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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-29 · Heft 49 (29.11.1864) · p. Seite 758

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 49 (29.11.1864)
Date
1864-11-29
Page
Seite 758 (sequence 2)
Language
German
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758 nigfie die Religion und die Moral und betrachtet sie als unzertrennlich. Mögen die Philosophen die beiden unterscheiden, indem sie sie studiren; mögen sie in der menschlichen Natur das Princip oder die besonderen Principien der für sich selbst und von der Religion getrennt betrachteten Moral aufsuchen, es ist dies das Recht der Wissenschaft) aber es ist auch nur eine wissenschaftliche Arbeit, eine Zerschneidung der Seele, welche nur einen Theil ihrer Fähigkeiten in Betracht zieht, sie aber nicht in der Ganzheit und der Realität ihres Lebens faßt. Das ganze und lebende menschliche Wesen ist natürlich und auf einmal sittlich und religiös; nach dem moralischen Gesetze, welches es in sich selbst findet, bedarf es eines Urhebers und eines Richters; Gott ist für dasselbe die Quelle und der Bürge, das Alpha und das Omega der Moral. Möge der und der Methaphysiker an Gott vergessen, indem er das Sittengesetz auseinandersetzt; mag der und der Mensch die Moral anerkennen und achten, indem er der Religion fremd bleibt, das kann geschehen, das sieht man; der menschliche Geist kann sich mit einer so kleinen Dosis von Wahrheit begnügen! Der Mensch verkennt und verstümmelt so leicht sich selbst! Sein Gedanke ist so leicht unvollständig, inconsequent, verdunkelt oder irregeführt durch seine Leidenschaft und seine Freiheit! Aber sind dies nur Ausnahmezustände des Geistes, wissenschaftliche Abstractationen: die Menschen verfallen in dieselben nicht auf eine allgemeine und dauernde Weise; in dem natürlichen und praktischen Menschengeschlecht sind Religion und Moral nothwendig verbunden, und es ist dies eines der göttlichen Charakteristiken der zehn Gebote sowie eine der Ursachen ihrer nach so vielen Jahrhunderten andauernden Geltung, die innige Vereinigung beider verkündigt und zur Grundlage genommen zu haben." — Guizot fährt nach einem kurzen und sehr ungenügenden Blick auf die specielle Gesetzgebung fort: „Auch mitten durch alle. Eiuzelnheiten herrscht consequent der Begriff des einzigen und ewigen Gottes, des wahren Gottes vor. Bei jeder Gelegenheit erinnern die Gesetze Mosis an ihn und schärfen ihn dem hebräischen Volke ein. Nicht wie man an ein Princip, an eine Institution, an ein System erinnert, sondern wie man einen Regenten, den rechtmäßigen und lebendigen Regenten in Gegenwart derer voraussetzt, welche er regiert und die ihm Gehorsam und Treue schuldig sind. Moses spricht niemals in seinem eigenen Namen noch im Namen einer menschlichen Macht oder eines Theiles des hebräischen Volkes; es ist allein Gott, der spricht und befiehlt. Moses hinterbringt dem Volke seine Worte und seine Befehle und das Volk empfängt sie als solchem Nach Maßgabe, wie sich die Ereignisse entwickeln, ist das hebräische Volk weit entfernt, immer zu gehorchen. Es vergißt, verletzt oft diese Gesetze Gottes, welche es angenommen hat, und Gott bestraft es oder verzeiht ihm; aber es ist immer Gott allein, welcher handelt, von ihm allein geht alles aus; weder die Priester, welche den Ceremonien seines Cultus vorstehen, noch die Aeltesten Israels, welche er beruft, sich von ferne vor ihm zu beugen, noch Moses selbst, sein einziger und beständiger Dolmetscher, thun etwas durch sich selbst, verlangen etwas für sich selbst. Der Pentateuch ist die Geschichte und das Gemälde der unmittelbaren Regierung Gottes über das Volk Israel." „Unser Gesetzgeber, sagt der jüdische Geschichtsschreiber Äosephus, hat weder an Monarchien noch an Oligarchien noch an Demokratien noch an irgend eine jener politischen Formen gedacht; er hat vorgeschrieben, daß unsere Regierung sein solle, was man (wenn es erlaubt ist, sich eines etwas ausschreitenden Wortes zu bedienen) eine Theokratie nennen kann."*) Die bedeutenden Schriftsteller, welche in der jüngsten Zeit das mosaische Regime am gründlichsten studirt haben, die Herren Ewald in Deutschland, Milman und Arthur Stanley in England, Nikolas in Frankreich haben den Ausdruck des JosephusM angenommen, indem sie ihm seinen vollständigen und wahren Sinn gaben. „Der Ausdruck Theokratie, sagt Stanley, ist seit der Zeit Mosis oft angewendet worden, aber im Sinne einer Priesterherrschast, was genau der entgegengesetzte Sinn von dem ist, in welchem sein erster Urheber ihn verstand. Die Theokratie Mosis war keine Regierung durch Priester, die Königen gegenüberstanden. Es war die Regierung Gottes selbst, gegenübergeftellt der Regierung durch Priester oder durch Könige." — **) „Der Mosaismus, sagt Nikolas, ist eine Theokratie im eigentlichen Sinne des Wortes. Es würde ein völliger Jrrthum sein, wenn man dieses Wort in der Anwendung auf das mosaische System in dem Sinne verstände, welchen der Gebrauch ihm in unserer Sprache gegeben. Es handelt sich in der That hier nicht um eine von einer Priesterkaste geübte Regierung im Namen und unter der wirklichen oder vorgegebenen Inspiration Gottes. In der mosaischen Gesetzgebung sind die Priester durchaus nicht die Diener und Werkzeuge des göttlichen Willens; *) Josephus gegen Apion. II, 7. — **) Lectures on the Jewish Chronicle pag. 157.

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