Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 50 (6.12.1864)
- Date
- 1864-12-06
- Page
- Seite 780 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Söhne Judas, gehet hin, taufet und machet selig auch eure Brüder." — Wie erschien der Mann auf der Kanzel! Himmelnde Augen, langgedehnte, salbungsreiche Worte mit der schärfsten Spitzfindigkeit eines zw-m b:a verbunden. „Nicht btnurb naN hat der Prophet gesagt; denn solange die Juden Israeliten waren, da brauchten sie keine Missionäre, da .war Gottes Herrlichkeit unter ihnen: irs nab Tnas sagt der Prophet, „redet zur Tochter Zions, zu der verkommenen, verstoßenen, verachteten, ja verdammten Tochter Zions." — Dieses Ideal weiblicher Würde also sind wir, lieber Herr und Freund, und alle unsere Glaubensbrüder! Dieses '|-na nab nas hat nun diese Männer zu einer Freischar ausgerüstet, die über die ganze Erde schreitet, um auf die irgendwo schlecht bewachte Tugend der Tochter Zions Jagd zu machen. Damit aber auch in der Residenz Berlin, meint der Redner, die Mission ihren Segen über die hilfsbedürftigen Juden verbreite, ist nunmehr in der anhaltischen Communication eine Missionskirche mit Missionsschule und Missionshaus errichtet worden, wozu die Mittel von 30,000 Thlrn. in allen Ländern Europas sind zusammengebettelt worden. — Mit Schluchzen und Thränen schildert der Redner, wie arme Fabrikmädchen die Hälfte ihres Verdienstes, arme Tagelöhner ihren Sparpfennig, bigotte Eltern auf Unkosten ihrer Erben ihren Nachlaß hingeopfert, um in Berlin, sage in Berlin eine liebe Christuskirche zu bauen, in der die unglückliche Tochter Zions wieder zu Heil und zu Ehren komme. — Bei Gott, der Mann kann weinen, schwere, bittere Thränen weinen, wenn er zu dem Zwecke dem armen Volke in Rußland und England; denn in diesen Ländern ward am meisten gesammelt, die Deutschen haben wenig, die Berliner gar nichts hergegeben; wenn er, sage ich, zu dem Zwecke der Armuth den sauer verdienten Groschen hat abgenommen. — Die Festpredigt erörtert weiter Jesaia's Wort sä n:n- — «n kann heißen, der Messias ist gekommen, kann aber auch heißen, der Messias kommt noch. Darum bittet er die christliche Liebe, Geduld mit dem Glauben der Juden zu haben, der sie einen Messias noch erhoffen läßt, man soll ihnen bei Leibe diese Hoffnung nicht nehmen. — Ach, diese süßen Worte gemahnten mich an das, was der Talmud zur Wespe sagt: ijajava xb-i sb, ich will deinen Honig nicht, aber auch deinen Stachel nicht." „Ja, ruft der Redner aus, die Inden haben Recht, ihr Messias ist noch nicht gekommen; aber den sie erhoffen, ist derselbe, der schon einmal gekommen ist, von einer Jungfrau geboren, gestorben, auferstanden und zum . Himmel gefahren, woselbst er nach Ps. 110. sitzet zur Rechten Gottes." Eine Frage aber hat der vr. R. im Verlauf seiner Rede mir aus der Seele gethan: „Wie, wenn die Juden aber sagen: Ihr verlangt, daß wir euern Glauben annehmen, glaubt ihr denn euernGlauben?" — Ach ja, lieber, englischer Missionär, der du heute über den Kanal bist gekommen, der Tochter Zions in Berlin die Wahrheit zu sagen, gefragt hast du recht; doch geantwortet in anderem Sinne; denn hättest du die Hand aufs Herz gelegt, und noch einmal an dein altes bNTS'' sais gedacht, daß du wohl über 30 Jahre gesprochen hast und das dir sicherlich in deinem letzten Stündlein noch einmal über deine bleichen, sterbenden Lippen schleicht: du hättest statt Ja, Nein, dreimal Nein geantwortet. Eine einzige Genugthuung hatten die Herren an ihrem Freudentage, einen einzigen, armseligen Triumph, der ihnen zu gönnen wäre, wenn er nicht einen tiefen Schatten auf den Charakter eines berliner Israeliten werfen würde. Der Schlußredner hält triumphirend einen entfalteten Brief in seiner Hand. Dieser Brief ist von einem hiesigen Juden. Er wünscht dem Comits Glück zu dem herrlich vollendeten Werke, bedauert indeß, durch Geschäfte behindert zu sein, der Feier des Tages beizuwohnen; darum schicke er eine Opfergabe von 3 Frd'or; denn er und sein Haus wollten ihrem Gotte dienen. Den Namen dieses gesinnungstüchtigen Juden von Berlin hat der Redner leider nicht genannt. — vr. Landsberger. Culmsee, im November. (Br. Z.X Ein Pendant zu dem berliner Conflict wegen der Qualifikation eines jüdischen Stadtverordneten zum Schulvisitator hat sich jüngst hier zugetragen. Die hiesige Schulcommission hatte sich mit einem Gesuche an die königl. Regierung zu Marienwerder gewandt, gestatten zu wollen, daß der für Hebung des jüdischen Schulwesens in unserer Gegend eifrig thatige Rabbiner aus Thorn auch an unserer öffentlichen jüdischen Elementarschule den Religions- und hebräischen Unterricht überwache, wozu derselbe seine Bereitwilligkeit erklärt hatte, da den angestellten Local- und Kreisschulinspectoren, als evangelischen