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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-12-06 · Heft 50 (6.12.1864) · p. Seite 779

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 50 (6.12.1864)
Date
1864-12-06
Page
Seite 779 (sequence 7)
Language
German
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779 haftwerdung verfolgte, hat von der Police! in Lüneburg eine Belohnung von 10 Thalern erhalten. Ein Seitenstück zu dem Ihnen jüngst aus Elze mitgetheilten Vorgänge hat sich neulich in Ilten ereignet. Die Gemeinde Ilten hat nämlich vor nicht langer Zeit als Hinterlassenschaft eines in der Fremde verstorbenen dasigen Einwohners drei unerzogene Kinder übernehmen müssen und hatte es sich gefügt, daß eins derselben bei einem dortigen allgemein geachteten Israeliten untergebracht wurde. Nachdem dies dem Pastor A. daselbst bekannt geworden war, machte er dem Ortsvorsteher W. am Sonntage nach beendigtem Gottesdienste in der Kirche Vorwürfe darüber, und zwar in einer Weise, welche von letzterem sehr übel vermerkt sein soll. In Goslar traf vor einigen Tagen die für die dortige gesammte Bürgerschaft höchst erfreuliche Nachricht ein, daß in der auch in diesen Blättern mitgetheilten Meinungsverschiedenheit zwischen dem Magistrat und dem Bürgervorsteher-Collegium wegen Wiederbesetzung der Stelle eines Kämmerers die Landdrostei auf die Seite des Bürgervorsteher-Collegiums sich gestellt, für den bisherigen städtischen Revisor und Registrator Schlesinger sich entschieden und die Gründe des Magistrats gegen diese Wahl nachdrücklich zurückgewiesen hat. Es wäre auch in der That arg, wenn ein Angestellter um deswillen eine Zurücksetzung im Dienst erfahren müßte, weil er Jahre lang als treuer und tüchtiger Arbeiter sich bewährt hat und in seiner bisherigen Stellung vortrefflich ausgenutzt werden konnte, wie dies bei Herrn Schlesinger der Fall gewesen ist. Der Ausgang des Wahlstreites aber ist um so erfreulicher, als wir darin eine thatsächliche Anerkennung des gesunden Sinnes und der redlichen Bestrebungen der gedachten Bürgervorsteher von seiten der Oberbehörde erblicken und die getroffene Entscheidung unserem verdienstvollen Glaubensgenossen endlich den Lohn für eine langjährige, seine Tüchtigkeit wie seinen Pflichteifer in gleicher Weise bekundende Thätigkeit bringt. In literarischer Beziehung ist zu bemerken, daß die in Nr. 47 des Jüdischen Volksblattes mitgetheilte, dem Ldueatore Israölita entnommene Erzählung: Die beiden Felder, nur eine Nachahmung eines zwischen Don Pedro dem Alten und einem weisen Juden geführten Gespräches ist, welches sich im Loderet Jehuda findet. Vgl. edit. Wiener Th. I, 54 und Th. II, 107, Preußen. Berlin, 23. November. (Privatmitth.) Ich komme soeben von einer Festlichkeit sonderbarer Art nach Hause und setze mich sofort ans Pult, Ihnen, mein sehr verehrter Herr Redacteur, und den Lesern Ihres Blattes einen kleinen Bericht über dieselbe abzustatten, in der Voraussetzung, daß ein solcher nicht ohne Interesse gelesen werden dürfte. — Ich komme aus der Einweihungsfeier der zur Bekehrung der Juden Hierselbst erbauten Missions-, genannt Christuskirche. Zu meiner Schande und zu meiner Freude zugleich seis gestanden, daß ich der einzige Jude war, den der Aufruf ver Herren Missionäre herangelockt hatte. Indessen bedauere ichs keinesweges, dieser Einweihungsfeier beigewohnt zu haben, schon darum nicht, daß ich die Genugthuung hatte, es zu sehen und wahrzunehmen, wie wenig Gewicht in unserem lieben Berlin auf diese Judenbekehrungöversuche noch gelegt wird; denn es war von allen eingeladenen Behörden buchstäblich nicht ein Mann erschienen. Die Plätze für den Magistrat, für die Stadtverordneten, ja selbst die für die Geistlichkeit der Residenz blieben leer. Es war kaum ein anständig gekleideter Bürger zugegen; nichts als neugieriges Volk, Frauen aus der Nachbarschaft, Dienstmädchen und barmherzige Schwestern aus Bethanien. Und für dieses Publicum einen Aufwand von Feierlichkeiten, Festkränzen und Festhymnen in großattigster Weise. Fünf Redner traten auf. Ein Prediger Lotzer aus Altona sprach das Dankgebet, Dr. Klee, Missionär von Berlin, hielt die Weihrede, ein Dr. Reichart aus London die Festpredigt, Schulz aus Berlin die Schlußansprache und ein fünfter, dessen Namen ich nicht erfahren konnte, der aber von allen die unerlöschbarsten Spuren eines früher« Bochers an sich trug, sprach das betreffende Schriftstück Jes. 24. Die Festpredigt bewegte sich um die Worte Jesaias Cap. 62, V. 11. to IsSw' tpx mb visn» In diesem Ausspruche des Propheten sehen die H erren von der Mission die unabweislichste Pflicht, den Juden das Evangelium zu verkünden. „Sprechet zur Tochter Zions, siehe dein Heiland ist gekommen," Mit diesen Worten hätte die gigantische Gestalt unseres großen Propheten vor Jahrtausenden der kleinen schwarzen Schar der Mission schon zugerufen: „Ihr getauften und somit selig gewordenen

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