Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1864)
- Date
- 1864-12-20
- Page
- Seite 814 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226471--22681-3259967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
814 Synagoge, zu deren Erbauung der Jubilar seiner Zeit wesentlich beigetragen hatte, überreichte der Gouverneur der Insel dem noch sehr geistesfrischen und rührigen Greise die königl. Bestallung als Oberstlieutenant. In Aalborg sind vorige Woche bei Anwesenheit unseres Königs zwei Israeliten, nämlich Herr Rathsmann A. Raffel und der zweite Vorsteher der Bürgerrepräsentanz Herr S. Hartvigson als Ritter des Danebrogordens decorirt worden. Die dortige israelitische Gemeinde genoß außerdem die hohe Ehre, daß der König in Begleitung des Kronprinzen und seines Gefolges der Synagoge einen Besuch abstattete, in welcher der Religionslehrer der Gemeinde, Herr S. Mielziner, den königl. Gast in einer passenden Ansprache begrüßte. In Ran d ers ist Herr W. Simon zum Commerzienrath, Herr Nathanson zum „DanebrogSmand" und der Bürgerrepräsentant Herr A. S. Philipsen zum königl. Agenten ernannt worden. Letzteren Ehrentitel ertheilte der König auch dem Bürgerrepräsentanten Herrn Z. Levy in Horsens. Ostindien. Bombay, 5. November. Eine Extraausgabe der „Bombay-Gazette" vom heutigen Datum meldet: Wir bedauern, die Nachricht von dem plötzlichen Tode des Herrn David Sassoon, des ehrwürdigen Hauptes der Gemeinde von Bombay, zu Poona, bestätigen zu müssen. Herr Sassoon verschied am Sonntag Morgen, den 5. November, um drei Uhr am Fieber, nach nur eintägiger Krankheit. Der Verstorbene, der in seinem 73. Jahre stand, hat eine große Familie hinterlassen, acht Söhne und vier Töchter, nebst deren Kindern, und ein Vermögen, das auf mehrere Millionen Sterling geschätzt wird. — Auch dieses Blatt hat wiederholt Berichte über die Werke einer außerordentlichen Wohlthätigkeit, die der Verstorbene nicht allein für unsere Glaubensgenossen sondern für alle Bewohner Ostindiens vollbrachte, gegeben (siche 1863, Nr. 49, S. 762). Da das lew. 6br. eine ausführliche Biographie des Verstorbenen verspricht, werden wir Gelegenheit haben, diese wiederzugeben. Corkespondenz. Jüdische Briefe von Albert Cohn. III—v. Wiesbaden war zu jener Zeit eine kleine Gemeinde, welcher der Rabbiner Geiger eine gewiffe Berühmtheit verschafft hatte durch seine Zeitschrift für Wissenschaft des Judenthums, welche er begonnen hatte herauszugeben. Eine Arbeit über die Entlehnungen Muhameds aus dem Judenthume hatte den Namen dieses jungen Rabbiners bekannt gemacht, welcher seitdem, erst Rabbiner in Breslau und jetzt in Frankfurt a. M., einer der größten Gelehrten des modernen Judenthums geworden ist. Ich verbrachte mit ihm drei Tage in sehr angenehmen und zugleich sehr belehrenden Gesprächen über die Zukunft des Judenthums und seiner Wissenschaft. Nachdem ich meine erste literarische Sünde begangen hatte, indem ich in Wiesbaden selbst eine Correspondenz über den Zustand des Glaubens und der Lage der Juden in Wien schrieb und veröffentlichte — ein Artikel, der in der Zeitschrift für jüdische Wissenschaft im Juli 1836 erschien — verließ ich Herrn Geiger, um mich über Frankfurt, Mainz und Forbach nach Frankreich zu begeben. In Metz, wo ich mich nur zwei Stunden aufhielt, um Paß und Wagen zu wechseln, wurde ich unangenehm überrascht, als ich auf der Moselbrücke einen Colporteur mich fragen hörte: „Nichts zu kaufen, nichts zu verkaufen?" sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache. Ich hatte gehofft, diese Art von Trödel hinter mir gelassen zu haben und in dem Lande der Freiheit nur dem allen zu begegnen, was es Ehrenwerthes gibt. Erst später kam ich dazu, zu begreifen, daß die Veränderungen in dem socialen Leben die langsamsten und schwierigsten sind, daß, wie zu Mosis Zeiten, neue Generationen erstehen müssen, um andere Wege einzuschlagen. Nun, am Freitag Abend, am 1. Juli, kam ich in dieser ungeheuren Stadt an, welche man Paris nennt, ohne Freunde, ohne Bekanntschaft und von einem Deutschen geführt, welchen ich als Reisegefährten gehabt hatte. Ich stieg Rue Vivienne, in einem kleinen Hotel ab, welches zu jener Zeit in Nr. 16, unter dem Namen Hotel Vivienne existirte, das ich aber schon 8 Tage darauf gegen das Hotel ä'^ngleterre, 64 Rue Montmartre vertauschte, wo ich bis zu meiner Abreise nach Italien, im Oktober 1838, wohnen blieb. Dort sollte ich ein neues Leben beginnen,