Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1864)
- Date
- 1864-11-15
- Page
- Seite 726 (sequence 2)
- Language
- German
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726 gewaltsame Angriffe auf die Religion der Exulanten verbunden waren, welche aber glücklich zurückgewiesen wurden. Es erfolgten als erstes Beispiel eines echten Religionskrieges die makkabäischen Kämpfe, in denen es nichts anderes als die Existenz des Judenthums galt, da der Syrerkönig die politische Herrschaft schon vorher besaß. Jedermann weiß, wie glücklich Juda damals die Waffen für seine Religion führte. Später geschah auch die einzige Ausnahme einer religiösen Offensive, nämlich gegen die Jdumäer, welche unter Johann Hyrkan zum Judenthume gezwungen wurden. Sie schenkten ihm dafür die Herodianer, welche die hasmonäische Familie entthronten und den Untergang Judäas vorbereiteten. In den Römerkriegen bildete die nationale Existenz und Freiheit den Schwerpunkt, wenn auch religiöse Motive durch die römische Zwingherrschaft genugsam eingemischt wurden. Auch ließen die Römer die zerstreuten Inden in ihrer Religion und ihren Sitten gewähren, besonders nachdem die Aufstände der Juden aufgehört hatten. Sie verliehen ihnen sogar das römische Bürgerrecht und ohne Zuthun der Juden selbst schuf sich das jüdische Wesen unter diesen Verhältnissen bei den Römern vielfachen Eingang. Der Kampf um das Judenthum begann erst wieder mit dem Zeitpunkt, wo das Christenthum das antike Heidenthum besiegt hatte, und hat seitdem nicht wieder aufgehört. Das Christenthum besiegte das Heidenthum gänzlich, das Judenthum nicht. Ebenso wenig gelang dies dem Islam. Die Geschichte hat eben hiermit erwiesen, daß das Heidenthum im Sterben lag und schnell abstarb, das Judenthum aber das kräftigste Leben in sich trug, das kräftigste sagen wir, denn einer so ungeheuren Majorität, wie sie den beiden herrschenden Religionen zu Gebote stand, und dem gewaltigen Fanatismus gegenüber, der in beiden obwaltete, konnte nur eine potenzirte Lebenskraft, die alle Glieder des Judenthums beseelte, und ein außerordentlicher Geist, der das ganze Judenthum erfüllte, sich bestehend erhalten. Sehen wir nun, welche Mittel bei einem solchen Kampfe seitens der angreifenden Parteien verwendet werden konnten. Sie mußten sein: 1) die Gewalt, 2) der Druck und die Belohnung, 3) die Ueberzeugung. An den beiden ersten ließen es beide gegnerische Religionen nicht fehlen, betreffs des dritten war der Islam lässig und indolent. Die Gewalt allein richtete gegen das Judenthum gar nichts aus und konnte es auch nach der Lage der Dinge nicht. So epidemisch die blutigen Judenverfolgungen auch zu Zeiten waren und in gewissen Epochen von Landschaft zu Landschaft sich verbreiteten, so machte doch die außerordentliche Zerstreuung der Juden eine völlige Ausrottung derselben unmöglich. Dazu hätte es einer vollständigen gemeinsamen Verabredung und einer so allgemeinen Barbarei und blutgierigen Unduldsamkeit bedurft, wie sie in den Verhältnissen der Völker und in der Natur der Menschen unmöglich sind. Schon daß die Juden nicht blos in den christlichen, sondern auch in den islamitischen Ländern verbreitet waren, maßte ihr Schutz sein, weil sie aus den einen immer wieder in die anderen flüchten konnten, wie dies auch factisch geschah. Wenn auch eine Periode im allgemeinen den Geist des Fanatismus trägt, so wird es selbst in einer solchen immer maßgebende Personen geben, welche sich zu solchen Gräuelthaten nicht entschließen können und bei aller Aufrichtigkeit ihrer Glaubensmeinungen doch den Bekennern anderer Religionen Leben und Wohnstätte nicht versagen mögen. So viele Tausende daher auch jenen gewalttätigen Verfolgungen zum Opfer fielen, wie manche größere oder kleinere Zahl von Juden den Uebertritt sich abzwingen ließ, im großen Ganzen konnte hierdurch nichts ausgerichtet werden und das Judenthum bestand diese Feuerprobe in glänzendster Weise. Ein anderes Mittel war der Druck, die Ausschließung, Hohn und Verachtung. Sie wurden im reichlichsten Maße angewendet. Sie begannen mit den Decreten der römischen Kaiser von Constantin an und lagen in der Natur des Islams, der seinen Staat allein auf dem Boden des Korans aufrichtete. Mit diesem Druck war unmittelbar die Belohnung des Uebertritts verbunden, da der letztere sofort die Befreiung von allem Druck und aller Ausschließung zur Folge hatte. Aber auch nicht selten waren reelle Belohnungen auf den Abfall vom Judenthume gesetzt. Dieses zweite Mittel hatte aber die entgegengesetzte Wirkung, als in der Absicht und Erwartung lag. Denn gerade durch alle jene Beschränkungen und Ausschließungen wurden die Juden eine abgeschlossene, compacte Masse, die ein intensives Sonderleben führte und für die Einflüsse und Eindrücke von außen unzugänglich war. Wenn es, wie es offenbar ist, die Absicht der göttlichen Vorsehung war, das Juden- Ihum zu erhalten, damit es in seiner mächtigen Hülle die reine Gotteslehre mit ihren Consequenzen für zukünftige Zeiten bewahre, so konnten die Menschen ihr durch kein zweckmäßigeres Mittel zu Hilfe kommen, als