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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-12-13 · Heft 51 (13.12.1864) · p. Seite 797

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 51 (13.12.1864)
Date
1864-12-13
Page
Seite 797 (sequence 9)
Language
German
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797 Falle für befugt erachtet, auch die Wahl zu solchen städtischen Aemtern, die dem Bestätigungsrecht der Aufsichtsbehörde nicht unterliegen, nach ihrem Ermessen zu annulliren. Unsere höhere Töchterschule nämlich hat ebenso wie unsere Realschule einen „Vorstand', dessen Functionen jedoch zu den inneren Schulangelegenheiten in keinerlei Beziehung stehen. Er hat weder mit dem Lehrplan noch mit der Anstellung des Lehrpersonals noch mit der Beaufsichtigung des Unterrichts irgend etwas zu schaffen. Er sorgt lediglich für die Instandhaltung der Schulräume und der Schulutensilien sowie für die Kassenführung der betreffenden Anstalten. Nun war schon vor längerer Zeit der praktische Arzt vr. Jacobi, ein Jude und seinem politischen Verhalten nach ein Mitglied der Fortschrittspartei, in den Vorstand der höheren Töchterschule gewählt worden. Die „Westpreußische Zeitung", die nach ihrer eigenen ausdrücklichen Erklärung unter der oberen Leitung der Herren Wantrup und von Brauchitsch redigirt wird, ereiferte sich über die Wahl eines Juden zum Vorsteher einer christlichen Schule. Die danziger Regierung fragte beim Magistrate an, ob es gegründet wäre, daß, wie sie vernommen, Herr Dr. Jacobi wirklich zu dem bezeichneteu Amte erwählt sei. Auf die bejahende Antwort ist denn in diesen Tagen ein Rescript eingetroffen, welches dem Magistrate aufgibt, binnen 14 Tagen eine anderweitige Wahl zu veranlassen. Berlin, 5. December. Infolge einer von der Stadtverordneten-Versammlung an den Magistrat gerichteten Anfrage hat der letztere mitgetheilt, daß er dem königl. Schul-Collegium der Provinz Brandenburg von der dem Stadtverordneten Bernhardt durch den Prediger Steffann verweigerten Zulassung als Deputirter der Stadtverordneten-Versammlung bei der Prüfung der 6. Gemeindeschule am 13. September c. Anzeige gemacht und auf eine ernstliche Zurechtweisung des Predigers Steffann angetragen habe. Inzwischen hat daS k. Schul-Collegium in Betreff der Abordnung von Deputirten der Stadtverordneten-Versammlung zu den qn. Prüfungen weitere Auskunft vom Magistrat erfordert und er sei deshalb noch nicht in der Lage, weitere Mitiheilung in dieser Angelegenheit zu machen. Die Versammlung nahm von dieser Mittheilung Kenntniß. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Ungarn, im December. (Privatmitth.) Die Journale veröffentlichen den Wortlaut des Majestätsgesuches unserer orthodoxen Rabbinen in Angelegenheit des Rabbinerseminars. Insbesondere ist es das Majestätsgesuch des Oberrabbi Jesaias Benedict in Nagh Kälü im Namen der Orthodoxie Ungarns, welches unser Befremden erregt, und sind wir in der Lage, dasselbe, wenn nicht ganz als erfunden, doch als in keiner Beziehung zu den Eingaben der Orthodoxen stehend zu bezeichnen. Dem Haupte der Orthodoxie, Jeremias Löv, konnte es um so weniger in den Sinn kommen, jenes Bittgesuch, welches eine Landesbehörde behufs Prüfung von Rabbinatscandidaren eingesetzt haben will, zu unterzeichnen, da er stets gegen Consistorialverfassungen geeifert hat. Ueberhaupt ist es ein blinder Lärm, wenn die Seminarfrage sich als erledigt ansieht, denkt man doch in Regierungskreisen nicht an die Eröffnung eines Ungar. Seminars und wird das Hadern der Parteien die Realisirung nicht beschleunigen helfen. Die Seminarfrage ist mit der Ernennung von Jnspectoren in Zusammenhang gebracht worden, unsere Orthodoxen verlangen nichts weniger als Beibehaltung der katholischen Geistlichen und gehen mit der Mehrzahl unserer Lehrer Hand in Hand, die nach dem „Wanderer" eine Petition in diesem Sinne vorbereiten. Wir unsererseits sind für Autonomie der Gemeinden, unter Berücksichtigung der gesetzlichen Formen, da sich nun einmal gegen den Willen der Bevölkerung für die Dauer nicht operiren läßt. Z. Pesth, 1. December. (Privatmitth.) Vom Muster- Lehrer Rosenmeyer sind unter Mitwirkung des Seminar-Directors Arva i biblische Lesestücke in ungarischer Sprache erschienen, die sich für israelit. Volksschulen ihrer Gemüthlichkeit wegen nicht minder wie für Familien eignen. Aus dem Tokayergebirge, im December. (Privatmitth.) Unser Gebirge feiert die tiefste Ruhe. Die Rabbis haben untereinander ewigen Frieden gelobt und die Aschkenasim, die noch einen Funken Jüdischkeit in sich haben, haben sich den Chassidim in die Arme geworfen. Wohl wird zur Abwechselung ein Melamed 51

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