Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-22 · Heft 48 (22.11.1864) · p. Seite 742

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 48 (22.11.1864)
Date
1864-11-22
Page
Seite 742 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226467--22605-3259887
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

742 Gesetz es gelebt hat, das große Monument der Religion, in deren Schoße die christliche entstanden ist. Es ist der Gott, des wahren und ganzen Charakter ich suchen will, und zwar in der Bibel allein." „Man ehrt die Völker der semitischen Race wegen ihres primitiven und ausdauernden Glaubens an die Einheit Gottes. Unter sehr verschiedenen Formen und durch die mannigfaltigsten geschichtlichen Verhältnisse hindurch waren alle Völker Polytheisten; die Semiten allein haben unerschütterlich an den einzigen Gott geglaubt. Man schreibt diese große moralische Thatsache verschiedenen und vielfältigen Ursachen zu, aber die Thatsache selbst wird allgemein anerkannt und zugestanden!" „In zwiefachem Sinne liegt in diesem Ausspruche eine Uebertreibung. Von der einen Seite sind unter den Nationen der semitischen Race mehrere Polytheisten gewesen; die Abkömmlinge Abrahams, die Hebräer und die ismaelitischen Araber*) sind allein wahrhaft Monotheisten geblieben. Von der andern Seite war die Idee der Einheit Gottes auch den polytheistischen Völkern nicht völlig fremd; die Mehrzahl, wie die Hindus und die Griechen, nahmen eine einzige und ursprüngliche Macht an, die früher und erhabener als ihre Götter gewesen. Eine vage und ferne Jvee, entsprungen aus dem menschlichen Jnstinct oder der philosophischen Reflexion und die bei diesen Völkern weder die Basis einer wirklichen Religion noch ein wirksames Hinderniß für die Götzendienerei war. Der Gott der Bibel ist keine solche unfruchtbare Abstraction; er ist der einzige Gott in der Gegenwart wie beim Ursprung der Dinge, der wirkliche lebendige und thatige Gott, der dem Geschicke der Welt, die er geschaffen, vorsteht." „Er hat noch einen anderen, wohl noch frappanteren Charakter, der ihm noch ausschließlicher als der der Einheit angehört. Die Götter der polytheistischen Völker haben alle eine Geschichte voller Begebenheiten, Abwechselungen, Umgestaltungen, Abenteuer. Die Mythologie der Hindus, der Aegyprer, der Griechen, der Skandinavier und so vieler anderer Nationen ist nur die poetische oder symbolische Erzählung des wechselvollen und *) Was hier Guizot von den „ismaelitischen Arabern" sagt, ist eine jetzt beliebte Hypothese, um zu Gunsten der „semitischen Race" den „Hebräern" das Verdienst zu schmälern. Die Religion aller arabischen Stämme vor Mohammed war der Sabäisrnus, der Gestirndienst, den Mohammed überwand. Die Redaction. bewegten Lebens ihrer Götter. Man erkennt in diesen Erzählungen bald die Personificirung der nach ihren . Erscheinungen in die Scene tretenden Kräfte der Natur, bald die Erinnerungen an menschliche Persönlichkeiten, welche die Einbildungskraft der Völker in Erstaunen gesetzt hatten. Aber welchen Ursprung und Namen sie auch gehabt, jeder dieser Götter hat seine eigenthümliche Geschichte, mehr oder weniger angefüllt mit Ereignissen und Thalen, bald historischer bald unsittlicher Art. Alle polytheistischen Religionen sind Sammlungen göttlicher Biographien, die, überliefert oder allegorisch oder ganz und gar fabelhaft, die Schicksale und Leidenschaften, die Handlungen und Träume der Menschen unter den Gestalten und Namen der Götter reproduciren." „Der Gott der Bibel hat keine Biographie, keine persönlichen Abenteuer; nichts begegnet ihm und nichts ändert sich in ihm; er ist immer und unveränderlich derselbe, ein wahrhaftes und wirkliches Wesen, gänzlich verschieden von der endlichen Welt und vom Menschenthum, identisch und unbeweglich, mitten in der allgemeinen Verschiedenheit und Bewegung. „„Ich bin, der ich bin"", dies ist die einzige Definition, die er selbst von sich selbst gibt, und der beständige Ausdruck dessen, was er im ganzen Verlause der Geschichte der Hebräer ist, der er beiwohnt und vorsteht, ohne jemals von ihr irgend einen Reflex zu erhalten. Dies ist der Gott der Bibel in offenbarem und bleibendem Gegensatz zu allen Göttern des Polytheismus, noch unterschiedener und einziger durch seine Natur als durch seine Einheit." „Dies ist so sehr der eigenthümliche und wesentliche Charakter des Gottes der Bibel, daß dieser Charakter in die Sprache der Hebräer übergegangen und hier der Name Gottes selbst geworden ist. Mehrere Worte werden in der Bibel augewendet, um Gott zu benennen. Das eine El, Eloah, Elohim drückt die Kraft, die schöpferische Macht aus und wird ebenso zur Bezeichnung der vielfältigen Götter des Heidenthums wie des einzigen Gottes der Hebräer gebraucht. El Schaddai überträgt sich durch der Allmächtige. Adonai bezeichnet den Herrn. Das Wort Jahwe oder Jehwe, in der hebräischen Aussprache Jcliovah, will einfach sagen „Cr ist", und bezeichnet das Sein an sich, das absolute und ewige Sein. Dieser Name findet sich in keiner anderen semitischen Sprache wieder und erst in der Epoche von Moses erscheint er zum erstenmale bei den Hebräern. „„Ich bin der Ewige, sagt Gott zu Moses, ich bin erschienen als allmächtiger Gott dem Abraham, Isaak und Jakob,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.