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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-22 · Heft 48 (22.11.1864) · p. Seite 743

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 48 (22.11.1864)
Date
1864-11-22
Page
Seite 743 (sequence 3)
Language
German
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743 aber ich bin ihnen nicht bekannt geworden durch meinen Namen, der Ewige"" (2 Mos. 6, 2.). Der Ewige ist zugleich der wahre Gott und der nationale Gott Israels." „Die Geschichte der Hebräer ist nicht weniger bezeichnend und nicht weniger wahr als ihre Sprache: sie ist die Geschichte der Beziehungen des einzigen und unveränderlichen Gottes zn dem Volke, welches er erwählt hat, um der besondere Vertreter des religiösen Princips und die wiederbelebende Quelle (la source r6g<$n<$ratrice) des religiösen Lebens im Menschengeschlechte zu sein. Dieses Volk durchschreitet die gewöhnlichen Schicksale und Prüfungen der anderen Völker; es verlangt oder erträgt verschiedene Regierungen; es verfallt in die den Nationen gemeinsamen Jrrthümer und Fehler; es unterliegt häufig den Versuchungen des Götzenthums; es hat wie die anderen seine Tage der Tugend und des Lasters, des Glückes und des Mißgeschickes, des Ruhmes und der Erniedrigung. Mitten durch alle Wechsel und Verirrungen des Volkes der Bibel bleibt der Gott der Bibel unveränderlich derselbe, ohne jeden Anstrich von Anthropomorphismus, ohne jede Veränderung in der Idee, welche sich die Hebräer von seiner Natur machen, ob sie seinen Befehlen treu oder untreu seien. Es ist immer der Gott, der gesagt hat: „„Ich bin. der ich bin"", welchem sein Volk keine andere Erklärung über sich selbst abfordert und welcher, immer gegenwärtig und Herr, die Absichten seiner Vorsehung hinsichtlich der Menschen verfolgt, welche die Freiheit, die er ihnen bei ihrer Schöpfung gegeben, gebrauchen und mißbrauchen." — Dies die Einleitung zu dem gedachten Abschnitt. Bleiben wir hierbei noch einen Augenblick stehen. Es sind keine neuen Entdeckungen, keine großartigen, bis jetzt verborgenen Ansichten, die uns Guizot bringt. Aber was er sagt, ist zutreffend, klar und energisch. In der großen Verwirrung, welche gegenwärtig durch unbewußte und durch erkünstelte Operationen in die Auffassungen der h. Schrift gebracht worden ist, thut es uns wohl, die einfache Wahrheit mit einfachen Worten hervorgehoben zu sehen. Aber es findet hier noch ein anderer Gesichtspunkt statt. Niemand kann die Wichtigkeit der Meinungen gelehrter Forscher mehr würdigen als wir; aber wir legen doch dem Umstande, daß ein in den Staatsgeschäften ergrauter Politiker, welcher die höchste Stellung eingenommen hat, ein trefflicher Geschichtsforscher und berühmter Geschichtschreiber eine so hohe Meinung von der in der h. Schrift enthaltenen Wahrheit und der weltgeschichtlichen Mission des jüdischen Volkes ausspricht, keine geringere Bedeutung bei. Ein Mann, der durch die Fluch der geschichtlichen Ereignisse gesteuert ist, auf welchen der Sturm der politischen Parteien und der Wirbelwind der diplomatischen Jntriguen sich so oft entladen haben, gelangt zuletzt in dem Hafen philosophischer Beschaulichkeit an und ruft daselbst aus: „Nur der Ewige ist Gott und Israel der Verkünder seiner Lehre!" Solches Bekenntniß muß uns ein Gut von hohem Werthe sein. Es ist ein reines und nicht unerhebliches Zeugniß, daß das unumwundene Verständmß der Lehre und de§ Berufes Israels immer größere Fortschritte macht, daß sich der Nebel, welcher diese verhüllte, immer mehr lichtet und es uns nicht beirren darf, wenn auch selbst in solchen Geistern das ganze Licht und die volle Klarheit noch nicht aufgegangen. Das erste Capitel heißt nun: „Gott und Abraham." Der Verfasser verfolgt zunächst die Lebensgeschichte Abrahams, wie die Bibel sie uns erzählt, besonders aus dem Gesichtspunkte, daß Abraham sich überall, wohin ihn., seine Pilgerschaft führte, in Aegypten wie in allen Orten Kanaans als Fremder betrachtete, mitten unter den fremden Stämmen auf Gott vertrauend und Gott gehorchend. Er fügt dann hinzu: „In unseren Tagen, im Schoße unserer christlichen Civilisatiou, sind der Gehorsam gegen Gott und das Vertrauen auf Gott die ersten christlichen Vorschriften, die ersten christlichen Tugenden. Es sind dies die Tugenden Abrahams und die Vorschriften der Geschichte Abrahams in der Bibel. Und der Gott Abrahams, der Gott der Bibel ist derselbe, welchen jetzt die Christen anbeten, derselbe, welchen jetzt die Philosophen, die an Gott glauben, verstehen, das absolute und vollkommene Sein, das Sein an sich, der Ewige, ohne Möglichkeit und ohne Versuch, ihn anders zu desiniren. Tausende von Jahren haben nichts verändert an dem biblischen Begriff von Gott in der Seele des Menschen noch an den wesentlichen Gesetzen des Verhältnisses des Menschen zu Gott." „Die historische Ueberlieferung bestätigt vollkommen die moralische Thatsache, welche ich signalisire. Abraham ist der Gegenstand keiner mystischen Auffassung gewesen, keiner mythologischen Umgestaltung; er ist in keiner Weise zu einer übermenschlichen Persönlichkeit, zu einem Halbgotte oder Gottessohn erhoben worden; er ist das Muster des religiösen Glaubens und der religiösen Ergebung geblieben, das Vorbild des frommen Menschen im innigen Verhältniß zu Gott. Im ganzen Alterthum und im ganzen Orient für die ersten Christen wie für 48*

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