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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-29 · Heft 49 (29.11.1864) · p. Seite 766

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 49 (29.11.1864)
Date
1864-11-29
Page
Seite 766 (sequence 10)
Language
German
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766 Die Talmud - Thora ist in drei Classen getheilt. Die unteren zwei — die sogenannten Bibel- und Mischnajoth-Classen, in denen die Herren Lustig und Freudenberg lehren — sind Vorbereitungs-Classen für die dritte höhere Abtheilung, wo der ebenerwähnte Hr. H. Deutsch wirkt. In dem verflossenen Semester trug dieser folgende Lehrgegenstände vor: a) Talmud slatarisch, sogenannte Sugjoth wie n:r:C"; nirap; nssnö br wLnn u. s. w. mit den darauf bezüglichen wichtigeren Commentatoren; t>) Talmud cui'sorisoli, Cholin von pag. 56a—67b, daselbst 89 b —103 b. c) Jesajas C. 1—25 mit den unerläßlichen exegetischhistorischen Erklärungen; d) Hebräische Grammatik — mit Zugrundelegung des Leitfadens zur gründlichen Erlernung der hebräischen Sprache von dem Herrn H. Deutsch verfaßt. e) Targumim mit chaldäischer Grammatik. Außerdem wurden die Schüler zu Selbstvorbereitungen talmudischer Stellen angehalten. Bedenkt man, daß Hr. H. Deutsch täglich nur 2 Stunden unterrichtet und daß die Schüler — weil ihre Zeit für Ghmnasialgegenstände absorbirt wird — auf den alleinigen mündlichen Vortrag angewiesen sind, und sieht man vor allem, wie schlagfertig und correct die aus den genannten Fächern vorgelegten Fragen von den Schülern beantwortet werden; dann staunt man über die Leistungen des Herrn Deutsch, erstaunt aber noch mehr fast über das vornehme Schweigen der pesther Referenten!! *) K . .. t. Krefeld, 15. November. Bekanntlich hat der verewigte Herr Philipp de Greifs (Christ) der israelit. Gemeinde zu Linn bei Krefeld zum Bau des neuen Gotteshauses ein Capital von 8000 Thlrn. testirt, zu welcher Schenkung am 18. Mai d. I. die landesherrliche Genehmigung eingegangen. Die hochherzige Tochter des Verewigten, Frau Rhodius, schenkte zu demselben Zwecke das an der Hauptstraße schön gelegene Bauterrain von 36 Ruthen 80 Fuß. Gestern feierte nun die Gemeinde die Grundlegung. Als Ehrengäste waren zur Feier erschienen die Herren: Rabbiner De. *) Hierin irrt der gesch. Corresp. doch, da erst in diesem Jahre ein ausführlicher Bericht über die obige Anstalt in diesem Bl. stand. Die Redact. Veilchenfeld von Düsseldorf (in Vertretung des erkrankten Herrn Oberrabbiner Di-. Bodenheimer), Landrath Lehsner, der Pfarrer der kath. Gemeinde zu Linn, die Bürgermeister von Linn und Böckum, die Vertreter der israelitischen Gemeinden Uerdingen, Böckum und Krefeld u. a. m. Auch die verehrte Frau Rhodius war zugegen. Die Feier war sehr würdig und Predigt, Gesang, die Ausschmückung des Platzes und ein Festmahl machten den tiefsten Eindruck auf alle Anwesenden. Berlin, 17. November. Die Beschwerde des berliner M a g i st r a t s über das Consistorium der Provinz Brandenburg wegen Nichtbestätigung der Wahl des Predigers Schramm (weil ein jüdisches Magistratsmitglied mitgewählt) ist, wie der „P. L." meldet, von der kgl. Regierung zu Potsdam zurückgewiesen worden, weil sie nicht über eine coordinirte Behörde zu entscheiden habe. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 7. November. (Privatmitth.) Die „Augsburger Allgemeine Zeitung", die man doch gewiß keiner Voreingenommenheit gegen Oesterreich beschuldigen kann, brachte jüngst einen Artikel bei Gelegenheit eines in der wiener Neustadt verhandelten Preßprocesses über die Rechtspflege in Oesterreich, welcher gerade nicht sehr erbaulich klang. In demselben wird geradezu der Vorwurf ausgesprochen, daß Tendenzprocesse anhängig gemacht werden unv die katholische Kirche und alles, was mit derselben im Zusammenhänge steht, in einem alle Grenzen überschreitenden Maße begünstigt werde. Es ist nun allerdings bekannt, daß der österreichische Richterstand nicht unabhängig ist, andererseits aber haben die Richter stets gestrebt, dem Gesetze in vollem Maße zu genügen. Erstaunen erregt eS jedoch, daß die katholisch-klerikalen Organe in so außerordentlicher Weise begünstigt werden. Während der Staatsanwalt sofort bei der Hand ist, wenn es ein Journal wagt, auch nur im entferntesten die katholische Kirche oder deren Institutionen rc. anzugreifen, schimpfen katholisch-klerikale Blätter über Alikatholiken und altkatholische Institutionen und die Staatsanwaltschaft weiß nichts davon und will nichts davon wissen, und documentirt in solcher Weise, daß sie mit zweierlei Maß mißt. Die hier erscheinende „Kirchenzeitung" registrirt auf das genaueste, wenn irgend ein Jude eines Verbrechens oder Vergehens halber von den Gerichten verurtheilt wird, und

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