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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-12-06 · Heft 50 (6.12.1864) · p. Seite 775

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 50 (6.12.1864)
Date
1864-12-06
Page
Seite 775 (sequence 3)
Language
German
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775 zugestanden, sich aber freie Hand für den Fall eines Aufstandes in Rom Vorbehalten. Der Sinn dieses letzten Actes, der vielbesprochenen Septemberconvention, ist einfach: die päpstliche Herrschaft das Experiment ihres Fortbestehens ohne Angriff und ohne Unterstützung von außen machen zu lassen. Er will den Bestand der päpstlichen Herrschaft nicht aufgeben, aber auch nicht sichern, sondern die Klerikalen sollen erweisen, was sie vermögen, wenn sie auf ihren eigenen Füßen stehen. Wie er verfahren werde, wenn dieses Experiment ungünstig für den Papst ausfällt, ist jetzt noch nicht zu erkennen; sicher hat er einen Plan dafür entworfen, jedoch mit dem Vorbehalt, die Umstände mitreden zu lasten. Dies ist die Lage der Dinge im Augenblicke. Auch das ist offenbar, daß Louis Napoleon die Verantwortlichkeit für das auch den nothwendigsten Reformen unbeugsam entgegenstehende päpstliche Regiment von sich abweisen will, nachdem er immer wiederholt bei dem päpstlichen Stuhle auf Reformen gedrungen, ohne Gehör zu finden. Die Folgen hiervon soll die päpstliche Curie empfinden, ohne daß Napoleon sich die Hände bindet, ihr zur Zeit, aber unter den von ihm gestellten Bedingungen, nicht wieder aufzuhelfen. Welche Zustände im Kirchenstaate obwalten, zeige Folgendes. Der römische Berichterstatter der Augsb. Allgemeinen Zeitung, welcher gewiß nicht als gegen das päpstliche Regiment voreingenommen gelten kann, schildert die Zustande im jetzigen Kirchenstaate, wie folgt: „Die größte Sorge unserer Regierung sind die Briganten, welche trotz der französischen Occupation fast das ganze römische Gebiet in ihrem Sinne annectirt haben. Sie hegen zwar durchaus keine Absicht, die Souveränität des Papstes zu beeinträchtigen, aber sie wollen ungestört die wohlhabenden Unterlhanen desselben brandschatzen und terrorisiren. Viele Gutsbesitzer sahen sich genöthigt, sich mit ihrer beweglichen Habe hierher zu flüchten, da sie in ihren Wohnsitzen jeden Tag den brutalsten Gewaltthaten ausgesetzt sind. Die päpstlichen Truppen reichen zur Bewältigung dieser furchtbar anwachsenden Landplage nicht mehr aus, und die Franzosen beginnen, sich — zurückzuziehen." Zerstreute Bemerkungen. Wir stießen in diesen Tagen unter den Annoncen der süddeutschen Blätter, auch der Kölnischen Zeitung auf die Anzeige folgender Schrift: „Goume, die Lehre von dem heiligen Geiste oder allgemeine Geschichte der beiden Geister, die sich um die Herrschaft der Welt streiten, und der beiden Staaten, die sie gebildet haben, nebst den Beweisen von der Gottheit des heiligen Geistes, von der Natur und Ausdehnung seines Einflusses auf den Menschen und auf die Welt. Aus dem Französischen übersetzt von A. Holm. Autorisirte Ausgabe." — Glaubt man, wenn man diesen Titel liest, nicht zu den Altpersern versetzt zu sein, deren Religion vor mehr als einem Jahrtausend vor dem Monotheismus des Islam gefallen ist? Taucht nicht das Reich des Ormuzd und des Ahriman vor uns auf, und wir müssen uns besinnen, ob es das neunzehnte Jahrhundert ist, das dergleichen Büchertitel producirt? Vor kurzem erschien eine starke Broschüre: „Die Vorläufer des polnischen Aufstandes", welche die Vorgänge in Polen, namentlich in Warschau, bis zum 16. Januar 1863 bespricht. Die gut abgefaßte Schrift und ihr Gegenstand haben uns hier nicht zu beschäftigen. Aber es ist doch ein Moment darin enthalten, das wir hervorheben und für uns fixiren möchten. Es ist die damals von den Polen in Scene gesetzte „Verbrüderung" aller Bekenntnisse. Der Verfasser ist, wenn auch kein Pole, doch ein eifriger Polenfreund. Aber er gesteht zu, daß die Juden von den Polen bis zum Jahre 1861 schmählich behandelt wurden. So drückend die Ausnahmegesetze waren, welche bis zur Thronbesteigung Alexander II. auf den polnischen Juden lasteten, so machten doch die polnischen Beamten sie noch unerträglicher und übten unter ihrem Schutze und Vorwände die schmählichste Verfolgung gegen die Juden aus. Was Wunder, daß die Juden deshalb russisch gesinnt waren und daß sie wiederum wegen ihrer russischen Gesinnung von den Polen um so mehr gehaßt und verfolgt wurden. Endlich sahen die letzteren ein, wie unklug es von ihnen sei, die Juden, welche die größere Hälfte der städtischen Bevölkerung in Polen ausmachen, dermaßen von sich zurückzustoßen, und es wurde daher von ihnen beschlossen, sie an sich heranzuziehen, und hierzu besonders das feierliche Begräbniß der fünf am 27. Februar aus den Straßen erschossenen Polen benutzt. Unmittelbar vor den 5 Särgen gingen die Spitzen der katholischen Geistlichkeit und die Generalsuperintendenten und Prediger der beiden reformirten Culte; die jüdischen Rabbinen folgten nach ihrem Brauche den Bahren mit bedecktem Haupte, von Mitgliedern des Beerdigungs-Comitüs geleitet. Wir übergehen die weitere Be- 50 *

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