Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 48 (22.11.1864)
- Date
- 1864-11-22
- Page
- Seite 748 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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748 f ott seine 25jährige ärztliche Wirksamkeit. Die Theilnahme war allgemein und eine wahrhaft glänzende. Christliche Geistliche, Lehrer, Kreisbeamte, Freunde und dankbare Clienten aus allen Classen der Bevölkerung brachten ihre Glückwünsche dar und bekundeten ihre Liebe und Achtung durch Andenken und Geschenke. Hrn. vr. L es so n's Verdienste beschränken sich nicht auf seine Praxis, auch nicht auf die, welche er sich als Stadtverordneter erworben hat, sondern erstrecken sich auch auf seine segensreiche Einwirkung auf die synagogalen und Schul-Angelegenheiten der hiesigen Gemeinde, für welche er stets thätig ist. Der Lehrer Burg he im hob dies in einer würdigen Ansprache bei Ueberreichung eines schönen Pokals dankbar hervor. — Friedeberg (Neumark), 7. November. (Privatmitth.) Findet sich auch außer Ihrem gesch. Correspondenten in Frankfurt a/O. keine rührige Feder in der Neumark, die über die hierländischen Gemeindezustände hin und wieder kleine Referate brächte, so dürfte es doch dem Unterzeichneten, der den Lesern Ihres weitverbreiteten Organs aus seinem Wirken an der Strafanstalt zu Insterburg wohl bekannt ist — gestattet sein, aus seinem neuen Wirkungskreise, soweit er seit seiner ^/«jährigen Amtirung informirt, zu berichten. — Die hiesige Gemeinde — nach den Epitaphien des jüdischen Friedhofes urthcilend, kann wohl schon einige 100 Jahre existiren. Im 16. Jahrhundert sollen die hier wohnenden jüdischen Insassen, das Schicksal vieler ihrer Brüder theilend, ausgewiesen worden sein. Man will aus dieser Zeit wissen, daß Hierselbst große Rabbinen mit einer vollständigen jüdischen Akademie — waren. Der jetzige Gemeinde-Verband zählt mit den ländlichen Bewohnern — 70 Familien. Die Gemeinde- Angelegenheiten selbst, von drei Vorstehern und neun Repräsentanten — durch thätige, umsichtige Organe geleitet — erfreuen sich der schönsten Entwickelung. — Zu ihren Instituten gehören: 1) die Religionsschule, vom 1. April c. neu organisirr, durch Anschaffung tüchtiger Lehrmittel, durch Einführung eines systematischen Lectionsplanes, macht, nach competenten Urthcilen — gute Progressen. Auch wurde eine Schulbibliothek durch monatliche Groschen- Sammlung der Zöglinge gegründet. 2) Die RiD'ip'n, Beerdigungs-Verein, mit 2 Vorstehern an der Spitze, dürfte seiner zweckmäßigen Organisation wegen als Muster — zur Nachahmung zu empfehlen sein. Im Schoße der Gemeinde selbst regt sich ein frischer Geist für die religiösen Interessen des Judenthums. Ihre gesch. Journale werden hier in zwei Exemplaren gelesen. — Unser israel. Literatur-Institut, das man seit einem zehnjährigen Bestehen kaum dem Namen nach kannte, zählt schon zu Anfang zehn Abonnenten. Daß auch Intelligenz hier ist, dafür spricht, daß der Vorsitzende der Gemeinde, Herr LabuS, ein wegen seiner Popularität sehr beliebter Mann, Rathsherr der Commune ist und dem die städtische Oekonomie obliegt. — An ihn reihen in ehrenhafter Weise die beiden jüdischen Aerzte sich an. Auch die Stadtverordneten- Dersammlung zahlt in ihrer Körperschaft zwei jüdische Mitglieder, sehr gediegene Männer, die Herren Jaeobus und Wolffenstein. Daß demnach, zur Steuer der Wahrheit, die Gemeinde hierorts nicht aus solchen heterogenen Elementen besteht, wie jenes Pamphlet in Nr. 50 d. Z. d. I. vom vorigen Jahre, sich ausspricht — ist aus Obigem zu ersehen. Kuttner. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 3. November. (Privatmitth.) Die Vertreter der hiesigen israel. Cultusgemeinde haben neuerdings gezeigt, mit wie warmem Interesse und mit welchem Eifer sie das einmal sich gesteckte Ziel, den Ruf Prags, den es von Alters her als Pflanzstätte des Talmudstudiums genoß, nicht verklingen zu lassen, verfolgen. Nachdem hier schon vor einigen Jahren eine Talmud-Thora-Schule gegründet worden war, wurde dieselbe im verflossenen Jahre noch um eine Classe, welche den Namen höhere „Talmud-Thora-Schule" führt, erweitert. Hierdurch ist nun dem Jünger der jüdischen Theologie die Gelegenheit geboten, das Studium des Talmuds gründlich und mit Erfolg betreiben zu können, ohne daß durch diesen Unterricht seine Zeit in solchem Maße in Anspruch genommen ist, daß er nicht auch, wie dies leider in den Jeschiboth zumeist nicht der Fall ist, hinreichend Zeit für seine profane wissenschaftliche Ausbildung zu erübrigen im Stande wäre. Von dem Gedeihen dieser Anstalt und von den gemachten Fortschritten der diese Anstalt besuchenden Hörer gab eine am 30. v. M. abgehalteue öffentliche