Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 50 (6.12.1864)
- Date
- 1864-12-06
- Page
- Seite 781 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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781 Geistlichen die Qualification zur Jnspicirung der genannten Unterrichtsfächer selbstverständlich abgehe. Die Regierung hat das dreimal wiederholte Gesuch dreimal entschieden abgelehnt und jede durch den genannten Herrn Rabbiner in dem hiesigen Gemeindeschullocale vorzunehmende Prüfung in Religion und Hebräisch als unstatthaft untersagt. Die Schulcommisston wandte sich nukimehr in einer Beschwerdeschrift an den Cultusminister, der durch folgenden Erlaß zu Gunsten der Schulcommission entschied: Auf die Eingabe vom 17. d. M. eröffne ich der Commission der israelitischen Elementarschule, daß es derselben unbenommen bleibt, eine Prüfung der israel. Schüler in der Religion durch den Rabbiner Dr. Rahmer in Thorn zu veranstalten und daß die königl. Regierung in Marienwerder auch nichts gegen die Benutzung des Schullocales zu diesem Zwecke einzuwenden hat. Ein amtlicher Charakter der Schulaufsichts- Behörde gegenüber kann aber dieser Prüfung nicht zugesprochen werden. Berlin, den 23. September 1864. Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten. In Vertretung: Lehnert. Berlin, 24. November. Der Gerichtsassessor und Doctor beider Rechte Herr Behrend hat sich bei der hiesigen Juristen-Facultät als Docent für deutsches und preußisches Recht habilitirt. Eine gediegene Arbeit über die „Magdeburger Fragen" hat ihm den Weg dazu eröffnet. Er ist der erste juristische Docent jüdischen Glaubens an einer preußischen Universität. Wie die N.-Z. berichtet, will Herr vr. Bchrend noch in diesem Wintersemester über einen Theil des Handelsrechts Vorlesungen halten. Köln, 20. November. (Privatmitth.) Heute fand in hiesiger Synagoge die erste Trauung mit Chor und Instrumentalbegleitung statt. Wir hörten bei dieser Gelegenheit zum ersten Male in unserer Synagoge die Klänge einer Orgel en miniature — eines Harmoniums. — Wir hätten gewünscht, daß alle Gegner der Orgeleinführung der heiligen Feierlichkeit beigewohnt hätten, sie würden mit uns zur Ueberzeugung gelangt sein, wie dadurch die Feierlichkeit des Gottesdienstes, Andacht und Weihe wesentlich gehoben werden. So anerkennenswerth die Leistungen unseres Chores sind, so treten sie doch erst, begleitet von der Instrumentalmusik, voll und wirksam hervor. D. I. Thorn, 22. November. (Privatmitth.) Die in einer der letzten Nummern Ihrer Zeitung gemachte Bemerkung, daß hier noch kein Frauen-Verein existire, hat die erwünschte Folge gehabt, daß bereits der Anfang zu einem solchen gemacht worden. — Unsere jüdische Frauenwelt hat das Urtheil unseres sonst so gefeierten Mitbürgers, Herrn Bogumil Goltz, sehr unangenehm berührt. Derselbe äußerte sich nämlich in einer Vorlesung zu Tilsit, daß es den Juden an Sinn für Naturschönheiten fehle. Abgesehen davon, daß Goltz sich gern in Paradoxen ergeht, schwankt sein Urtheil über Juden und Judenthum in der sonderbarsten Weise. Wer sich hiervon überzeugen will, der lese den Abdruck aus seinem „Westpreußischen Idyll" im Berliner Volksgarten, worin eine jüdische Familie geschildert wird, und worin er dem Juden seinen Antheil an dem allgemein Menschlichen abftreiten möchte. Uebrigens hat Herr Goltz bereits im tilsiter Wochenblatte eine derbe Entgegnung gefunden. — In vorig. Woche fand hier eine außerordentliche Prüfung des israelitischen Religionsunterrichts in der höheren Töchterschule durch den Schulinspector Herrn Superintendenten Laue im Aufträge der königl. Regierung statt. Veranlassung hierzu hat ein Artikel des katholischen Kirchenblattes gegeben, welcher, um die Entchristlichung der genannten Töchterschule darzulegen, darauf hinwies, daß an derselben sogar jüdischer Religionsunterricht ertheilt werde. Da sich der Herr Inspektor sehr günstig über diesen Religionsunterricht ausgesprochen hat, so wird wohl dieser statt Humanität, Humanität predigende Artikel von keinen weiteren Folgen sein. — y. Kormin, 13. November. (Privatmitth.) Am 1. November d. I. feierte der erste Lehrer der hiesigen jüdischen Schule, Herr Born st ein, sein 25jähriges Dienstjubiläum. Derselbe hat durch sein Streben die Achtung und Liebe der Gemeinde und seiner Collegen im vollsten Maße erworben und fanden diese Gesinnungen bei dieser Feier den schönsten Ausdruck. Morgens fand in der Schule eine schöne Feier statt, bei der sich die Behörden der Stadt und Gemeinde eingefunden hatten und die sämmtlichen Lehrer der Stadt mitwirkten. Herr Rector Sklarzgk, als Vertreter des Schulinspectors, hielt eine Ansprache an den Jubilar und schilderte in treffenden Worten die Pflichten und Mühen des Lehrerstandes. Die Ansprachen einer jetzigen und einer frühern 50