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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-12-06 · Heft 50 (6.12.1864) · p. Seite 782

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 50 (6.12.1864)
Date
1864-12-06
Page
Seite 782 (sequence 10)
Language
German
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782 Schülerin, die folgten, waren von werthvollen Weihgaben begleitet. Zuletzt sprach der erste Lehrer der evangelischen Schule, Herr Cantor Raabe, und entrollte in seiner Rede ein treues Bild des Lebens des Jubilars und überreichte demselben als Andenken an den Tag eine Uhr. Ein Choral beschloß die Feier. Ich habe diese Feier beschrieben, aber nur, um durch sie zu überzeugen, daß die Schule die ihr gestellten Ziele stets erreicht und damit es desto mehr ausfalle, wenn ich sage, daß der Vorstand an ihrem Ruine arbeitet. Aber deswegen würde ich vielleicht noch schweigen, wenn nur durch den Fall nicht zugleich unsere Ehre, die Ehre des Judenthums angegriffen würde. Vor etwa 2 Jahren nämlich wurde hier eine Missionsschule errichtet. Anstatt daß derselben entgegengewirkt, ihr der Boden entzogen werden sollte, was geschah? — der jüdische Schulvorstand hat derselben die dritte Classe unserer Schule übergeben und hat auch dem Aufsichtsrechte so ziemlich entsagt, so daß den Kindern die liebevollen Missionsbibeln in die Hände gegeben werden. Aber das beachtet man nicht, denn die Gemeinde, die fast durchgehend wohlhabend ist, erspart die Ausgabe für einen Lehrer! Die Herren Schulvorsteher sind wohl der Meinung, daß „vom Riechen kann die Falle nicht zufallen." Ich aber bin der Meinung, die Falle der Mission ist oft leise gestellt. Welch gute Früchte erwachsen können aus einer solchen Thätigkeit des Vorstandes, geht daraus hervor, daß der Vorsteher unserer kleinen Nachbargemeinde Dobrzyca, die wegen eines Neligionslehrers in Verlegenheit ist, in der Meinung war, der hiesige Missionslehrer sei Jude, und sich deswegen ebenfalls an die Mission wegen eines Lehrers zu wenden gesinnt war. T. Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 25. November. Die „Pr." schreibt:*) Das Rabbiner-Collegium und der Prediger der wiener israelitischen Gemeinde haben, wie uns mitgetheilt wird, die Frage des Landesgerichtes: „Ob der Talmud ein kanonisches Buch der Synagoge sei?" dahin beantwortet, daß derselbe nach dem Sinne, den die christliche Kirche dem Worte gibt, kein kanonisches Buch sei, daß jedoch der halachische Theil desselben, mit Ausnahme der durch die staatlichen Verhältnisse bedingten Ein- *) S. vor. Nr. schränkungen, für die religiöse Praxis der Juden volle Gesetzeskraft hat, während der haggadische Theil nur für den Alterthumsforscher, der das sociale, das Liteteratur- und Phantasieleben der Juden nach allen Richtungen hin kennen lernen will, von Wichtigkeit ist. Wien, 25. November. (Privatmitth.) In diesen Tagen ging ein Collectivgutachten der Herren Prediger Dr. Jellinek, Rabbiner Horwitz, Rüben Baruch Chacham der sefardischen Gemeinde und Rabbinatsassessor und Salomon-Spitzer, Rabbinatsassessor (Herr Prediger Mannheimer dispensirte sich von der Ertheilung eines Gutachtens, da er sehr der Schonung bedarf) ab. Dasselbe behandelt in ausführlicher Weise diese Frage und gelangt zu dem Resultate, daß der Talmud kein kanonisches Buch sei. Der halachische Theil desselben, insofern die Verhandlungen zum Abschluß gediehen sind, sei rechtsgiltig und kräftig; hingegen seien die halachischen Verhandlungen, die nicht endgiltig beschlossen sind, und noch weniger die Haggada als irgendwie rechtsgiltig oder gar als Kanon zu betrachten. — Allerdings konnte kein vernünftiger Mensch daran denken, daß das Urtheil von Sachverständigen anders ausfallen könnte. Nichtsdestoweniger wollen wir noch nicht glauben, daß der „Kirchenzeitung" der Proceß gemacht wird, denn sonst hätte man wohl nicht der Gutachten bedurft. Die Kirchenzeitung genießt eben ein Privilegium, wie es kein anderes Journal hat. Der Cardinal Rauscher gehört, wie man sagt, auch zu ihren Protectoren und unsere jetzige Regierung legt zu großen Werth auf die Unterstützung dieses Kirchenfürsten, als daß sie seinem Protectionskinde sollte nahe treten wollen. — Nicht ohne Interesse dürfte es sein, zu erfahren, daß der ehemalige päpstliche Nuntius Viale Prela, der bei den Verhandlungen über das abzuschließende Concordat sehr thätig war, durchaus die Redacteure der „Kirchenzeitung" nicht empfangen wollte. Cardinal Viale Prela war natürlich ein sehr guter Katholik, er war aber auch Diplomat und er erklärte es, daß das Treiben der Kirchenzeitung, ihr stetes Herumwühlen in Persönlichkeiten nicht das Interesse der Kirche fördern, wie dieses Männer wie Döllinger, Montalembert rc. thun. — Wien, 26. November. (Privatmitth.) Der, wie uns scheint, sehr schwächliche Ausdruck des Verlangens nach einem Gesetze über die confessionelle Gleichberechtigung im Adreßentwurf des Abgeordnetenhauses lautet;

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