Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 53 (27.12.1864)
- Date
- 1864-12-27
- Page
- Seite 822 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226472--22690-3259977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
822 kränkeln) es ist der reine heroische Stil, mächtig, erhebend, voll Wechsels und Kraft. Wenn in ihm die Arie mehr zurücktritt vor den Chören, obgleich auch sie des Reizes, der Innigkeit und Schönheit nicht entbehrt, so ist dies gerade dem Gegenstände angemessen, da in ihm weniger die Personen als die Nation und die Principien hervorzuheben waren, und die unerreichbare, geniale Jnstrumentirung, welche bei gewaltiger Erhebung nirgends das Maß überschreitet und überall den Gedanken und Gefühlen entspricht, so daß Natur und Wahrheit in allen Partien zum Gefühle kommen, erhält die Seele des Hörers immer wach und frisch, so daß sie bis zum letzten Tone dem Meister gehorsam ist und lauscht. Wir wissen nicht, von wem das treffliche Gedicht verfaßt ist, das dem Oratorium zum Grunde liegt. Aber es ist durchaus entsprechend und enthält wechselnde Momente genug, um dem Meister Gelegenheit zur schönsten Entwickelung zu geben. Matthatias ist gestorben und das Volk beklagt seinen Tod. Simon richtet es auf durch die Verkündigung, daß Makkabäus vom Herrn erwählt sei, es dem Joche des Syrers zu entreißen, und fordert es in einer begeisternden Arie zum Widerstande auf. Judas stellt sich an die Spitze des Volkes, die Hilfe Gottes wird zum Kampfe erfleht und man stürzt in den Kampf „um Freiheit oder edlen Tod." Der 2te Theil beginnt mit dem Jubel über den ersten Sieg, aber ein Bote bringt die Nachricht von dem Anrücken des zweiten größeren Heeres unter Gorgias. Aber Judas erhebt den Muth der Seinigen, Simon erinnert sie an das entweihte Heiligthum, und so ziehen sie abermals zur Schlacht. Im dritten Theile wird dem betenden Chore die völlige Niederlage des Feindes berichtet, die Sieger nahen in feierndem Zuge und der Ruhm Judas und der Dank gegen Gott, den Retter und Befreier der Unterdrückten, wird gepriesen. Ein Gesandter des römischen Senats erscheint und entbietet den Juden die Freundschaft Roms, worauf die Schlußchöre im Siegeshymnus einfallen. So fehlen denn auch die Schlagwörter nicht, welche, mitten in der momentanen Situation, die ganze Geschichte des jüdischen Volkes charakterisiren. Wenn der Chor singt: „Dringt ein in die Feinde mit rüstiger Hand: so wird Gott Jehova den Völkern bekannt!" — so hat er hiermit den höheren Zweck aller Kämpfe des jüdischen Volkes gejetd)iiet; wenn er in die Klage ausbricht: „Du sinkst, ach, armes Israel! tief herab vom Sitz der Freuden in des Jammers Grab!" — so ist damit das Schicksal dieses Stammes zu so vielen Zeiten seiner Geschichte ausgesprochen) untz wenn er endlich ausruft: „Noch niemals beugten wir das Knie dem stummen Holz und tauben Stein — wir opfern Gott und Gott allein!" — so war es uns erfreulich, daß der Dichter diese anerkennenden Worte auf die Lippen der Sänger gelegt: sie galten uns ein Zeugniß der Geschichte! Literarischer Wochenbericht. Bonn, 15. December. Angekommen: «np ■'anpu Biblische Lesestücke (in ungarischer Sprache) unter Mitwirkung des Seminar-Directors Josef Arvai vom Musterhauptschullehrer Jsak Rosenmeyer in S. A. Ujhely. Die Bestrebungen des Herrn Oberlehrers I. H. Rosenmeyer zur Hebung der ungarisch-israelit. Schule sind sehr anerkennungswerth und gewiß ist es rühmlich, daß ein Deutscher, der in Ungarn seine zweite Heimath gefunden, es so weit bringt, in der ungarischen Sprache selbst etwas zu leisten. — Jeschurun. Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums. Herausgegeben von Dr. I. Koback, Districtsrabbiner in Bamberg. Hebräische und deutsche Abtheilung. Drittes und viertes Heft. Fürth, 1864 (S. B.. Gusdorfer). — Methode facile pour apprendre l’H4breu, contenant des prifcres et actions de graces. A l’usage des jeunes Isra41ites, par L. Blum, professeur. Paris, 1864. (L. Blum). Die Methode des Verfassers besteht besonders darin, daß er zuerst die Uebungen des Hebräischlesens mit der Aussprache in französischen Buchstaben verbindet, so daß ein jeder dieselben auch für sich durchmachen kann, und dann, daß er ihr einen grammatikalischen Gang zum Grunde legt. — Erstes Lese- und Uebersetzungsbuch im Hebräischen. Nach methodischen Grundsätzen bearbeitet von I. Klingenstein, Lehrer. Oppenheim, 1864. (E. Kern). Ein Hilfsbüchlein zum ersten Unterrichte im Hebräischen, daS zu gutem Ziele führen wird. — Bonn, 16. December. Geschichten einer Gasse. Novellen von Leopold Kompert. 2 Bände. Berlin, 1865. lLouis Gerschel). Die Tendenz und der Charakter der Kouipert'schen Muse sind den Lesern d. Bl. schon längst vertraut und wurden auch von uns in früheren Jahrgängen genügend gewürdigt. Die beiden vorliegenden Bände enthalten die Novellen und Erzählungen, welche in den letzten Jahrgängen des von Kompert