Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 53 (27.12.1864)
- Date
- 1864-12-27
- Page
- Seite 825 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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825 dritten Knaben aus Palästina in Deutschland erziehen, die vierten sämmtliche Juden aus Rom nach anderen Ländern verpflanzen und endlich verlangt gar Hildesheimer in Eisenstadt Comitss und Gelder, um jüdische Missionäre und Lehrer, versehen mit Thorarollen, Siddurim, Thephillin, Mesusoth und Schophroth u. dgl. zu den Fallascha's in Abhssinien zu senden, natürlich in bedeutenden Massen, um die ganze Völkerschaft damit zu versehen; daß man AehnlicheS auch für die Juden in Afghanistan, Kabulistan, China n. s. w. fordert, will ich nur andeuten. Ich habe hierbei nur die vorzüglichsten und am meisten betonten erwähnt, die wirkliche Reihe ist noch viel größer. Es ist nicht meine Absicht, diese Pläne hier zu kritisiren; mehrere von ihnen thun dies durch sich selbst; nehmen wir an, daß sie alle gut gemeint sind, daß sie alle wünschenswerthe Dinge betreffen; daß aber die meisten auch nicht auf den geringsten Erfolg zu rechnen haben, liegt in der Natur der Dinge. DaS Publicum selbst gibt schon die nachdrücklichste Antwort. Nur davor wollten wir das letztere schützen , daß es, wenn es auf dergleichen Projekte nicht eingeht, der Gleichgiltigkeit für die Interessen des Judenthums gezeiht werde. Der regste Eifer, das wärmste Herz kann mit derartigen Entwürfen nicht übereinstimmen, kann ihrer Unausführbarkeit und Erfolglosigkeit, das Schwankende und Entferntliegende einsehen und sich von ihm zurückhalten wollen. Ich habe im Eingang gesagt, daß man sich über diese Erscheinung noch keine klare Ansicht bilden könne. Vielleicht liegt darin der Anfang einer großen Entwickelung; vielleicht ist es eine Bildungsschule, aus der sich der Sinn für das Praktische schon entfalten werde; das Uebermaß wird sich abschleifen und die Richtung und Wirksamkeit für das allgemeine Wohl daraus hervorgehen. Österreichischer Kaiserstaat. Lemberg, 6. December. Die „Lemberger Zeitung" schreibt: Bor nicht vielen Tagen hat die hiesige Jsraelitengemeinde neue Vorstände gewählt. Den Männern, welche die Gemeinde an ihre Spitze gestellt, liegt es nun ob, mit allen ihren Kräften die geistigen und materiellen Interessen und daher den Fortschritt nach allen Richtungen hin zu fördern. Durch zwei Decennien, nämlich vom Jahre 1842 bis anfangs 1862, sind an der Spitze der hiesigen Jsraelitengemeinde Männer gestanden, die man mit Recht mit dem Ehrennamen „Fortschrittsmänner" bezeichnen konnte und die vor nahezu 3 Jahren durch bedauerliche Ereignisse veranlaßt waren, ihr Mandat theilweise niederzulegen. Sie hatten den Muth, veralteten Observanzen und verknöcherten Vorurtheilen den Fehdehandschuh hinzuwerfen und unter harten Kämpfen das Beste zu thun, um unter alle Schichten ihrer Gemeinde Kenntnisse und Bildung zu verbreiten und sie dadurch zu nützlichen Staatsbürgern zu machen. Der neue Tempel, die jüdisch-deutsche Hauptschule, deren Räume bereits zu klein sind für die herbeiströmende, bildungsbedürftige Jugend, die deutsche Trivialschule, die Kleinkinderbewahranstalt und das Waisenhaus geben beredte und unvergängliche Zeugenschaft für ihr segenreiches Wirken. Es trat nunmehr ein Wechsel ein. Wie eingangs erwähnt, hat die Gemeinde vor wenigen Tagen wieder ihre Vorsteher gewählt. Die Wahl war keine stürmische, die Wahlclubbs hatten keine Candidaten aufgestellt, die Judengemeinde war nicht in feindliche Wahllager getheilt — die Wahl war außerordentlich stille, denn es hat sich das auffällige und höchst bedauerliche, das gegenwärtige sociale Leben der israelitischen Gemeinde in betrübender Weise charakterisirende Factum herausgestellt, daß von 1200 Wahlberechtigten 48, sage achtundvierzig, die Männer gewählt haben, welche berufen sein sollen, durch ein Triennium die wichtigsten Angelegenheiten der Gemeinde im Innern und nach außen in die Hand zu nehmen und dem Fortschritte zuzuführen. Die Ursachen dieses nie dagewesenen Phänomens einer solchen Wahl sind uns nicht bekannt, auf dasselbe aber mit allem Nachdrucke hinzuweisen und die allgemeine Aufmerksamkeit darauf hinzulenken, dürfte jedenfalls am Orte sein. Treviso, 10. December. Die „Presse" schreibt: Monsiguor Zinelli, der bekannte energische Bischof unserer Stadt, hat in den letzten Tagen wieder von sich sprechen gemacht. Es starb hier nämlich ein wohlhabender Industrieller, israel. Religion, Mandolfo Levi. Die Achtung, welche der Verstorbene bei der Bevölkerung genoß, brachte es mit sich, daß sich eine große Volksmenge zu seinem Leichenbegängnisse einfand. Dieses gab unserm Herrn Bischof Veranlassung, in der Kirche von der Kanzel herab gegen diese unkatholische Haltung der hiesigen Bevölkerung sich zu wenden. Die Rede erhielt noch durch den Umstand ein sonderbares