Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1864)
- Date
- 1864-12-20
- Page
- Seite 813 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Malbim 1× ep/1002711
- Tunis 1× ep/1048155
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813 wo die Ortsrabbiner entschieden Feinde jeder Bildung sind, wie sich dies neuerdings zeigte, als man daran ging, eine Rabbinatsschule zu gründen. Bis zu den Stufen des Thrones drangen mehrere Rabbiner vor und klagten, daß die jüdische Religion in Gefahr stehe, weil man daran denkt, eine Rabbinerschule zu errichten. Unter solchen Umständen dürfte es vorläufig besser sein — so sehr man auch dem Fortschritt huldigen mag — wenn es beim Alten bleibt. (Wenn in der That die Aussicht wäre, daß das Concordat in Oesterreich eine solche Modification erhalten werde, daß die katholische Geistlichkeit nicht mehr die geborenen Schulaufseher der gesammten, also auch der jüdischen Volksschule sei, so wäre dieser Artikel in seinem vollen Rechte. So aber kommt es darauf an, irgend welche Bresche in dieses Berhältniß zu bringen, nur daß nicht die ungarischen Rabbiner wieder zu geborenen Schulaufsehern der jüdischen Schule werden.) Wien, 6. December. (Privatmitth.) In der heutigen Sitzung brachte das Haus der Abgeordneten die Berathung des Adreßentwurfes zu Ende und wurde somit auch über den das Concordat betreffenden Passus verhandelt. Es geschah dies nur in kurzer, die Bedeutung des Gegenstandes wenig betonender Weise. Der Berichterstatter I)r. Giskra sagte vom Concordat: Diese Acte widerspricht der Idee des Staates und den Bedingungen seiner rechtlichen Existenz; sie sagt den Freunden des Rechtes und der Wahrheit nicht zu und stimmt mit der gegenwärtigen Auffassung über die Bedürfnisse der Schule, über die Einrichtungen der Familie, über den wechselseitigen Verkehr der Bürger im Staate nicht mehr überein. Der Abgeord. Mühlfeld wollte, um keine Ansicht zu präjudiciren und jede Debatte zu vermeiden, aus dem Passus sowohl die „Unterhandlung mit dem päpstlichen Stuhle" als auch die „gesetzmäßige Regelung" weggelaffen haben, und dies wurde von dem Hause angenommen. Daß ein protestantischer Geistlicher für und ein katholischer gegen den Passus sprach, war natürlich. Die Sache war damit abgethan. Frankreich. Paris, im December. (Privatmitth.) Es erschien in diesen Tagen das Bulletin der Alliance israelite universelle aus den Monaten Juni bis October, enthaltend die Protokolle von fünf während dieser Zeit gehalteuen Sitzungen. Es geht daraus hervor, daß die Anzahl der Mitglieder, namentlich im Oriente, im Steigen begriffen ist. Ein Ueberblick über die Gegenstände der Verhandlungen zeigt uns das traurige Bild, daß neuerdings die Mißhandlungen unserer Glaubensgenossen im Oriente, in Marokko, Tunis und selbst in Korfu immer häufiger und gewaltsamer werden, daß der Vorstand der Alliance im Verein mit dem Board of Deputies es an Anstrengungen nicht fehlen läßt, daß diese aber trotz mehrfachen verheißenden Antworten in vielen Fällen erfolglos bleiben. Die Intervention der französischen und englischen Ministerien des Auswärtigen selbst richtet nur augenblicklich etwas aus, zerschellt aber immer wieder an dem Fanatismus in Rom wie bei der muselmännischen Bevölkerung. Auch für Schulen im Oriente wird möglichst gewirkt. Daß hierfür aber auch im Heimathlande noch viel zu thun wäre, zeigt die Petition einer holländischen Colonie in Paris, deren Jugend ganz ohne Unterricht ist. Die Petition wurde an das Consistorium geschickt. Einen gefährlichen Schritt scheint uns die Alliance gethan zu haben, indem sie sich in die Angelegenheit des Rabbinen Malbim gemischt, der bekanntlich aus Bukarest verwiesen worden. Die Leser Ihres Blattes kennen die Vorgänge in jener Gemeinde sowie die Ursachen jener Ausweisung. ES scheint uns nicht gerechtfertigt, daß die Alliance auf solche Dinge ein geht, die leicht zu weiteren Einmischungen in die inneren Verhältnisse jüdischer Gemeinden führen könnten. Daß oft abenteuerliche und unter dem Deckmantel der Wirksamkeit für die Alliance eigennützige Anforderungen an sie gestellt werden, ist erklärlich. Doch weiß der Vorstand solche sehr wohl zurückzuweisen. Dänemark. Kopenhagen, 8. December. (Privatmitth.) Abermals befinde ich mich in der angenehmen Lage, über verschiedene Auszeichnungen berichten zu können, welche einigen Israeliten von unserer Regierung zu Theil geworden. Auf der zu Dänemark gehörigen westindischen Insel St. Thomas feierte der Stadthauptmann, Ritter des Danebrog, Bankdirector und israel. Gemeindevorsteher, Herr Aaron Wolff, vor kurzem unter außerordentlicher Theilnahme aller Stadtbewohner seine goldene Hochzeit. Nach einer Feierlichkeit in der dortigen 52