Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1864)
- Date
- 1864-12-13
- Page
- Seite 795 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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793 Priester erlaubt war, das Allerheiligste zu betreten, zur Versöhnung auf dasselbe das Stiftzelt, den Altar u. s. w. — aber auch deshalb alljährlich, also nicht nur ein sondern viele Male, durch den allerersten der Hohenpriester, durch Aron» H. Zeitungsnachrichten. Deutschland. München, 27. November. (Privatmitth.) Mit Bezug auf Ihre Aeußerung in Nr. 46 sende ich Ihnen das veränderte carrnr: as, das schon lange in unserer Synagoge im Gebrauch ist. Daß in hiesiger Synagoge seit 15 Jahren weder nbn noch sonst o^ars an Sabbathen und Festtagen außer an artn rn noch der Schluß von üb3 und ba recitirt werden und daß dieser Umstand zur Erhaltung der Einigkeit in unserer Gemeinde viel beigetragen, dürfte Ihnen bekannt sein. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir Folgendes mitzutheilen. Bei Gelegenheit der Vermählung Sr. Majestät des Königs Max IL regte ich die Errichtung eines „Aussteuer-Vereins" für unbemittelte Mädchen an, der bald darauf ins Leben gerufen wurde und der nun jährlich eine Prämie von fl. 500 an ein solches hiesiges Mädchen mittelst Verloosung zutheilt, und die Bewerberin kann so lange ihre Bewerbung fortsetzen, bis sie den Betrag von fl. 1500 erreicht hat. Unser „Frauen-Verein" verausgabt mehr als fl. 1000 jährlich an deren Kranke und Wöchnerinnen; ebenso unser „Holz-Verein" an Brennmaterial resp. an Buchenholz. Nicht minder wohlthätig und ebenfalls mit bedeutender Summe wirkt der Verein von a-bin npa Hnav Unser Handwerks- und AckerbaubeförderungS- Verein besitzt ein bedeutendes Vermögen, wird aber verhältnißmäßig sehr wenig in Anspruch genommen, was sehr zu bedauern ist. Der Verein für fremde Arme övms no:ain hat sich in jüngster Zeit neu constituirt und hofft seine Einnahme und Ausgaben auf fl. 4—5000 zu bringen. Hier haben Sie ein treues Bild von unseren Wohlthätigkeits-Anstalten, die das alte Wort: von dem Barmherzigkeitssinn in Israel bewähren; abgesehen von der Privatwohlthätigkeit, die nicht weniger lobenswerrth ist. H. Aub, Rabbiner. Aus Baiem, im November. (Privatmitth.) Unsere Zustände in Baiern anlangend, werden Sie aus dem wenigen, das Sie hierüber vernehmen, wohl einen Stillstand erkennen. Es geschieht aber manches geräuschlos, besonders organisirt sich das Innere in manchen Gemeinden. Doch kann auch nicht geleugnet werden, daß in städtischen Gemeinden der Dämon des Materialismus mit dem des Jndifferentismus verderbliche Bankhalter sind. Das schöne Nürnberg zählt Firmen genug; aber keine confessionelle Firmitas. Regensburg, von der Regierung gedrängt, einen Rabbinats-Sitz zu gründen, schreit, wie bei dem bekannten Spiele: „Noch nicht! noch nicht!" Sehr rührig ist Herr Rabb. Bamberger in Würzburg; nur schade, daß sein Eifer für das Gute nicht einem höheren Geistesziele dient; denn ob ein paar Gemeindeglieder mehr gewonnen werden, das mba über den Kopf zu nehmen oder nicht, darauf kommt nichts an.*) Preußen. Berlin, 29. November. Das schlesische Kirchenblatt sagt in seiner neuesten Nummer: „Ein Pröbchen moderner Toleranz in einer Gesangen-Anstalt, wie es neulich vorgekommen, verdient aus Neustettin berichtet zu werden. Im Correctionshause zu Neustettin war eine Weibsperson katholischer Confession vier Monate inhaftirt und erklärte nach Verbüßung dieser Strafe ihrem zuständigen Seelsorger amtlich, sie sei während der Strafzeit von der Aufseherin energisch angehalten und unter Androhung körperlicher Züchtigung gezwungen worden, am Abendmahle der übrigen protestantischen Sträflinge Theil zu nehmen. Als sie ihr Befremden äußerte, ward ihr bedeutet, die Sträflinge mosaischen Glaubens, also auch Juden, würden von dieser Verpflichtung nicht ausgenommen." Diese Angabe klingt doch etwas unwahrscheinlich; eine Berichtigung der Thatsache darf wohl erwartet werden. Von solchen Vorgängen hätten wir doch auch schon etwas gehört. Pasewalk, 23. November. Die „N. Z." berichtet von hier: Lebhaft besprochen wird ein Vorfall, der sich *) Wir gehen weiter. Wir glauben vielmehr, daß die Förderung solcher „Frömmigkeit" iu unserer Zeit nur — schadet, viel schadet! Die Redaction.