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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-22 · Heft 48 (22.11.1864) · p. Seite 749

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 48 (22.11.1864)
Date
1864-11-22
Page
Seite 749 (sequence 9)
Language
German
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749 Prüfung den glänzendsten Beweis. Dieselbe wurde eingeleitet durch eine willkommene Eröffnung des Hrn. Präses, Ernst Weh ly, daß der Vorstand, zu welchem natürlich der Herr Präses selbst gehört, an Hrn. Professor Dr. Kämpf das Gesuch gestellt habe, er möge den Candidaten Vorträge über Exegese und Homiletik halten, welchem Ansuchen Herr Pros. Kämpf bereitwilligst gewillfahrtet. Hierauf begann unter dem Vorsitze des Rabbiners Herrn Jehuda Teweles, in dessen Hände der Talmudunterricht gelegt ist, des Rabbiners Herrn Samuel Freund — zweier gewiegten Talmudisten — und des Professors Herrn Rabbiner Dr. Kämpf (der greise Rappoport war leider unwohl) der Vortrag von seiten der Talmudjünger über die ihnen gestellten Fragen aus dem Tractate Kethuboth. Die Antworten waren zumeist klar, deutlich und umfassend, mit Rücksichtnahme auf die Poskim. — Unter den Ungeladenen Gästen, von denen der größte Theil aus Talmudkundigen bestand — und es gibt deren in Prag nicht wenige — befanden sich auch die Herren Professor Wessely, Rabbiner Dr. Stein und Hübsch, die ehemaligen Herren Rabbiner Dr. Adler und Buchhändler Ehrmann wie auch einige angesehene Kaufleute, was uns freudig überraschte. Bon allen Seiten sprach man sich mit großer Befriedigung über den Erfolg aus. So haben wir denn durch das Zusammenwirken verdienstvoller Männer die Sache, wenn auch der Name noch fehlt. Ohne ein eigentliches öffentliches Seminar, in welchem die zukünftigen Rabbiner doch nur schablonenmäßig gebildet werden, zu besitzen, fehlt es hier dem strebsamen Jüngling durchaus nicht an Gelegenheit, sich auf den verschiedenen Gebieten des profanen Wissens sowohl als auch auf dem Felde des theologischen Studiums gründlich unterrichten zu lassen. Prag besitzt mehrere Gymnasien, eine Universität, reichhaltige Bibliotheken, viele Talmudkenner, unter welchen der obenerwähnte Rabbi Jehuda Teweles unstreitig einen hohen Platz einnimmt — und da nun auch Hr. Prof. Kämpf seine Zusage, Vorträge über Exegese und Homiletik zu halten, gegeben, so ist der theologischen Ausbildung nach allen Seiten hin völlig Rechnung getragen. Wer an den verflossenen Feiertagen Gelegenheit hatte, die geist- und schwungvollen Reben des Predigers Dr. Kämpf zu hören, wie er in richtiger Erkenntniß dessen, was unserer Zeit noth thut, keineswegs hinter derselben zurückbleibt, sondern die Principien eines gemäßigten Fortschrittes verficht und seine Zuhörer für einen Fortschritt auf geschichtlichem Boden und mit der Thora in der Hand auch einzunehmen und zu begeistern versteht, dem kann es auch nicht mehr zweifelhaft sein, daß der Unterricht nach dieser Seite hin für zukünftige zeitgemäße Prediger in keines Geschickteren Händen sich befinden kann. — Hoffen wir, daß aus diesem Institute Männer hervorgehen werden, welche nicht blos mit der Kenntniß der talmudisch-rabbinischen und biblisch-exegetischen Literatur ausgerüstet sind, sondern auch mit dem lebendigen Wort auf der Kanzel segensreich wirken werden. Wim, 8. November. (Privatmitth.) Wiederum hat die jüdische Wissenschaft einen ihrer fleißigsten und gediegensten Arbeiter verloren. Professor S. Pinsker ist laut hier angelangter Briefe in Odessa am 29sten Octobcr (rnaa-a nae) gestorben. P. war um den Anfang dieses Jahrhunderts in Galizien geboren, lehrte durch mehrere Jahre auf einer kais. russischen Hochschule in Odessa orientalische Sprachen und Literatur und wurde auch von der Regierung mit Medaillen und Anerkennungsschreiben zu wiederholten Malen ausgezeichnet. Vor etwa 8 Jahren zog er sich von seinem Berufe zurück und lebte in Wien ganz seinen Studien. Die Resultate derselben hat er in seinen Werken „Zur Geschichte des Karäismus" (nrr-mp •’üipb), Wien, 1860, und „Einleitung in das babylonisch-hebräische Punktationssystem" ('iai &naa), Wien, 1863, aufs glänzendste widerlegt. Leider hat ihn zu früh der Tod ereilt und es war ihm nicht gegönnt, die in der Vorrede zum letzten Werke versprochene weit ausführlichere Arbeit ans Licht zu fördern. Er hinterließ zwei durch Intelligenz und hohe Stellung gleich ausgezeichnete Söhne in Odessa; mögen sie dafür Sorge tragen, daß die zurückgebliebenen Manuscripte in die rechten Hände gelangen, um dann durch ihre Veröffentlichung einen num a^nn as ivn auszuüben! Wim, 10. November. (Pr.) Vor einiger Zeit brachte die Kirchen-Zeitung aus der Feder des bekannten Herrn v. Pawlikowski Stellen aus dem Talmud, deren Fassung derart war, daß die Staatsanwaltschaft erkannte, der Redacteur der Kirchen-Zeitung sei wegen des Vergehens der Beleidigung einer anerkannten Religions-Genossenschaft in den Anklagestand zu versetzen. Die Wiener-Zeitung brachte dann später die Nachricht, daß die Staatsanwaltschaft „Studien über den Talmud" 48

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