Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 46 (8.11.1864)
- Date
- 1864-11-08
- Page
- Seite 717 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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717 malischer Gedichte von Göthe, Schiller und Lessing weiter nichts als eine „Naturgeschichte der Menschheit" in poetischer Gestalt. Wie Homer und Hesiode der religiösen Idee der Griechen ihre Form gegeben, so sei durch die genannten deutschen Dichter die Religion der Humanität „auf Grund des Evangeliums" angestrebt und gefördert worden. Durch Lessing's „Na» than" sei die Bedeutung der Kreuzzüge für die „Reform des Christenthums" zum Bewußtsein erhoben. Im Orient, — wo, wie nirgends sonst, Judenthum, Christenthum und Islam sich zusammengefunden, — hätten alle drei dieselbe Geltung beansprucht, und zwar: wie die Anhänger des Korans und die Diener des Kreuzes durch ihre Kriegsmacht, so die Söhne des Alten Testaments durch ihre unermeßlichen Reichthümer. Die Folge davon sei gewesen, daß oft die Frage nach dem inneren Werthe der drei verschiedenen Bekenntnisse aufgetaucht. Wie ganz natürlich, sieht der Verfasser in den Hauptfiguren des Dramas eben diese drei verschiedenen Bekenntnisse repräsentirt oder vielmehr „verkörpert." — Saladin, durch hohe Bildung ebenso sehr als durch Freigebigkeit und leutseliges Wesen ausgezeichnet, und der Patriarch (in welchem kein anderer als der schlimme Heraklius gemeint sei) — sie stimmen beide mit ihrer Haltung im Drama wohl zusammen. — Der Tempelherr, der das Kreuz zu vertreten habe, sei in der That alles echten und lautern Christenthums baar. — Und Nathan? Warum unterliegt diese „hohe und edle Gestalt" nicht den auf sie eindringenden „tückischen Mächten eines friedlichen Geschickes?" — Weil sie — antwortet der Verfasser — weil sie dieselben „durch ihre echte, über die unterscheidenden Bekenntnisse weit hinübergreifende Humanität zu bannen vermag." — 2. „Gott und die Bibel." Also betitelt ist die VII. Betrachtung in dem unlängst von dem berühmten französischen Staatsmanne und Gelehrten M. Guizot herausgegebenen Werke: „Meditation sur l’essence de la religion clir^tienne“ (Betrachtungen über das Wesen der christlichen Religion), welches bei Mich. Levy in Paris erschienen. Die Nr. I der M6d. VII heißt „Gott und Abraham" und behandelt — ebenso schön als geistreich — das Verhältniß des ersten Patriarchen zu dem unsichtbaren, schaffenden Wesen, das von ihm allzuerst als das höchste und mächtigste ist anerkannt und verehrt worden. Der Kern der ganzen Abhandlung aber ist der, daß der Verfasser in der „wahren Erkenntniß Gottes" und in dem „Glauben an die thätige und ununterbrochene Gegenwart der göttlichen Vorsehung" die zwei großen religiösen Thatsachen sieht, welche an die Geschichte Abrahams sich knüpfen und auf diesen allein zurückgeführt werden müssen. — Bei weitem geist- und inhaltreicher noch ist die folgende Nummer: „Gott und Moses", über welches Capitel wir uns für später ein ganz besonderes und ausführliches Referat Vorbehalten. — L. Wehl. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus dem Badenschen, 12. October. lPrivatmitth.) Zum ersten Male in diesem Jahre wird die von den Israeliten des Großherzogthums Baden zum beständigen dankbaren Andenken an ihre bürgerliche Gleichstellung gestiftete Friedrichs-Stiftung ihre Gaben an unterstützungsbedürftige Lehrer ohne Unterschied des Bekenntnisses spenden. Dem Vernehmen nach ist der Fond jetzt 16,000 fl. stark; er wird sich aber nach vollständiger Einzahlung der gezeichneten Beiträge, die sich auf mehrere Jahre vertheilen, auf etwa 25,000 fl. erhöhen. Bühl, im October. Die „Bad. Landeszeitung" Nr. 215 schreibt von hier: Wo immerhin das Gute gedeihet, verdient es zur Aufmunterung aller Gutgesinnten zur allgemeinen Kenntniß gebracht zu werden. Die hiesige israelitische Gemeinde hat unter der Leitung ihres Rabbiners, Herrn Schott, seit 6 Jahren ihren Gottesdienst nach dem Borbilde der Mannheimer Agende umgestaltet, so daß Chorgesang mit Begleitung einer Physharmonika, responsenreicher Vortrag mehrerer hebräischer Gebetstücke, deutsche Gebete und Predigt, bei der Stille und Ruhe, woran sich die Gemeinde gewöhnt hat, ein harmonisches, Andacht erweckendes Ganzes bilden. Schon viele Fremde, welche dem hiesigen Gottesdienste beiwohnten, haben auch versichert, sich noch nirgends so wie in der hiesigen Synagoge erbaut zu haben, und sprachen es laut aus, daß sie sich glücklich schätzen würden, wenn in ihrer Gemeinde eine ähnliche Verbesserung eingeführt würde. Aber alles