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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-12-20 · Heft 52 (20.12.1864) · p. Seite 807

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 52 (20.12.1864)
Date
1864-12-20
Page
Seite 807 (sequence 3)
Language
German
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807 schließt: „Welchen Schaden die Vaterlandslosigkeit dieses pfiffig-verdreherischen Reformjudenthums mit ihrer systematischen Vergiftung der Volksmeinung im Lande anrichtet — das kann unseres Erachtens nicht hoch genug angeschlagen werden." Es ist hier nicht der Ort, die liberale Partei oder gar die „Volks-Zeitung" zu vertheidigen. Es ist dies unseres Amtes nicht. Wir würden sonst sagen, daß Pfiffigkeit, Verdrehung und Gift gerade in dem Arsenal der „Kreuzzeitung" am masienhaftesten aufgehäuft sind und daß sich die Genoffen und Anhänger dieses Blattes solcher Waffen am häufigsten bedienen und den unbeschränktesten Gebrauch davon machen. Allerdings „Vaterlandslosigkeit" kann man diesem Blatte nicht vorwerfen, denn es trägt das Vaterland in seiner Devise hinter Gott und König. Aber man weiß wohl, was diese Herren unter Vaterland verstehen. Wir lasen in diesen Tagen den ersten Band von D r o y s e n18 berühmtem Werke: „Geschichte der preußischen Politik." In der Einleitung kann man erfahren, was den Feudalen das Vaterland ist. Nichts anderes als die den ganzen Staat überwuchernden feudalen Rechte, die in gleicher Weise den König und das Volk in die Schranken ihrer Herrschaft einzwängen wollen. Jene vielgerühmte Zeit der „Treue und Pflichtigkeit" war nur die Zeit der grenzenlosesten Habgier nach Vorrechten, welche das Volk dem Königthume und der Obrigkeit entzogen und zu ihren Knechten machten. Jede Noth und Bedrängniß des Fürsten wurde benutzt, um demselben Besitz, Verwaltung und Besteuerung immer mehr abzuschachern, und es kam so weit, daß die fürstliche und obrigkeitliche Gewalt auf den geringsten Bruchtheil des Landes beschränkt war. Selbst in militärischer Beziehung hatte der Adel die ganze Kraft des Landes in seinen Händen und wußte sich den Pflichten zur Gestellung von Roß und Mann auf die pfiffigste Weise zu entziehen oder ihnen im kärglichsten Maße nachzukommen. Es ist eines der größten Verdienste der hohenzollerschen Fürsten, mit starker Hand und klarem Bewußtsein, mit ununterbrochenem, ausdauerndem Eifer diesem Unwesen nach und nach ein Ende und das Volk vom feudalen Joche frei gemacht zu haben. Es ist dies anderen Fürstenhäusern nicht so gelungen und in solchen Ländern stehen die Folgen noch heute zu Tage. Man wirft der heutigen Zeit vorzugsweise ein materielles Streben vor; aber dem Geschichtskundigen ist es offenbar trotz aller Phrasen der Feudalen und Romantiker, daß in der Blüthezeit jener die gemeinste Habgier und niedrigste Käuflichkeit in der vollsten Blüthe standen. Es ist dies nicht unser Urtheil, sondern die aus der treuesten Forschung und der unparteiischesten Schilderung hervorgehende Ansicht, wie sie der genannte Schriftsteller aus unzweifelhaften Facten darlegt. Und die Rückführung solcher Zustände ist es, was die Anhänger jener Partei noch heute erstreben und für Patriotismus und Vaterlandsliebe ausgeben. Freilich „die Vergiftung der Volksmeinung" ist ihre Sache nicht, denn ihre Meinung in das Volk zu bringen, gelingt ihnen einmal nicht, weil das Volk ihre „Absicht sieht und verstimmt wird." — Jndeß mit allem diesen haben wir nichts zu schaffen, wohl aber zu fragen: was das Judenthum oder das „Reformjudenthum" damit zu thun habe? Daß der Verfasser der Leitartikel in der „Volkszeitung" zufällig an der Gründung der Reformgemeinde in Berlin einigen Antheil hatte, kann doch weder das Judenthum noch die Reform desselben zur Basis und zum Träger irgend einer politischen Partei machen? Wer würde wohl sich die Lächerlichkeit zuziehen wollen, die Ansichten und das Gebaren der Kreuzzeitung mit dem Christenthume zu identificiren? Sicherlich würden sich zahllose Stimmen gegen eine solche Aeußerung erheben. Und als die Redacteure der Kreuzzeitung selbst diese Jdentificirung beanspruchten, erhoben sich zahllose evangelische Geistliche und gaben laut ihre Stimmen dagegen ab. Nun, so machen wir denselben Anspruch und verlangen, daß man weder das ganze noch einen Theil des Judenthums mit irgend einer politischen Tendenz identificire. Vielmehr erklären wir dies für eine „pfiffige und giftige Verdrehung" der Keuzzeitung. Die Motive dieses andauernden Verfahrens der Kreuzzeitung haben wir in diesem Blatte schon oft genug dargelegt; aber es zeugt von der Beschränktheit jener frömmelnden Zeitung, daß trotz der Erfolglosigkeit sie unermüdlich darin fortfährt, in dem Glauben, die ganze Richtung unserer Zeit zu verunglimpfen, indem sie diese eine jüdische nennt. Jüngst wurde uns ein interessanter Vorgang mitgetheilt, den wir hier wiedergeben wollen. Als am 10. November 1806 der Marschall Ney Magdeburg besetzte, machten ihm die Behörden und Notablen der Stadt ihre Aufwartung. Der Marschall hatte ausdrücklich verlangt, daß Vertreter aller Confessionen vor ihm erscheinen sollten. Nachdem ihm diese vorgestellt waren, fragte er: Sind keine Vertreter der israelitischen Gemeinde hier? 52*

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