Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 53 (27.12.1864)
- Date
- 1864-12-27
- Page
- Seite 823 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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823 und Wertheimer herausgegebenen wiener Jahrbuches gestanden und sind uns daher meist liebe Bekannte. Einige darunter, z. B. „die Jahrzeit", sind wahrhafte Perlen, andere haben minderen Werth und bisweilen etwas Gemachtes. Ueber alle aber ist der Hauch tiefer Gemüthlichkeit und wahrer Sittlichkeit ausgegossen. Daß der Verf. sie dem deutschen Publicum in dieser besonderen Ausgabe übergibt, motivirt der Verf. im Vorwort mit folgenden Worten: „Ja! ich wiederhole es, dem deutschen Volke sollen diese Geschichten erzählen, was diese ,Gasse" einst an Leid und Freud, an Drangsal und Aufrichtigkeit umschloß; ihre Gestalten und Naturen, so treu wiedergegeben als ich es vermochte, sollen darthun, unter welchen Kämpfen und Wehen das Licht des Morgens nach so langer Nacht für sie angebrochen ist; mit welchen Gefühlen, Anschauungen, Widersprüchen und Dissonanzen sie hart an der Schwelle stehen, die in das Thor der Gegenwart führt, einer Verjüngung entgegen, deren letztes Ergebniß noch nicht abzusehen ist." Der Großherzog von Weimar hat die Widmung dieser beiden Bände angenommen. — Aschawa. Jahrbuch für 1865—5625. Herausgegeben vom Vereine zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland. Der Reinertrag fällt in die Unterstützungskafse. Leipzig. In Commission bei C. L. Fritzsche. Unsere Leser kennen bereits den besonderen Zweck, welchen die Herausgabe dieses, nun zum ersten Mal erschienenen, Jahrbuches verfolgt. Es sollen durch den Reinertrag dem vor kurzem gegründeten Unterstützungsverein israel. Lehrer in Deutschland Hilfsmittel zufließen, um die durch die regelmäßigen Beiträge der Mitglieder allein nicht zu erzielenden Erfolge zu erreichen. Es ist schon anerkennungswerth, daß sich auf die Ankündigung hin fast 1000 Abnehmer fanden, eine Zahl, die, wenn der Verein erst festen Boden gewonnen und wenn sich recht viele Förderer desselben finden, außerordentlicher Vermehrung fähig ist. Wir glauben auch sagen zu können, daß das vorliegende Jahrbuch sich auch durch seinen Inhalt Freunde erwerben wird, da derselbe mannigfaltig, nach vielen Richtungen befriedigend, belehrend und unterhaltend, weckend und begeisternd ist. Wir können hier auf denselben in seiner Reichlichkeit nicht eingehen und verweisen lieber die Leser auf das Buch selbst, indem wir sie dringend ersuchen, dasselbe zu erwerben und so sich selbst Genuß, der guten Sache nachdrückliche Förderung zu schaffen. — Nuovi Studi sulla Donna Israelita del Professorc Lelio della Torre. Padova, co Tipi di A. Blanclii, 1864. Wie in allen Literaturen entging auch in der italienischen die Stellung des Weibes bei den Israeliten nicht der Schmähung und fälschlicher Bcurtheilung. Das Vorurtheil gegen das Judenthum, das irrige Berständniß der h. Schrift, die Unkenntniß und Nichtberücksichtigung der völligen Verschiedenheit der Verhältnisse und die Lust, dem Christenthume oder der modernen Bildung alle möglichen Vorzüge zuzuschreiben und zu deren Gunsten alles andere in den Staub zu ziehen, alle diese Momente trugen von jeher dazu bei, auch die Stellung des jüdischen Weibes in ein falsches Licht zu stellen. Sind doch selbst neuere Juden in einem geheimen, ihnen selbst oft nicht bewußten Haß gegen das Judenthum darin sehr weit gegangen, obgleich sie es doch besser wissen mußten. Wir haben darüber öfter Aeußerungen gehört, die uns empörten. Der verdienstvolle Verf. der vorliegenden Schrift, der treffliche Professor am Rabbiner-Seminar zu Padua, Herr Lelio della Torre, begegnet den Aussprüchen eines italienischen Autors Gabelli in Rivista veneta und stellt das Verhältniß des Weibes vom mosaischen und talmudischen Standpunkte in ein klares, unzweideutiges Licht. Della Torre vereinigt mit Gelehrsamkeit, Verstandesschärfe und Gemüthstiefe auch die Fähigkeit, sich in seiner Muttersprache in leichter, eleganter und beredter Form auszudrücken, und dies macht die Lectüre seiner Schriften neben der Belehrung auch höchst angenehm. Dabei besitzt er eine genaue Kenntniß der deutschen Literatur und vermag überall die einschlägigen Werke der deutschen Gelehrten, sowohl der jüdischen als der christlichen, zu benutzen, was bekanntlich sowohl in Frankreich als in Italien zu den Seltenheiten gehört und bei sonst sehr hervorragenden Männern vermißt wird. Das vorliegende Schriftchen muß daher als ein werthvoller Beitrag für die behandelte Frage betrachtet werden. — Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 15. December. (Privatmitth.) Wenn wir einen Blick aus das verflossene Jahr und seinen Vorgänger in Betreff der Verhältnisse unserer Glaubensgenossen in Preußen werfen, so kann uns die Richtung, welche sie genommen, nicht zweifelhaft sein. Wir erkennen mit Befriedigung, daß die Prophezeiungen