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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-12-27 · Heft 53 (27.12.1864) · p. Seite 824

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 53 (27.12.1864)
Date
1864-12-27
Page
Seite 824 (sequence 6)
Language
German
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824 und die Wünsche, welche die reactionäre Presse, die „Kreuzzeitung", die „Berliner Revue" und ihre Anhängsel bei dem Abtreten des altliberalen Ministeriums aussprachen, nicht in Erfüllung gegangen sind. So wenig wie deren Hetzereien, die sie anderthalb Jahrzehnte fortgesetzt hat, nach unten, bei dem Volke, nur den geringsten Erfolg gehabt haben, ebenso wenig nach oben bei der Regierung. Sind doch nicht einmal die Verfügungen des Ministers Grafen von Schwerin betreffs der Kreis- und Provinzialstände zurückgenommen worden, dahingegen hat sich die Absicht, die Juden vom Richter- und Lehrstande fern zu halten, noch entschiedener ausgesprochen. Die Nichtbestätigung von Männern unseres Glaubens als Mitglieder von Handelsgerichten u. dgl., wozu sie gewählt worden, zeigt, daß man um so weniger uns in den ordentlichen Richterstand eintreten zu lassen gedenkt. Maßnahmen, um selbst Magistrate und Stadtverordnete von der Wahl von Juden in Schuldeputationen abzuhalten, oder solche bereits getroffene Wahlen wieder aufzuheben, beweisen, daß man hinsichtlich des Lehrstandes auch nicht die geringste Concession machen werde. Hiervon macht jedoch die Habilitirung als Privatdocenten an Universitäten und die Ernennung zur außerordentlichen Professur —- weiter freilich nicht — eine Ausnahme. Es ist gut, daß wir uns über diese Lage der Dinge völlig klar erhalten, damit unsere Jugend keinen Fehlgriff in der Wahl ihrer Carriere mache. Es ist uns heute nur daran gelegen, die Thatsache zu constatiren. Sie mit Worten zu bekämpfen und Argumente dagegen aufzuführen, wäre ein nutzloses Bemühen. Unsere Zeit hat sich in Beweisführungen durch das Wort erschöpft, nur die Thatsachen sprechen noch und darum müssen diese stets durchsichtig erhalten werden. — Die „23. Z." schreibt: Ein reizender Bazar, welchen der „Frauenverein zum Besten israelitischer Waisenmädchen", Behrendstraße 32, in der Wohnung der Frau Hermann Herz, seit wenig Tagen eröffnet hat, empfiehlt sich wohlberechtigt durch seinen edlen Zweck wie durch die Schönheit und Mannigfaltigkeit preiswürdiger Gaben allen Kauflustigen. Wer irgend einen Festtisch mit einer Liebesgabe schmücken will und unentschlossen in der Wahl ist, dem wird es hier nicht schwer werden, das Rechte zu finden, das den Geschmack des Gebers ehrt und den Empfänger freut. Geschmackvoll und sauber gearbeitete Stickereien in Perlen und Wolle, unter denen ein prachtvoller Teppich den ersten Rang einnimmt, und was vom Haupt bis zu den Füßen sich schön und nützlich erweist, Schuhe und Coiffüren, Fächer und Schmucksachen, Taschen und Körbchen, Basen, Uhrhalter, Klingelschnur, Briefbeschwerer, Lesepult, Portemonnais, Feder- und Handschuhkästchen, Photographien, Kupferstiche u. s. w. Da die Mehrzahl dieser gefälligen Gegenstände der weiblichen Kunstfertigkeit zunächst nur das geeignete Material geboten, so erhöht dies den Werth und Reiz derselben. — Die Ausstellung, welche täglich in den Vormittagsstunden von 11—2 geöffnet ist, wird bis zum 21. d. M. dauern. Das treffliche Institut, zu dessen Förderung sie veranstaltet wurde, erzieht gegenwärtig, nach dem uns vorliegenden 31. Jahresberichte des Frauenvereins, zehn Waisenmädchen. Von der Elbe, im December. (Privatmitth.) Eine eigenthümliche Erscheinung im Judenthume in der jüngsten Zeit, über deren Werth oder Unwerth sich noch keine klare Ansicht gebildet hat, ist, daß von allen Seiten und den verschiedensten Orten die weitgreifendsteu Projekte auftauchen und in die Oeffentlichkeit geworfen werden. Im vollen Gegensatz zu der alten Zeit, in welcher sich alles Interesse auf das Weichbild beschränkte, man nur für die Oertlichkeit schuf und baute, nach der gewohnten Schablone der localen Vereine und Anstalten, bestrebt man sich jetzt, in die Ferne zu greifen und für das große Ganze zu wirken. Dies wäre nun an und für sich sehr löblich und gibt jedenfalls Zeugniß für die Erweiterung des Blickes, für den erwachten Gemeinsinn, für das Bewußtsein der religiösen Zusammengehörigkeit. Aber es verbindet sich damit doch leicht der Nachtheil, daß man die heimischen Bedürfnisse übersieht, Heilsames, ja Nothwendiges für die nächsten Kreise vernachlässigt und das Interesse dafür brach liegen läßt. Man verfällt da leicht in den Fehler, der anderen Religionsparteien vorgeworfen wird, daß man die drängendsten Bedürfnisse im eigenen Lande unbeachtet läßt und für die Hottentotten und Miaulis Sorge trägt. Anderentheils wird der Projectenmacherei großer Vorschub geleistet und das Publicum durch die immer sich wiederholenden Aufforderungen und Ansprachen abgestumpft. Was haben wir nicht alles in der jüngsten Zeit derartiges auftreten sehen! Die einen wollen Pilgerhäuser in Jerusalem bauen, die anderen jüdische Ackerbaucolonien im heiligen Lande oder am Kanal von Suez gründen, die

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