Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1864)
- Date
- 1864-11-15
- Page
- Seite 733 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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733 Interessen. Die Geister der Verneinung sind daher zu zahlreich, als daß einige Männer im Stande sein sollten, die Hindernisse zu überwinden. Nur gemeinsames Streben kann zum Ziele führen. Theoretisch ist die Frage längst entschieden — es gilt nun, die Theorie in Praxis zu verwandeln. Wir werden über den weitern Gang'der obschwebenden Frage in diesen Blättern treu berichten. — Italien. Aus Dberitalien, 28. October. (Privatmilth.) Von einer kleinen Rundreise zurückgekehrt, die ich in den letzten Wochen unternommen, kann ich nicht umhin, Ihnen das wehmüthige Gefühl zu äußern, welches der Besuch einiger Gemeinden Mittelitaliens in mir erregte. Tief sind gewiß die Wunden, welche die frühere politische und bürgerliche Zurücksetzung dem wehrlosen Israel geschlagen hatte. Der äußere Anblick der Ghetti und der ärmeren Bewohner derselben, die aus leicht zu errathenden Gründen noch immer an dasselbe gekettet sind, geben hiervon nur allzu redende Beweise. Uebrigens ist die Befreiung von jenen drückenden Verhältnissen zu rasch vor sich gegangen uud die seither verstrichene Zeit zu kurz, um derartige Spuren der gekränkten Menschheit auch nur gewissermaßen zu verdecken. Jedoch was eigene innere Wirksamkeit uicht leistet, wird wohl auf äußere Veranlassung geschehen. Sowie man davon spricht, das große ungeheure Jnselgebäude niederzureißen, welches den Israeliten Turins Jahrhunderte lang bis zu unseren Tagen Obdach und Heimath gewährte, ebenso soll dem Vernehmen nach das anachronistische, mit der sonstigen Schönheit von Florenz sehr contrastireude Ghetto den Bergrößerungsbedürfnissen der neuen Hauptstadt Italiens weichen müssen. Die Gemeinde dieser Stadt, welche zwei nicht genügende Shnagogen besitzt, ist eben daran, ein schönes, den neuen Verhältnissen entsprechendes Gotteshaus zu errichten. Livorno besitzt einen würdigen Tempel und sehr wohleingerichtete israelitische Schulanstalten für Knaben und Mädchen. Dahin flüchtete sich die so hart betroffene Familie des in Rom gewaltsam entführten Knaben Coeu und es hat sich daselbst ein Comitö zur Unterstützung dieser in Jammer und Elend gestürzten Familie gebildet; es werden Sammlungen hierzu in allen Gemeinden Italiens angesprochen. Die in Turin ihren Sitz habende Commission des Congresses zu Ferrara hat vor mehreren Wochen an sämmtliche Gemeinden des Königreiches ein Rundschreiben erlassen, worin die wenigen noch fehlenden Gemeinden mit warmen Worten zum Anschlüsse an die gemeinschaftliche Familie aufgefordert werden. Es wird zugleich die Ernennung einer Commission zur Veröffentlichung von israelitischen Erziehungsschriften angezeigt, die von den Rabbinern Olper (Turin), Leonhamosegh (Livorno), den Herrn S. Malvano, Ritter vr. P. Padoa und einem der Directoren des Educatore Israelita besteht. Ferner wird kundgegeben, daß der israelit. Verwaltungsrath von Livorno die Uebermachung der fürs heilige Land bestimmten Unterstützungsgelder übernommen hat. Unterdessen mögen die Gemeinden die betreffenden Gelder nach Livorno senden, während die Congreß-Commission der betreffenden Gemeinden des heil. Landes den Beschluß des Congresses mittheilen wird. Hieran reiht sich eine warme Fürbitte, daß von dieser Maßregel den unterstützten Gemeinden kein Schaden erwachse. Es wird dann der Wunsch des Congresses ans Herz gelegt, blos an tüchtigen Anstalten gebildete Rabbiner anzustellen. Es wird ferner der Betrag angegeben, tvclchen jede Gemeinde zu den Ausgaben des Congresses beizusteuern hat. Den Schluß bildet die Aufforderung zur Ertheilung von Vorschlägen zu etwaigen Aenderungen des in Kraft bestehenden Gemeindegesetzes. Endlich werden die Stimmen der Gemeinde rücksichtlich der Verwandtschaftsgrade bei Verehelichungen abgeforvert. Es mögen dann die Rabbiner zur Abfassung einer bei Ehescheidungen festzuhaltenden Procedur veranlaßt werden, wozu übrigens die im österreichischen Gesetzbuche vorgeschriebenen noch jetzt im Lombardischen giltigen Verfügungen in dieser Beziehung als Grundlage der betreffenden Vorschläge empfohlen werden. Dona u f ü r st ent h ü m e r. Bukarest, 22. Ortober. Die Vertreter mehrerer Mächte haben bei der hiesigen Regierung Vorstellungen gegen den Passus des neuen Gesetzes gemacht, welcher alle Mchtchrisreu von dem Erwerb von Immobilien in den Donausürstenthümern auöschließt. Dieselben verlangten auch in dieser Beziehung die Rcciprocität und die Regierung des Fürsten Kusa ist geneigt, diesem Verlangen nachzugeben. In kurzer Zeit 47