Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1864)
- Date
- 1864-11-15
- Page
- Seite 732 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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732 Thatsache in dem genannten Blatte mit der Frage: Was wird wohl unsere Regierung dazu sagen? Wie wir aus sicherer Quelle hören, ist nun nach Verlauf von 2—3 Monaten eine Anfrage von der königl. Regierung an den Magistrat ergangen, ob man sich in Elbing bei der Wahl von Schulvorstehern wirklich über alle confessionellen Unterschiede hinwegsetze? Der Magistrat wird natürlich mit Hinweisung auf §. 59 der Städteordnung (nach welchem die Wahl von Deputationen zur Beaufsichtigung einzelner kommunaler Geschäftszweige nicht zum Ressort der Regierung gehört) und auf das Reglement für die Vorsteher der höheren Töchterschule antworten. Was mag die königl. Regierung zu Danzig wohl dazu sagen, daß z. B. in Schneidemühl der jüdische Arzt I)i\ Davidsohn nicht nur Schulvorsteher, sondern technisches Mitglied der Stadtschuldeputatiou ist, ohne daß die königl. Regierung zu Posen, an der bekanntlich doch Hr. v. Seltzer fungirt, vom confessionellen Standpunkt irgend etwas dagegen zu erinnern gefunden hat? Wie mag es ihr erscheinen, daß die danziger Stadtverordneten-Versammlung den Commerzienrath Goldschmidt zum Vertreter der Stadt beim Provinzial-Landtag gewählt und daß der Oberpräsident die Wahl durch Einberufung dieses Ehrenmannes sanctionirt hat? Und doch hätte sie in dem letzten Falle für eine Anfrage einen scheinbar gesetzlichen Grund!" Eins geht auch aus Obigem unzweifelhaft hervor, daß nämlich im Volke selbst bis zur höchsten Schicht der bürgerlichen Welt die Vorurtheile gegen die Juden, namentlich hinsichtlich ihrer Verwendung zu öffentlichen Aemtern und Würden gänzlich gewichen sind und daß man im Volke sich von der richtigen Ansicht leiten läßt, die angemessenen vorhandenen Kräfte für den öffentlichen Dienst da zu nehmen, wo man sie findet, und sich nicht von confessionellen Rücksichten bestimmen läßt, der Gesellschaft gute Kräfte zu entziehen, deren ja überall nicht zu viel sich vorfinden. Als ein Beitrag zu den obwaltenden Verhältnissen war daher auch hier der Bericht aus Ro send erg in Ihrer Zeitung sehr willkommen und wurde von den hiesigen Zeitungen reproducirt. Auf die Entscheidung der Regierung ist man natürlich sehr gespannt. —. Das ministerielle „Centralblatt" macht unter den „Personalveränderungen" bekannt: „Das ordentliche Mitglied der Akademie, Herr l)r. Pringsheim, hat am 1. Juli Berlin verlassen, um als Professor der Botanik und Director des botanischen Gartens an die Universität in Jena überzusiedeln. Bon da ab ist Herr Pringsheim in die Rechte eines Ehrenmitgliedes der Akademie eingetreten." Posen, 3. November. Die hiesige Zeitung enthält einen Bericht über eine in Paris gegründete Stiftung zur „Katholisirung Polens", die auch den hiesigen Erzbischof zur Theilnahme und Förderung aufgefordert hat. In der Stiftungsacte wird als der Zweck der Anstalt aufgestellt: Die 20 Millionen, welche die ehemals polnischen Länder bewohnen, zu katholisiren. Die Gründer der Stiftung scheinen nicht zu wissen, daß von den 20 Millionen Einwohnern, von denen die ehemals polnischen Landestheile gegenwärtig bewohnt sind, nur höchstens l'k Mill. der polnischen Nationalität und dem römisch-katholischen Bekenntniß angehören, denn sonst würden sie vor der ungeheueren Größe der Aufgabe, die übrigen 12'/2 Millionen orthodoxe Griechen, Evangelische und Juden zur römisch-katholischen Kirche zu bekehren, zurückschrecken. (Vielleicht gedenkt der Stifter, Kanonikus v. Segur in Paris, die Felicianerinnen in Warschau zu benutzen.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im November. (Privatmitth.) Nicht blos Herr v. Bismark in der Stadt der Intelligenz — auch die Präger Cultusgemeinde hat ihre Seeschlange — es ist die Tempel-Frage. Bon Zeit zu Zeit taucht das Gerücht auf: an dem und dem Tage soll der Bau beginnen, der und der hat den neuen Plan gesehen, so und so viele Tausend Gulden sind verfügbar rc. Doch ein Termin nach dem andern verstreicht, ohne daß das Werk seiner Realisirung um einen Schritt näher rückt. Die nichtofficielle Welt, die in die Mysterien der Seeschlange nicht eingeweiht ist, verliert natürlich die Geduld, und wie es verlautet, soll bei der nahe bevorstehenden Neuwahl der Verwaltung der fragliche Bau zum e»8U8 belli gemacht werden. Wir wollen hoffen, daß alles sich friedlich gestalten wird. Man wolle bedenken, daß Uneinigkeit nur noch mehr vom Ziele abführt. Es ist wahr, die Männer der Verwaltung haben in der Bauangelegenheit keinen allzu großen Eifer an den Tag gelegt; doch sie allein für die Unterlassungssünde verantwortlich machen, wäre denn doch ungerecht. Es collidiren hierbei zu viele