Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1864)
- Date
- 1864-12-20
- Page
- Seite 810 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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810 Verewigten Nachfolger, der Rabbiner Jakob Loewi, ist ihm auch kürzlich in einem Alter von 48 Jahren in ein besseres Jenseits nachgefolgt. Der Dahingeschiedene ward ob seiner Gelehrsamkeit, seines wahrhaft frommen Gemüthes und des reinsten Charakters von allen, die ihn kannten, geliebt und verehrt und hinterläßt in seinem edlen Wirken den schönsten Denkstein. *) Bei der Leichenfeier sprachen im Leichenhause Herr Guttmann, stellvertretender Rabbiner, in der Synagoge, wohin die sterblichen Ueberreste gebracht wurden, Herr vr. Wiener aus Oppeln und auf dem Gottesacker Herr Dr. Frankel aus Rybnik. — Möchte es der dortigen Gemeinde gelingen, einen würdigen Nachfolger zu erlangen. Wenn die schlesischen Gemeinden im allgemeinen sich eines schöngeregelten Gottesdienstes erfreuen, wozu Sie, hochgeehrter Hr. Redacteur, durch Ihr gesch. Blatt sowohl als auch die vielen belehrenden und anregenden Schriften ein schönes Theil beigetragen haben, so ist es vorzüglich Oberschlesien, wo in verhältnißmäßig vielen Gemeinden noch die alte Frömmigkeit heimisch ist, wo noch dem Sabbath an der ihm gebührenden Weihe nichts geschmälert wird. Wie sehr aber auch dem besseren Fortschritt Rechnung getragen wird, zeigt die Erstehung vieler neuen herrlichen und geschmackvollen Gotteshäuser, die nicht selten mit den bedeutendsten Opfern erbaut werden. So fand vor kurzem die Einweihung der neuen prachtvollen Synagoge in Tarnowitz statt, wobei sich sowohl die evangelische als katholische Geistlichkeit betheiligte. Zu einer gleichen Feierlichkeit in Ober-Glogau erging auch an die Geistlichkeit der anderen Confessionen von dem Vorstande eine Einladung. Der katholische Geistliche entschuldigte sein Nichterscheinen durch besondere Abhaltung, während der evangelische recht naiv geantwortet haben soll: „Solange nicht das Evangelium in der Synagoge gepredigt wird, solange kann ich mich an einer jüdischen Feier nicht bethciligen." — Der Synagogenbau in Leobschütz nähert sich seiner Vollendung. Soviel mir bekannt, ist dies die erste *) Wir können dies in allen Beziehungen bestätigen, da wir mit dem Verewigten in Correspondenz standen und daraus seine Tugenden zu erkennen Gelegenheit hatten. Für seine Gelehrsamkeit und sein Streben zeugt der I. Band seines kritisch-talmudischen Lexikons, das in d. Bl. S. 447, 479 und 493 besprochen worden. Die Redaction. Gemeinde Oberschlesiens, welche auch eine Orgel einführt. Irre ich nicht, so gibt es in ganz Schlesien nur eine einzige, und diese in der breölauer Synagoge. — In Beuthen ist der Bau einer großartigen Synagoge projectirt und sind hierzu bereits vorzügliche Entwürfe eingegangen. — Neben diesen größeren Gemeinden mag auch noch der kleineren Gemeinde zu Kosel Erwähnung geschehen. Wahrhaft erhebend ist der Gottesdienst, der dort von dem Cantor Herrn Krolik geleitet wird. Derselbe verbindet mit einer geschmeidigen, kräftigen und klaren Stimme ein so schönes Organ, daß er in jeder größeren Gemeinde den ungetheiltesten Beifall fände. — Zülz, die vor jenen Jahrzehnten größte schlesische Gemeinde, ist jetzt gar sehr zusammengeschrumpft. Mit innigem Bedauern müssen wir berichten, daß diese Gemeinde von einem eigenthümlichen Schicksal heimgesucht ist. In keiner andern wechseln die Cultusbeamten so häufig als hier. Im vor. Jahre wurde eine Concurrenz zur dortigen Stelle ausgeschrieben, wobei mit überflüssiger Vorsicht Candidaten aus der Provinz Posen ausdrücklich ausgeschlossen waren. Diese Peinlichkeit rächte sich nun darin, daß die Gemeinde seit kaum einem Jahre abwechselnd mehrere Individuen beherbergte. Wie aus der jetzt wieder ausgeschriebenen Vacanz ersichtlich, schließt sie nun die Herzogthümer nicht mehr aus und hat nach Weglassung jener vorurtheilsvollen Beschränkung mehr Hoffnung auf eine günstige Wahl. — Schließlich wäre noch zu berichten, daß jüngst in Beuthen ein österreichischer Officier zum jüdischen Glauben übertrat. Ueberhaupt finden wir in Oberschlesien mehrere Proselyten, die sich durch eine musterhafte Frömmigkeit auszeichnen. Berlin, 7. December. (Privatmitth.) Die Zahl der Verbrechen und Vergehen hat im Jahre 1863 in Preußen gegen die früheren Jahre in erfreulichem Maße abgenommen. Die Zahl der Angeschuldigten wegen Verbrechen betrug 10,950 (c. 1100 weniger als im I. 1862 und c. 2100 weniger als 1861); davon waren 8720 männliche und 2230 weibliche Verbrecher, 448 waren unter 16 Jahren und 115 waren Juden (1862 waren unter den Verbrechern 132 und 1861 sogar 152 Juden), die Zahl der Angeschuldigten wegen Vergehen betrug 105,330 (c. 500 weniger als 1862); davon waren 21,410 weibliche Personen, 4120 unter 16 Jahren und 1630 Juden (c. 300 Juden mehr als 1862 und 450 mehr als 1861). Während das Ver-