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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-12-13 · Heft 51 (13.12.1864) · p. Seite 793

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 51 (13.12.1864)
Date
1864-12-13
Page
Seite 793 (sequence 5)
Language
German
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7S3 bens und ihrer Geschichte darstellen, beobachtet, wird nicht selten von den Contrasten überrascht, die sich in diesem Volkscharakter vereinigt finden. Wer wird z. B. die Universalität der Engländer verkennen, welche in allen Welttheilen die großartigsten Niederlassungen bewerkstelligten und ihre Herrschaft über unermeßliche Räume ausdehnten. Von ihnen ging der größte Theil der Bevölkerung Nordamerikas aus; sie besitzen den Süden Afrikas, Ostindien wurde zu ihrer Pertinenz, Australien wird von ihnen ausgebeutet und sie vorzugsweise rütteln an den Thoren Chinas und Japans, bis diese der übrigen Welt ganz offen stehen werden. Ihre Flagge weht nicht blos aus allen Meeren, sondern findet zugleich an fast allen Küsten heimische Häfen, englische Colonien. Und dennoch gibt es unter den civilisirten Nationen wohl kaum noch eine außer der britischen, welche einen so eigenen, bestimmten, abgeschlossenen und begrenzten Nationalcharakter besitze, der sich nicht blos in jedem Individuum dieses Volkes wiedergebärt, sondern selbst auf die wissenschaftlichen Gebiete sich überträgt; denn man weiß, welche eigenthümliche Stellung die Engländer in der Theologie, Philosophie und selbst den Naturwissenschaften einnehmen. Im Gegensatz halten wir Deutsche uns und werden wir gehalten für ein Volk von sehr besonderem Charakter, von eigenthümlicher Richtung, wie sie schon aus der geographischen Lage eines großen Binnenlandes hervorgehl; man schreibt uns Idealismus, Träumerei, Versenken in das Kleinliche und Philisteriöse, Begrenzen aus Weichbild und örtliche Verhältnisse zu; und doch gibt es keine moderne Nation, welche so sehr zum Kosmopolitismus neigt als die Deutschen. Ihre Wissenschaft kennt nur die allgemeinen menschengeschlechtlichen Standpunkte, ihre Literatur nimmt alles, auch den Schund, in sich auf, was irgend anderswo erscheint, und die Deutschen im Auslande amalgamiren sich, wenn sie nicht etwa in einer großen Gruppe zusammen leben, den anderen Völkern rascher und vollständiger, als es von anderen Nationen geschieht. — Einem solchen merkwürdigen Contrast begegnen wir nun auch im Charakter der Juden und liegt allerdings hier das Motiv durchsichtig in ihrem Geschick. Mit der Erkenntniß des einzigen Wellgottes ausgerüstet,und bestimmt, die Gotteslehre zu tragen, die ihrem Inhalte nach dem ganzen Menschengeschlechte zugehören sollte und werde, hatten sie sich doch zu einer abgeschlossenen und isolirten Nation zu bilden (4 Mos. 23, 9.), welche gesondert von allen übrigen Völkern xxistirte. Hinansgeworfen in alle Lande, zerstreut unter alle Völker, fügen sie sich den Eigenthümlichkeiten der Länder, nehmen vom Charakter der Völker wesentlich an und machen doch alle Jahrhunderte hindurch bis auf die Neuzeit getrennte Körperschaften aus, welche theils von außen theils von innen zu einem charaktervollen Sonderleben gezwungen sind. Sobald die Schranken dieser Absonderung gefallen sind, treten die Juden willig und fähig in das allgemeine Cultur- und das besondere Nationalleben ein, mit überraschenden Erfolgen, mit erstaunlicher Bildsamkeit, ohne jedoch auch jetzt noch charakteristische Eigenthümlichkeiten zu verlieren und nicht dennoch im großen Ganzen in einer gewissen Jsolirtheit fortzuleben. Man muß sich dies klar machen, um viele Erscheinungen der Geschichte zu verstehen, viele Verhältnisse auch der Gegenwart zu begreifen und überhaupt einzusehen, daß das Leben in seiner Wirksamkeit vielgestaltig ist und sich nicht nach der Meßschnur der Schulpsychologie abgrenzen läßt. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 1. December. Angekommen: Berthold Au erb ach's srmmtliche Schriften. Zweite Gesammtausgabe. 21. und 22. Band. Hiermit schließt diese neue Ausgabe der Auerbach'schen Schriften, aus welcher selbstverständlich dessen Uebersetzung der Werke Spinozas ausgeschlossen blieb. Die Dichtungen Auerbachs haben von unserm Gesichtspunkte aus den großen Vorzug, von reinster Sittlichkeit zu sein, so daß alle seine Erzeugnisse unbedenklich der Jugend in die Hand gegeben, in Familienkreisen vorgelesen werden können. Um so mehr wird diese Ausgabe eine Zierde jeder Familienbibliothek bilden. Wir hoffen übrigens, daß, wenn der Vers, abermals eine solche Ausgabe veranstalten wird, diese durch eine Reihe neuer Schöpfungen vergrößert sein werde.— Der 10. Band der Ausgabe des Talmud von A. Salomo n in Tilsit, enthaltend ■ptra Wir freuen uns, daß diese handliche und sehr correcte Talmudedition mit raschen Schritten ihrer Vollendung entgegengeht. — Von den Sippurim, die Herr Jakob W. Pascheles herausgibt, 5.—9. Heft von verschiedenem, öfters interessantem novellistischen Inhalte. — Ludwig August Frankl, Biographische Skizze aus Dr. von Wurzbach's biographischem Lexikon IV, S. 334. Diese Lebensbeschreibung des trefflichen Dichters hat allerdings nur den

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