Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1864)
- Date
- 1864-12-13
- Page
- Seite 800 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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800 Tagen des Octobers. „Ein türkisches Kind, von seinem Vater geführt, hatte sich von diesem in dem Augenblicke getrennt, als sie das jüdische Viertel durchschritten. Der Vater reichte sofort beim Gericht Klage ein. Sogleich begab sich der Cavas-Baschi (Gensdarmesoberst), begleitet von Policisten, an den betreffenden Ort. Zwei Israeliten saßen in dem Laden eines Bäckers und unterhielten sich; der eine sagte: „die Sache ist schon beendigt." Diese wurden von dem Cavas-Baschi gehört. Sofort faßte er Verdacht, daß die Juden das Kind gestohlen hätten, um es bei Gelegenheit der Camich-Bai'ram-Feste zu opfern, befahl er seinen Begleitern, die beiden Israeliten zu ergreifen und sie zu binden, was unter einem guten Theil Säbelhiebe mit der stachen Klinge und Stockschläge ausgeführt wurde. Alsdann ging der Cavas-Baschi, immer noch von seiner Escorte gefolgt, noch in verschiedene Häuser, wo er dasselbe Verfahren gegen Männer, Frauen, Kinder ausübte und überall fragte, wer das türkische Kind gestohlen hätte. Als er über die Straße ging, um in derselben Weise noch andere Häuser zu besuchen, bemerkte er selbst ein Kind, das an der Mauer lehnte und weinend sagte: es hätte sich verirrt und seinen Vater verloren. Auf die Fragen, welche man ihm vorlegte, um zu erfahren, ob die Juden es mißhandelt hätten, antwortete es verneinend. Der Courrier d’Orient sagt darüber: „Wann wird man denn aufhören, die Juden für Kinderfresser zu halten, und besonders, wann wird man aufhören, sie bei jeder Gelegenheit Mißhandlungen zu unterwerfen? Es wäre gerecht, wenn der Cavas-Baschi auf eine exemplarische Weise bestraft würde." Donaufürstenthürner. Macravliovca, im November. (Arch. isr.) Es hat sich jüngstens in einer Gemeinde im Districte Jsmael (Moldau-Walachei) eine sonderbare Begebenheit zugetragen. Im letzten Monat Juli behauptete ein Israelit, der in der Gemeinde Macravliovca ansässig ist, daß seine Tochter, noch ein Kind, ihm geraubt worden sei. Er hatte einen Priester von der Secte der Lipovans im Verdacht, einer Secte, welche mit den sonderbarsten Gebräuchen — die Lipovans machen sich freiwillig zu Eunuchen — eine Bekehrungssucht verbinden, die mit der Toleranz der modernen Zeit ganz unverträglich ist. Der Israelit, mit Namen Hersch Bercovicz, trat demnach eines Tages plötzlich in das Hans des Priesters, sah dort zwei Kinder auf einem und demselben Bette schlafend liegen, nahm eines davon in seine Arme und floh mit demselben von dannen, indem er schrie, dies sei seine Tochter. Verfolgt von den Lipovans, wurde ihm von den Juden beigestanden. Ein Kampf entstand, und in dem Tumulte, der daraus folgte, wurde das Kind von den Lipovans wieder genommen. Vor die Polices gefordert, zeigten die Lipovans ein Kind als das des Juden vor; aber dieser, wie alle die Juden, die mit ihm gekommen, bestätigten, daß das Kind verwechselt worden sei. Der Präfect von Jsmael, von diesen Thatsachen unterrichtet, gab unverzüglich dem Policeimeister Befehl, den Lipovans zu erklären, daß, wenn binnen 24 Stunden das Kind seiner Familie nicht zurückgegeben worden sei, sie eine schwere Verantwortlichkeit aus sich lüden. Nicht allein daß der Policeimeister diesem Befehle nicht gehorchte, machte er auch einen Bericht, in welchem er erklärte, daß die von den Israeliten vorgebrachten Thatsachen nicht haben constatirt werden können und daß alles die Unschuld der Lipovans vermuthen ließe. Auf die Reclamation des Vaters des verschwundenen Kindes hat der Minister des Innern die Absetzung des Policeimeisters sowie eine Untersuchung gegen ihn und die Lipovans eingeleitet. Die Sache steht jetzt auf diesem Punkte. Die von Herrn Cogalniceano dem Präfecten von Jsmael gegebenen Befehle sind sehr energisch. Der Minister beruft sich auf die geheiligten Rechte der Familienväter und erklärt, daß das Gesetz die Kinderräuber zu den Verbrechern zählt, mit welchem Vorwände sie ihre Handlung auch beschönigen wollen. Eifrige Nachforschungen sind eingeleitet, um das Kind aufzufinden und die Schuldigen streng zu bestrafen. ' Syrien. Aleppo, 25. September. (Arch. isr.) Die israelitische Bevölkerung dieser Stadt beträgt an 8000 Seelen. Fast der ganze Logros- und Detailhandel ist in ihren Händen, und drei Israeliten, italienischen Ursprungs, von der Familie Piccioto, repräsentiren als Consuln die Regierungen von Rußland, Oesterreich und Preußen. Die große Synagoge soll nach einer allgemein verbreiteten Tradition vor der Zerstörung des zweiten Tempels gebaut sein. Indessen die Bau-