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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-12-06 · Heft 50 (6.12.1864) · p. Seite 783

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 50 (6.12.1864)
Date
1864-12-06
Page
Seite 783 (sequence 11)
Language
German
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783 „Auch geben wir uns mit Hinblick auf die von Eurer Majestät bereits in Aussicht gestellten Vorlagen für den engeren Reichsrach schon jetzt der Hoffnung hin, daß die mit dem Heiligen Stuhle eingeleiteten Unterhandlungen auch die gesetzmäßige Regelung jener in das Gebiet der Staatsgesetzgebung fallenden Verhältnisse ermöglichen werden, welche durch die von Eurer Majestät mit Seiner Heiligkeit vereinbarte Acte vom 18. August 1855 berührt sind." Für so etwas lieber — schweigen! — In dem jetzt veröffentlichten Budget sehen wir zusammen über zwei Millionen für den katholischen, evangelischen und griechisch-unirten Cultus ausgestellt, für den jüdischen — nichts, und doch steuern die Million Juden im Kaiserstaat so gut wie alle anderen. Aus Südungarn, im November. (Privatmitth.) Ungarn ist das Land der Gegensätze, sowohl der socialen und politischen, als auch der nationalen und religiösen. Alles ist hier extrem und nicht selten — verkehrt. Nur hieraus lassen sich im Großen und Kleinen die vielfachen und so oft sich widersprechenden Vorgänge erklären, wo oft das gerade Gegentheil von dem geschieht, was man nach dem gesunden Menschenverstände erwarten sollte. Auch die Ursachen dieser Zustände lassen sich leicht auffinden, wenn man einen Blick auf die verschiedenartigen Stämme wirft, von denen Ungarn bewohnt wird, auf die eigenthümliche Geschichte, auf die sonderbar gemischten Bildungsmomente, deren Zusammen- und Widerstoß. Sieht man auf die jüdischen Gemeinden, die großen und die kleinen, so gewahrt man fast überall Hader und Zwistigkeiten, deren Gegenstände oft lächerlich unbedeutend sind, die aber auf den inneren Gegensätzen beruhen, welche sich hier begegnen, und die jeder Vermittelung entbehren, weil eben nur Extreme vorhanden sind. Die große gesunde Masse, welche ein allmähliches, gemäßigtes Fortschreitcn fordert, nach Bildung strebt, ohne den geschichtlichen Boden der Ueberlieferung verlassen zu wollen, und die z. B. in Deutschland überall den Ausschlag gibt, fehlt in den Judengemeinden Ungarns fast ganz. Der Chassid, der Altorthodoxe, der Neuorthodoxe, die Radicalreformer und die Jndifferentisten sind überall stark vertreten, stehen sich schroff gegenüber, bestreiten sich die Herrschaft in den Gemeinden, erlangen und üben diese abwechselnd. Jeder macht sich geltend und der lauteste Schreier und geschickteste Jntriguant trägt den Sieg davon, ohne daß es darauf ankommt, ob etwas Reelles und Gründliches dahinterstecke. Das ung. Judenthum hat dabei das Unglück, daß seine Publicistik in Händen ist, welche, statt den Hader zu dämpfen, ihn nur noch mehr schüren und, von kleinlichem Geiste geleitet, alle möglichen Klatschereien und unzählige Berichte über die Streitigkeiten in den Gemeinden auftischen, dabei aber alles Bedeutende und Tüchtige statt zu fördern, zu begeifern und herabzusetzen. Das ung. Publicum liest diese Sachen sehr gern und davon lebt ein solches Blatt. Die Wirkung ist natürlich nur traurig. — Während, wie Ihr Blatt uns berichtet, in Preußen die jüdische Schule danach ringt, sich von der christlich-kirchlichen Aufsicht freizumachen, und in Ungarn die k. k. Regierung selbst Einleitungen trifft, die jüdische Schule davon zu emancipiren, trifft sie hiergegen den stärksten Widerstand bei den Lehrern der jüd. Schulen selbst. Dieser Widerstand, der im Auslände so unnatürlich erscheinen könnte, ist aber in Ungarn vollberechtigt. Denn die meisten Ungar. Rabbinen sind theils nicht befähigt, die Schulen zu leiten, theils aus Princip der Schule feindlich gesinnt und ebenso sind es nur wenige Gemeindevorstände, welche ernstlich die Erhaltung und Förderung der Schule beabsichtigen. An vielen Orten würde das Schicksal der Lehrer ein trauriges sein, wenn sie in die völlige Abhängigkeit von Gemeinden und Rabbinen kämen. — „Die jüdischen Lehrer wollen von der Aufsicht der katholischen Geistlichen frei werden, aber nur, wenn die Aufsicht der politischen Behörde, nicht den Rabbinern anvcrtraut würde." So lautet die allgemeine Auslassung und dies ist charakteristisch genug. — Guggenheimer hat der Gemeinde zu Bonhhaad einen Absagebrief zugeschickt. Es waren ihm Drohbriefe von dort zugekommen. In seinen Briefen hat dieser neuorthodoxe Rabbiner seine geringe Kenntniß der hebräischen Sprache hinlänglich erwiesen und gezeigt, daß er darin dem gleichgesinnten Di-. Hildesheimer nicht nachsteht. Die bonhhaader Gemeinde hat übrigens gegen ihre früheren Rabbiner, die zu den rabbinischen Koryphäen gehörten, genug gesündigt, um eines Guggenheimer's Werth zu sein. Doch genug von dergleichen Dingen, die nur darum besprochen werden dürfen, weil diese Leute doch sehen müssen, daß man sie kennt und daß ihr schädliches Gebaren wohl empfunden wird. — In Wachen ist es dem einsichtsvollen Vorstande endlich gelungen, die zerklüftete Gemeinde zum Bau einer Synagoge zu vereinigen, die in herrlichster Weise vollendet worden. Der jetzt dort 50**

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