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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-29 · Heft 49 (29.11.1864) · p. Seite 761

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 49 (29.11.1864)
Date
1864-11-29
Page
Seite 761 (sequence 5)
Language
German
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761 dingungen zu erdenken, die dem Fortschritt günstiger wären, und so waren die Juden weit entfernt, stationär zu bleiben wie die anderen Asiaten, mit den Griechen das Progressiveste Volk des Alterthums, und bei ihnen wie zu gleicher Zeit bei den Griechen findet sich der Ausgangspunkt und der vorzüglichste Motor der modernen Civilisation."*) Zu diesen Worten des Herrn Mill fügt Guizot hinzu: „Herr Mill hat Recht, er spricht wahr, jedoch nicht genug. In der That leitet sich von den Juden und den Griechen wesentlich die moderne Civilisation ab. Die Griechen waren das menschliche und intellectuelle Element derselben, die Juden das göttliche und sittliche Element. Und in diesem Ursprung war der Antheil der Juden, wenn nicht der brillanteste, wenigstens der höchste und am theuersten erkaufte." Wir heben nur noch zum Schluffe folgende Schilderung heraus. „Die Propheten waren weder Priester noch Mönche; gekommen aus allen Claffen der jüdischen Nation, ist ihre Berufung wesentlich frei; sie gehören Gott allein an und erwarten die göttliche Inspiration, um sich bald der königlichen Tyrannei zu widersetzen, bald der Volksleidenschaft, bald dem Verderbniß der Priester, hierzu allein mit den Befehlen Gottes und mit der Voraussage der Zukunft bewaffnet. Ihre Rollen sind verschieden wie die Oertlichkeiten und die Umstände ihres Lebens; aber sie sind bereit zu allen Rollen und zu allen Gefahren; die einen wie Elias und Elisah sind Männer der That und des Kampfes, die anderen wie Jesaias, Jeremias, Ezechiel, Amos sprechen, moralisiren und verkünden; die einen greifen die Gewaltthätigkeit und die Gottlosigkeit der Könige, die anderen die Laster und das Verderbniß des Volkes an; aber derselbe Geist beseelt sie alle; sie alle sind die Verkünder und die Arbeiter des Ewigen; sie alle vertheidigen den Glauben an den einzigen Gott gegen die Götzendienerei, die Gerechtigkeit und das Recht gegen die Tyrannei, die nationale Unabhängigkeit gegen die Fremdherrschaft. Im Namen des Gottes Abrahams und Jakobs arbeiten sie und mit glücklichem Erfolge, das religiöse und sittliche Leben mitten in dem Verfall und in der Knechtschaft Israels zu erhalten oder wieder zu beleben." Dies genüge, um die Ansichten Guizot's bezüglich der Religion und Mission Israels unseren Lesern nahe *) Considerations on representative government, by John Stuart Mill, Londres. 1861, p. 41—43. zu bringen. Ein anderes Mal soll ein kritischer Blick auf das ganze Werk folgen. Ist -er Talmud ein kanonisches Buch? Die „Wiener Kirchen-Zeitung" ist ein Blatt, das nur davon existirt, andere Menschen anzufeinden, zu verketzern und zu schmähen. Sie füllt damit aus Mangel an eigenen Producten und positiven Erzeugnissen ihre Spalten und zieht durch ihre Angriffe die ihr sonst ganz entgehende Aufmerksamkeit auf sich. Daß es ihr damit doch nicht gelungen ist, einen größeren Lesekreis zu erwerben, und ihre Abonnentenzahl sich auf einige Hundert beschränkt, hat sich bei den öffentlichen Verhandlungen ergeben und ist ein gutes Zeichen für den Geschmack der wiener Bevölkerung. Solchen Auswüchsen der Publicistik gegenüber ist das wirksamste Mittel, sie gänzlich zu ignoriren. Denn man entzieht ihnen dadurch ihre Lebensquelle, indem man ihnen die Aufmerksamkeit des größeren Publicums nicht verschafft, die ihr ganzes Ziel und Streben ist. Auch kommt hinzu, daß man doch allen ihren Blasphemien nicht antworten kann, theils weil wohl niemand diese widrige Arbeit übernehmen wird, theils weil das Publicum mit dieser fortdauernden Anfrischung von Abgeschmacktheiten schwerlich zufrieden sein würde. Antwortet man aber solchen Leuten auf diese oder jene Schmähung, so sind sie dreist genug, das Stillschweigen auf die anderen für ein Zugefländniß auszugeben. Die „Allg. Zeitg. des Judenthums" hat dieses Verfahren gegen diese „Kirchenzeitung" konsequent eingeschlagen und von ihr lange genug in fast jeder Nummer begeifert, antwortete sie ihr immer mit verachtendem Schweigen. Wir wissen nicht einmal, ob die „W. K." in den letzten Jahren unser Blatt aus den Augen verloren hat oder nicht; beide Fälle waren uns sehr gleichgiltig. Aber worauf es die „W. K." eigentlich abgesehen hat, Judenthum und Juden fortwährend mit ihren doch nur höchst plumpen Schmähungen zu besudeln, das hat sie niemals unterlassen, ja ihre Wuth gegen dieselben stieg mit ihrer Erfolglosigkeit. Wie unsere Correspondenzen in vor. Nummer gemeldet haben, hat endlich die Staatsanwaltschaft in Wien von einem Artikel der „W. K." Kenntniß genommen, in welchem jene aus dem Talmud die schimpflichsten Blasphemien auf Gott als Glau-

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