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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-22 · Heft 48 (22.11.1864) · p. Seite 744

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 48 (22.11.1864)
Date
1864-11-22
Page
Seite 744 (sequence 4)
Language
German
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744 die Juden und die Araber, für die Muselmänner wie für die Juden und die Christen ist Gott der Gott Abrahams; Abraham ist der Freund Gottes, der Vater und Fürst der Gläubigen; diese Namen gibt ihm das Evangelium und der Koran feiert ihn also. Der Ewige, der einzige und unveränderliche'Gott ist der Gott Abrahams. Abraham ist der Diener und Anbeter des wahren Gottes." — Das zweite Capilel ist überschrieben: „Gott und Moses." Der große Gegenstand, der hiermit üngedeutet ist, findet sich nun freilich bei dem Verf. durchaus nicht erschöpft, ja nicht einmal genügend behandelt. Wie der durch Abraham begründete Gottesbegriff durch die Lehre Mosis erweitert und erfüllt worden, zeichnet Guizot in keinerlei Weise.*) Dahingegen macht er so viele treffliche Beobachtungen und körnige Bemerkungen, daß wir ihm dafür wahrhaft dankbar sein müssen. Wir übergehen hier wieder seine Schilderungen der Knechtschaft Israels und der Lebensereignisse Mosis, wo er hervorhebt, wie Moses so viele Verlockungen gehabt, Aegypter zu werden, sie aber alle zurückgewiesen, und heben nur die vorzüglichsten seiner Reflexionen hervor. Er bemerkt hier: „Das westliche Asien und seine Geschichte sind erfüllt vom Namen Moses. Juden, Christen und Mohammedaner nennen ihn den ersten Propheten, den großen Gesetzgeber, den großen Gotteslehrer; überall auf dem Schauplatz der Begebenheiten bewahren die Oertlichkeiten sein Gedächtniß; der Reisende begegnet hier dem Brunnen Mosis, dem Hohlwege Mosis, dem Berge Mosis, dem Thale Mosis. Die größten Heiligen wurden mit dem Beinamen Moses geehrt. Was hat Moses gethan, um einen so hohen und dauernden Ruhm zu erlangen? Er hat keine Schlachten gewonnen, keine Länder erobert, keine Städte gegründet, keine Staaten beherrscht, er war nicht einmal ein beredter Redner. In dieser ganzen Geschichte gibt es keine große menschliche Handlung, kein großes Ereigniß, welches die That eines Menschen gewesen; alles ist die That Gottes und Moses ist bei jeder Gelegenheit nur der Dolmetscher und das Werkzeug *) Den Nachweis, wie die Lehre von Gott in den Büchern der heiligen Schrift fortschreitend erweitert und vollendet worden, haben wir ausführlich in der ersten Auflage unseres „Predigt- und Schulmagazins" Bd. II, S. 292 ff., Bd. III, S. 180 ff. und dann in der „Allgemeinen Einleitung zur heiligen Schrift" S. XXIV ff. in unserem großen Bibelwerke gegeben. Die Redaetion. Gottes; dieser Mission hat er seine Seele und sein Leben geweiht,'und nur in dieser Eigenschaft allein ist er mächtig und trägt als Mensch zu einem unendlich größeren und dauerhafteren Werke bei, als das Werk aller Helden und aller Herrscher der Welt. Ich kenne kein merkwürdigeres Schauspiel als das des unerschütterlichen Glaubens und der unerschöpflichen Energie des Moses in der Verfolgung dieses Werkes, welches eigentlich nicht das seinige ist und in welchem er ausführt, was er nicht selbst erdacht, mehr gehorcht als befiehlt."*) — Guizot geht nun auf die Gesetzgebung am Sinai über und schildert die Localität. Hieran knüpft er Betrachtungen, die uns um so angenehmer sind, als sie, wir möchten sagen bisweilen wörtlich mit dem übereinstimmen, was wir in diesem Blatte und an anderen Orten oft ausgesprochen, namentlich über die Identität der Religion und Moral, über die mosaische Theokratie, die Stellung der Priesterschaft u. s. w. Allerdings ist Guizot sehr schwach in dem Verständniß der ganzen speciellen Gesetzgebung, aber desto klarer sind seine allgemeinen Blicke und Ansichten, die wir daher nach ihren? ganzen Umfange wiedergeben wollen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Baden, im November. (Privatmitth.) Eine der jüngsten Nummern dieser geschätz. Blätter brachte eine kurze Notiz über unseren hierländischen Schulstreit, der jedem, welcher mit der neuesten Gesetzgebung auf diesem Gebiete nicht vertraut ist, kaum verständlich sein dürfte. Und doch sind diese Gesetze, die in anderen, namentlich katholischen Kreisen, weit über die badische Grenze hinaus so heftige Opposition hervorriefen, für uns von nicht geringem Interesse. Mit ihnen erst ist der letzte Rest von Ungleichheit aus confessionellen Gründen aus unserm Gesetzbuchs völlig geschwunden. Die Verwaltung der Volksschule in oberster Instanz *) Man wird eingestehen, daß die Auffassung und das Verständniß des Charakters und der Thaten unseres großen Lehrers Moses doch bedeutende Fortschritte gemacht, wenn man z. B. einen vergleichenden Blick auf die „Sendung Moses" von Schiller wirst.

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