Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 49 (29.11.1864)
- Date
- 1864-11-29
- Page
- Seite 769 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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luttg dorthin gelockt waren, freien hebräischen Unterricht zu empfangen, welchen die Unternehmer — außer anderen Studienzweigen — versprochen hatten. Es wurde deutlich, daß der Leiter die Gewohnheit hatte, seinen Zöglingen Blätter mit hebräischen Texten zu überreichen, die mit jesuitischem Geiste aus Versen in den prophetischen Büchern der Bibel ausgewählt und in Uebereinstimmung mit den speciellen Ansichten der Missionäre über JesaiaS, Jeremias und Daniel erklärt waren. In der That, es wurde bald entdeckt, daß die Schule einfach eine Falle für Unvorsichtige war, untr eine unserer Gemeinden nahm die Sache in die Hand und beauftragte einen Beamten mit dem Besuche und der Besichtigung dieser Anstalt. Auf seinen Bericht fand eine Versammlung der Vorsteher unserer Gemeinden statt, und es wurde von ihr nicht nur der wahre Charakter der Missionsschule enthüllt und diese dadurch ganz unschädlich gemacht, sondern auch die Errichtung einer „Hebräischen Freischule" beschlossen, welche nach Sammlung der nöthigen Gelder in nächster Zeit ins Leben treten wird." — Der religiöse Zustand der Juden New-Aorks scheint nichts weniger als befriedigend. Unser College schreibt hierüber: „Wir können nicht in freudigen Ausdrücken von dem Fortschritt sprechen, der in rein religiöser Beziehung im vergangenen Jahre gemacht worden. Es sind wieder wie gewöhnlich Gemeinden eingerichtet und Synagogen gebaut — aber, was dey wahrhaft religiösen Fortschritt unserer Glaubensgenossen betrifft, sehen wir uns durch die Wahrheit gezwungen, einzugestehen, daß wir keine Anzeichen einer befriedigenden Richtung erkennen. Wenn wir die außerordentliche Zahl unbesetzter Kanzeln, die geringe Zahl angemessener geistiger Führer, solche auffallende Thatsachen wie die, daß in der Stadt New-Jork bei einer jüdischen Bevölkerung von nahe 50,000 Seelen es nur zwei Synagogen gibt, wo Predigten in englischer und deutscher Sprache zu bestimmten Zeiten abgehalten werden — daß in einem Dutzend Gemeinden in verschiedenen Theilen der Bereinigten Staaten ein Dutzend verschiedene Arten des Gottesdienstes existirten — wenn wir solche auffallende Thatsachen betrachten, so müssen wir zu dem unvermeidlichen Schluß kommen, daß der üble religiöse Zustand der Israeliten in Amerika im vergangenen Jahre keine Anzeichen von Besserung und Fortschritt hat merken lassen." Nachtrag. Berlin, 20. November. Es ist schon mitgetheilt worden, daß das Consistorium der Provinz Brandenburg eine von dem hiesigen Magistrat getroffene Wahl eines Predigers aus dem Grunde für ungittig erklärt hat, weil ein jüdisches Mitglied des Magistrats, Stadtrath Magnus, bei der Wahl seine Stimme abgegeben und der Magistrat den Fall seiner nächsten Aufsichtsbehörde, der Regierung in Potsdam, zur Entscheidung vorgetragen, diese Behörde sich dann für inkompetent erklärt, beiläufig aber der Consistorial-Entscheidung zngestimmt habe. Das Consistorium hat jetzt den Magistrat zu einer Neuwahl mit dem Bemerken aufgefordert, daß es zwar nach dem Gesetze die Wahl nunmehr selbst vornehmen könne, im vorliegenden Falle auf dieses Recht jedoch verzichten wolle. Der Magistrat wird nun zu der Wahl schreiten, nachdem der Stadtrath Magnus erklärt, daß er für diesmal sich der Abstimmung enthalte, seine Rechte aber durchaus wahre und diesen damit in keiner Weise etwas vergeben wolle. Der Magistrat wird übrigens die Principienfrage im Wege der Beschwerde weiter erörtern. Stuttgart, 17. November. (Privatmitth.) Vermöge höchster Entschließung vom 25. Oktober wurde von Sr. Majestät dem Könige die Stelle eines geistlichen Assessors des ehegerichtlichen Senats des königl. Obertribunals für Ehesachen der Israeliten dem Kirchenrath Dr. Maier übertragen. Frankfurt, 19. November. Der in den weitesten Kreisen als Vorsteher einer Erziehungsanstalt, Pädagoge und Gelehrter auf das vortheilhafteste bekannte Dr. Jakob Weil ist in verflossener Nacht einem längeren Leiden erlegen. Der Verstorbene war ein Mann von scharfem Verstand, Geist und umfassendem Wissen und wirkte als Schriftsteller u. a. auf theologischem Gebiete, wie denn auch noch seine letzte Schrift über Strauß' Leben Jesu verdiente Anerkennung fand. Anzeigen. Für die hiesige israelitische Gemeinde wird zu wnn ein Lehrer, Schächter und Vorbeter gesucht. Das Einkommen beträgt 150 Thlr. bei freier Station. Gadebusch in Mecklenburg, im November 1864. S. Franck, Vorsteher.