichlich Gelegenheit hatten, auf eine sorgfältige Beobachtung, auf eine unparteiische Prüfung der Thatsachen und ihrer Motive — so weit eine solche dem Menschen und besonders, wenn er Grundsätze hat, möglich ist — gestützt auf diese und auf eine innigste, religiöse Ueberzcugung, sagen wir: die Menschheit hat in diesen drei Jahrzehenden große Fortschritte gemacht, Fortschritte zum Edelsten und Besten, Bürgschaften für den Fortgang in der Zukunft. Ja, wenn Ihr Vollendung, Erreichung des Zieles, unbedingte Obmacht des Göttlichen in der Menschheit verlangt, dann hättet Ihr Recht, aber Ihr verlangtet das Unmögliche. Es handelt sich nur darum, ob die Arbeit der Mensch-