Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1864)
- Date
- 1864-12-13
- Page
- Seite 798 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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798 geprügelt, weil er so unverschämt war, nach wiederholter Warnung der Behörde daS Cheder wiederum zu öffnen. Doch geniren derartige Strafen unsere Melameden nicht und obwohl die Winkelschulen seit Wochen in S. A. Ujhely gesperrt sind, hat die Musterhauptschule immer nur ein kleines Häuflein Getreue, welche ihre Kinder den Lehrern anvertrauen. Der gebildete Vorstand verzweifelt bei derartigem Vorgehen, bringt Opfer, honorirt fürstlich, ernennt aus der Mitte der Musterlehrer für einen erweiterten Unterricht im Hebräischen Lehrer, doch vergebens, unsere Chassidäer und Halbchassidäer wollen keine Schulen, nichts als Stramel und Bekeschel, chassidischen Singsang und keine Mathematik (so nannte die Rotte, welche zu Gunsten der Chedorem petitionirte, den erweiterten hebräischen Unterricht). In anderen Städten des Gebirges zahlt man den Lehrern ihren rückständigen Gehalt, eröffnet Schulen zum Schein, öffnet jedoch gleichzeitig die Chedorem, das Lieblingskind der Hegyalja. In Säros Pattak, einem Städtchen im Gebirge, weigert sich der Stadtmagistrat, den Israeliten ihren Antheil an städtischen Waldungen zuzuerkennen. Moses Montefiore hat ein Dankschreiben an den ujhelyer Vorstand in hebräischer und englischer Sprache als Antwort auf die ihm von der Gemeinde zugeschickten Glückwünsche gerichtet. Z..... Frankreich. Paris, 1. December. (Arch. isr.) Die Professoren des Collöge de France versammelten sich am 28. November, um der Staatsregierung zwei Candidaten für den Lehrstuhl des Hebräischen, Chaldäischen und Syrischen, an Stelle des Herrn Renan zu präsentiren. Sie wählten an erster Stelle und einstimmig Herrn S. Munk, Mitglied des Instituts, Mitglied und Sekretär des israelitischen Central-Constistoriums, und an zweiter Stelle mit Majorität Herrn Derenburg (auch Israelit). Paris, 4 December. Die „Revue du Monde Colonial“ enthält einen Artikel über die französische Naturalisation der algerischen Israeliten, aus welchem hervorgeht, daß seit der Eroberung Algeriens eine große Revolution in den Sitten der dreißigtausend dort einheimischen Israeliten eingetreten. Sie sprechen jetzt nicht blos fast sämmtlich französisch neben dem verdorbenen Spanischen und Arabischen, das sie von ihren Vätern ererbt, sondern sie kleiden sich auch in französischer Tracht, haben die Civilehe eingeführt und ihrer alten rabbinischen Gerichtsform entsagt, obwohl es noch vorkommt, daß einzelne die mittelalterliche Eidesleistung more judaico verlangen. Um nun die Scheidewand, die sie noch von ihren französischen Beschützern trennt, vollends niederzureißen, haben jetzt die Vorstände der größeren jüdischen Gemeinde Algeriens bei der Regierung den Antrag gestellt, daß alle in diesem Lande geborenen Israeliten als Franzosen naturalisirt werden mögen, infolge dessen sie auch der Conscription, von der sie bisher befreit waren, unterliegen würden. Die genannte Revue sagt: „Der Fanatismus, der jetzt, so zu sagen, das ausschließliche Vorrecht der muselmännischen Bevölkerung ist, wird von dem Tage ab, wo das fortschrittsfreundliche, liberale Frankreich die Juden Algeriens naturalisirt haben wird, wodurch sie in den Augen jener Bevölkerung wie in den eigenen moralisch sehr gehoben würden, natürlich zurücktreten müssen. Dank der Stellung, welche ein großer Theil der Juden seit 34 Jahren in unserer Colonie einnimmt, wo sie stets die besten Dolmetscher der französischen Ideen waren, werden sie alsdann auch unter den Arabern das Bestreben erwecken, sich mit dem Titel französischer Bürger auch die zahlreichen, damit verbundenen Vortheile zu erwerben. Nur durch eine solche Fusion kann und wird eine Zeit der Intelligenz, der Gesittung und der Wohlfahrt für unsere Colonie in Algerien herbeigeführt werden, eine Zeit, in der nicht mehr wie bisher die einheimische Bevölkerung eine Art von Staat im Staate bilden wird." Großbritannien. Bradford, 11. November. (Privatmitth.) Auch hier ist ein Jude zum Mayor der Stadt erwählt worden. Es ist Herr Semon, gebürtig aus Danzig, wo ein Bruder desselben noch wohnt, Herr vr. Semon, der sich durch Stiftung von 10,000 Thlrn. und einem Hause für Erziehung jüdischer Waisen ausgezeichnet hat. Wir lassen hier den Bericht des „Bradford Observer" vom 10. November über diese Wahl folgen: „Gestern fand-in öffentlicher Sitzung des Gemeinderathes die MayorSwahl für das nächste Jahr statt. Nach Verlesung des Protokolls ergriff Alderman Godwin das Wort. Er besprach die Amtsführung des