Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1864)
- Date
- 1864-12-20
- Page
- Seite 809 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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809 vorheben, wo wir eine alte Frage gelöst fanden. Schon 9t. S. b. Aderet (zu Succa 22) findet es auffallend, daß die Talmudisten zu ermitteln suchten, wer die Männer gewesen, die „durch die Leiche eines Menschen unrein waren und das Pessach nicht opfern konnten" (Num. 9, 6.), da es doch ganz natürlich sei, daß unter der großen Anzahl der Israeliten täglich Menschen gestorben und begraben werden müßten? Der Vers, stellt daher die Ansicht auf, daß in der ersten Hälfte des Monats Nisan bei vorgekommenen Sterbefällen sich nur Frauen mit der Beerdigung der Leichen beschäftigt halten, wodurch das Peffachopfer keine Störung erlitte, weshalb nun der Talmud untersuchte, wer die Männer gewesen, die gegen den Gebrauch durch die Leiche eines Menschen unrein waren, implioite was für Leichen es gewesen, deren Beerdigung man nicht den Frauen überlassen habe. Ein Beleg zu dieser ganz neuen Ansicht findet sich allerdings in Joseph. Oheloth c. 3, wenn man einen speciellen Fall allgemein anwenden will; daß sich aber auch in nichtjüdischen Schriften dieses fände, wie der Verf. sagt, ist uns wenigstens nicht bekannt. Auch spricht diesem entgegen, daß man einst Joseph ha-Cohn gezwungen hat, sich fo an der Leiche seiner Frau zu verunreinigen. Zwei gute Hilfsquellen hat jedoch der Verfasser nicht benutzt, auf die wir ihn noch nachträglich verweisen wollen. Erstens auf den Smag von R. Mose Koze, der häufig die Sifre citirt und erläutert. So erklärt er z. B. §. 197, wo Sifre die Schriftstelle Deut. 20, 8. auf den Vierzigjährigen beziehen, der dem Kriegsdienste sich entziehen könne, einfach damit, weil die körperliche Kraft mit dem 40. Lebensjahre abnehme (Heb. 120.). R. Hillel will diese Stelle wegcorrigiren und auch die anderen Erklärungsversuche sind ungenügend. Die zweite Hilfsquelle ist der große (150 Bogen) Sifre- Commentar von David Sardo (Salon. 1804). Derselbe benutzte dabei drei handschriftliche Commentare, von R. Hillel, von Elieser Nachum und von R. Salman. Letzterer citirt auch oft einen Commentar von Rabad, der aber, wie Sardo S. 265 nachweist, mit dem von R. Hillel identisch ist und die Verwechselung sei nur durch die irrige Ueberschrift eines Abschreibers entstanden. Der Commentar von Sardo ist sehr weitläufig, mitunter auch kabbalistisch gefärbt und seine Textverbesserung stimmt vollkommen mit der des Verfassers überein. Es ist aber noch immer zu bedauern, daß keinem Bearbeiter der Sifre ein handschriftlicher Text zu Gebote stand, und bis einmal ein solcher aufgefunden sein wird, bleiben immer noch so manche Stellen unverständlich und dunkel. Der Verfasser verspricht, noch einen zweiten Band Nachfolgen zu lassen, der eine kritische Einleitung zu den Sifre, Wörtererklärung und verschiedene Register enthalten soll. Möge der schnelle Absatz dieser so unentbehrlichen Schrift ihm die Ausführung erleichtern. Krch. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Darmstadt, 4. December. (Privatmitth.) Vorige Woche fand dahier die Ergänzungswahl zum Gemeinderathe (Stadtrath) statt. Conservative und Anhänger des Fortschritts standen einander gegenüber, jede Partei stellte ihre besonderen Candidaten auf, letztere darunter auch einen Israeliten, den in allgemeiner Achtung stehenden Rentier B. I. Trier. Der Wahlkampf war sehr hitzig. Herr Trier ging siegreich aus der Wahlurne hervor, und zwar so, daß er im Verhältniß zu den übrigen Gewählten die meisten Stimmen erhalten hatte. Es ist nicht zu verwundern, daß, als gestern Abend nach Ausgang des Sabbaths das Wahlresultat bekannt ward, sich hohe Freude aller hiesigen Israeliten bemächtigte. Zunächst galt es dem Principe, dem Sieg des Rechts und der Humanität. Dann galt es auch der Persönlichkeit, Ehre, dem Ehre gebührt. Herr Trier hat sich von jeher ausgezeichnet durch rege Theilnahme an allem Gemeinnützigen und Guten, durch strenge Rechtlichkeit wie ermüdende Wohlthätigkeit und durch innige Anhänglichkeit an dem geistigen Inhalte seiner väterlichen Religion. Preußen. Aus Oberschlesien, im December. (Privatmitth.) Meinen heutigen Bericht beginne ich mit einem höchst traurigen Ereignisse. Die Gemeinde Beuthen, die erst vor circa 10 Jahren den Verlust ihres Seelsorgers, des gelehrten und hochgeachteten Rabbiners Israel Deutsch, der in seinem besten Lebensalter zu seinen Vätern heimging, beklagte, ist jetzt wieder durch einen gleichen Verlust in die tiefste Trauer versetzt. Des