Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 48 (22.11.1864)
- Date
- 1864-11-22
- Page
- Seite 752 (sequence 12)
- Language
- German
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752 in Preßburg in Ungarn geboren, 19 Jahre 'alt, den Aufenthalt in dieser Hauptstadt für das Studienjahr 1833—1834 bis zu Ende September 1834 zu gewähren, damit er den Cursus dieses Jahres der philosophischen Faeultät verfolgen kann, unter den gewöhnlichen Bedingungen" (d. h. für 3 Florins */* umsonst). Man bezeichnte diese Begünstigung unter dem Titel umsonst, weil man der Tape von 2 Florins oder 5 Francs alle 3 Tage enthoben war. Im andern Falle hätte man 50 Florins oder 125 Francs bezahlen müssen. Dieser hohe Beschluß wird dem Albert Cohn (immer ohne die Bes Zeichnung Herr, ein Titel, den man einem Juden nicht gab) mitgetheilt, mit dem Bemerken, daß dieser seine Zeit mit Fleiß der erwählten Wissenschaft widme, indem er jedes Gewerbe und jeden Handel vermeidet; daß er sich den bestehenden Gesetzen gemäß aussühre, daß er der Policei jeden Wohnungswechsel anzeige und am Ende des Studienjahres die Zeugnisse über die gemachten Fortschritte bringe, um entweder die Begünstigung, noch weiter sich aufzuhalten, um in seinen Studien fcrtzufahren, zu erbitten — und dann muß er ein Zeugniß von der Autorität seiner Geburtsstadl bringen, welches constatirt, daß er die Mittel zu leben für diese Zeit hat — oder um das Entlassungszeugniß aus dieser Hauptstadt sich zu fordern. — Von der kaiserlich-königlichen Oberpolicei- Direction. — Wien, 15. December 183.3. Rundner. — Adressirt an Albert Cohn, Zuhörer der philosophischen Faeultät, wohnend in der Stadt, Nr. 627." So behandelte man 1834 und noch fünfzehn Jahre später die zukünftigen Doctoren Wiens. Ungefähr zu derselben Zeit, am 10. Juni 1836, richteten die Abgesandten der Zöglinge des protestantischen Seminars, alles junge Leute von 22 bis 23 Jahren (ich war damals 21 Jahre alt), Joseph Chlimski aus Böhmen, Mathias Dorner aus Ungarn, Andreas Galle aus Ungarn, Daniel Gattschling aus Siebenbürgen, Michael Hoß aus Ungarn und Carl Schleining aus Ungarn — fast alle jetzt Superintendenten, d. h. protestantische Bischöfe in Ungarn, Böhmen oder Siebenbürgen — folgende Adresse an mich: „Sehr geehrter Lehrer! Wenn die Trennung von einer bekannten Persönlichkeit, welche wir zu lieben gelernt haben, uns peinlich ist, welch tiefe Bewegung muß uns bei der Trennung von einem Lehrer erfüllen, der so voller Liebe ist, der sich durch seine Verdienste eine unauslöschliche Erinnerung in unseren Herzen geschaffen hat! Solch einen würdigen Lehrer verehren wir in Ihnen, sehr geehrter Herr! Sie haben uns in das Heiligthum der hebräischen Sprache eingeführt; was wir durch dieses Studium gewonnen haben, das fühlen wir alle; und gerade dieses Gefühl bewegt unsere Seele, nimmt uns die Kraft, Ihr Verdienst an uns so zu beschreiben, wie wir es möchten; aber das bewegte Herz spricht in einfachen Worten, und wir wagen zu hoffen, daß Sie die Sprache unserer Herzen nicht zurückweisen werden, obgleich wir die Ueberzeugung haben, daß Sie die süßeste Belohnung schon in der That selbst gefunden haben. Genehmigen Sie also, sehr geehrter Lehrer, unsere aufrichtigste und tiefste Dankbarkeit für Ihre so reinen Absichten, für Ihren edlen Eifer, für Ihre so angestrengte Thätigkeit und seien Sie fest versichert, wir bitten Sie darum, daß wir nie auf dem Wege, auf den Sie uns so ruhmvoll geführt haben, stehen bleiben, sondern daß wir danach streben werden, immer vorwärts zu schreiten. Niemals werden wir die köstlichen Stunden vergessen, wahrend derer Sie uns die Kenntniß der ehrwürdigsten aller Sprachen verschafft haben. Wir werden Ihrer stets nur mit tief empfundener Dankbarkeit gedenken. Möge derjenige, dem wir alle angehören, auch entfernt von uns Sie auf allen Ihren Wegen beschützen; möge er alle Ihre Unternehmungen gelingen lassen und alle Ihre Schritte mit Erfolg krönen; möge er Sie noch recht lange zum Wohle der Menschheit leben und handeln lassen." Ich habe diese Schriftstücke, welche von so verschiedenem Geiste zeugen, aufbewahrt und nach einem so langen Zwischenräume erinnern sie mich noch vollkommen an die Charaktere sowohl der liebenswürdigen Bevölkerung Wiens als auch der traurigsten Gesetzgebung. Mein alter Lehrer, Herr Mannheimer, Prediger, welcher im vergangenen Jahre seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert hat, führte mich durch folgende Worte bei seinen Freunden im Auslande ein: „Herr Albert Cohn, in Preßburg geboren, hat sich seit mehreren Jahren hier in Wien mit theologischen Studien und orientalischen Sprachen mit vielem Eifer und Fleiß beschäftigt. Besonders um sich in den letzteren zu vervollkommnen, unternimmt jetzt Herr Cohn eine Reise in das Ausland. Ich erlaube mir die Bitte an alle Freunde der Wissenschaft und eines aufgeklärten Lebens in Israel zu richten, Hrn. Cohn die nöthigen Rathschläge zur Erreichung seines Zieles zu ertheilen, indem ich versichere, daß ich jeden Dienst, den man ihm leisten wird, wie mir geleistet an sehen werde; ich bin zu jeder Dankbarkeit und zu ähnlichen Diensten bereit." Dieser offene Brief ist von Freilag,