Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 49 (29.11.1864)
- Date
- 1864-11-29
- Page
- Seite 768 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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768 ten, an Sir George Grey gerichteten Denkschrift des deutschen Rechtsschutz-Vereins, welche um den Aufschub der Hinrichtung Müller's bittet, kommt folgende Stelle vor: „Es ist schwer zu begreifen, wie Müller, wenn er einer der beiden im Eisenbahn-Coups gesehenen Männer gewesen wäre — obgleich Herr Lee erklärt, daß dies nicht der Fall war — im Besitze aller der Habseligkeiten gefunden werden konnte, da er sie mit seinen Spießgesellen hatte theilen müssen. Es ist wahrscheinlicher, daß er sie alle von einem dieser Menschen kaufte oder später von einem jüdischen Mitschuldigen derselben unter Umständen, die, als er darüber nachzudenken anfing, seinen eigenen Verdacht erregten." Mit Bezug auf diese Stelle erwarte ich von Ihrer bekannten Unparteilichkeit die Aufnahme des gegenwärtigen Schreibens, damit Ihre Leser erfahren, daß diese gegen eine ganze Nation <in Bausch und Bogen nach Art Haman's) geschleuderte verleumderische und gehässige Anklage nicht im geringsten in der Wahrheit begründet ist, da von der Entdeckung der Ermordung des Herrn Briggs an nie auch nur im entferntesten darauf hingedeutet worden ist, daß irgend ein Jude etwas mit der That oder dem Processe zu thun gehabt habe. Das Wort Jude hat in dieser Angelegenheit einzig und allein in Beziehung auf Herrn Oppler (wenn ich mich nicht hinsichtlich der Identität täusche), den Secretär des deutschen Rechtsschutz-Vereins, gebraucht werden können, in Betreff dessen ich mich, da er der muthmaßliche Urheber der obigen Stelle ist, freue, sagen zu können, daß er der jüdischen Genossenschaft nicht mehr angehört, indem er vor einiger Zeit zum Christenthume übergetreten ist. Ich bin rc. Henry Kisch. London, den 11. November. (Es schmerzt uns in der That, hier abermals ein judengehässiges Gebaren mit den „Deutschen im Auslande" verbunden zu sehen, wie dies so oft der Fall ist, sei es in England, in Rußland oder in Amerika. Ueberall dieselbe Erscheinung! Daß zugleich ein Neophht dabei betheiligt ist, fällt uns freilich weniger auf, denn das haben wir Juden bereits seit den ältesten Zeiten erlebt. Gott sei Dank! ist die Zeit schweigenden Duldens vorüber und eö finden sich überall Männer, die freimüthig ungerechtfertigte Angriffe zurückweisen! Die Red. d. A. Z. d. Jud.) Nordamerika. New-Jork, im Oktober. Der hier erscheinende Jewish Messengei' enthält einen Rückblick auf das I. 5624, aus welchem das Jewish Chronicle einige Sätze von allgemeinem Interesse anführt. Es gibt jetzt zwei jüdische Mitglieder im Congresse, beide in Pennshlvanien erwählt. Der Richter des Civilgerichtshofes im Staate New-Aork, Dir. Cardozo, ist ein Jude, und zwar ein eifrig an der Religion seiner Väter hängender Jude. In Bezug auf jüdische Soldaten sagt unser College: „Einzelne Glaubensgenossen von kriegerischen Neigungen zeichneten sich in den Befehlshaberstellen aus, welche ihnen anvertraut worden; wie der tapfere Vertheidiger von Dalton, der waghalsige Cavallerieofficier in Südost-Virginien und einer von Sherman's Generalen vor Atlanta. Der Eifer, mit welchem, ungeachtet ihrer religiösen Streitpunkte, Juden und Christen Schulter an Schulter zur Vertheidigung ihrer gemeinsamen Fahne, des Banners der Freiheit, gekämpft haben, hat dazu beigetragen, wenigstens einige Leute von dem Borurtheil zu befreien, das von einem Theile der Presse erregt und aufrecht gehalten wurde." — Der wirkungsvollste Gegenstoß gegen die häufigen Angriffe auf die Juden, welche amerikanische Blätter in der letzten Zeit ergehen ließen, wird den jüdischen Mitgliedern der Journalistik zugeschrieben. „Wir glauben, daß, Dank den persönlichen Anstrengungen einiger jungen Glaubensgenossen, die mit der new-Yorker Presse verknüpft sind, wir die letzte der unfreundlichen und gehässigen Beschimpfungen des jüdischen Namens erlebt haben, die früher nur zu häufig in den Blättern der Hauptstadt wie der Provinz waren. Vielleicht ist es nicht bekannt, daß es eine Anzahl Glaubensgenossen gibt, welche — als Herausgeber und Berichterstatter — bei der täglichen und wöchentlichen Presse Anstellungen haben; es gibt nicht eine Tageszeitung, glauben wir, die nicht wenigstens einen Repräsentanten des jungen Israel in ihrem Stabe enthält." — Daß unsere Glaubensgenossen nicht weniger durch Bekehrer gequält werden wie wir in England und Deutschland, erhellt aus folgendem Absatz: „Man erfuhr, daß eine „Missionsschule" zur Verleitung und sogenannten „Bekehrung" jüdischer Kinder in voller Blüthe stand und sich glücklich den täglichen Besuch einer bedeutenden Zahl von Israeliten gesichert hatte, die durch die Vorspiege-