Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-08 · Heft 46 (8.11.1864) · p. Seite 716

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 46 (8.11.1864)
Date
1864-11-08
Page
Seite 716 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226418-3226465--22577-3259857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

716 Bonn, 31. October. Angekommen: „Almanach perpßtuel I1£breu-frangais par Aloise Schwab. Paris, 1864.“ Eine schätzbare Arbeit, denn sie bringt uns den vollständigen fortlaufenden jüdischen Kalender sammt dem christlichen, sowie die Angabe der Fast- und Festtage und der Sidroth vom Jahre 5625 bis 5674 (1865—1914), also für die nächsten fünfzig Jahre, mit großen und deutlichen Typen auf schönem Papier, so daß für diesen Zeitraum sämmtliche Kalender überflüssig sind. Der Vorzug besteht nämlich darin, daß hier keine Tabelle geliefert wird, in der man mühsam ein betreffendes Datum aufzusuchen hat, sondern eben hintereinander die Kalender sämmtlicher fünfzig Jahre. Es reiht sich dieses Buch an ein ähnliches von Rodrigues-Mosanto aus dem I. 1814, das mit dem verflossenen Jahre ablief, besitzt aber vor diesem wesentliche Vorzüge. Ein ausführliches Vorwort und mehrere besondere Tabellen erhöhen die Nützlichkeit des Buches. — Das hundertjährige Jubiläum der israel. Cultus - Gemeinde in Wien im Jahre 1864. Von G. Wolf. Wien, 1864. — Die Juden in der Leopoldsladt („unterer Werd") im 17. Jahrhundert in Wien. Von G. Wolf. Wien, 1864. Wir können dem Herrn Verfasser für diese beiden Monographien, durch welche er seine werthvollen Beiträge zur Geschichte der Juden, besonders der wiener, abermals vermehrt hat, nur den be-- sten Dank sagen. Sein Fleiß in Aufsuchung neuer Quellen und Urkunden, seine tactvolle und geschickte Verarbeitung des darin enthaltenen Stoffes und seine klare, einfache und doch interessante Darstellung sind höchst rühmenswerth. Das erstere Schriftchen beginnt: „Der wiener israelit. Cultusgemeinde wurde ein Glück beschieden, wie es selten oder nie in der Geschichte verzeichnet ist. Dreimal wurden die Juden aus Wien vertrieben, kein Rest derselben blieb zurück. Alles, was an Juden und Judenthum erinnern konnte, wurde jedesmal nach ihrem Ab- und Auszuge vernichtet: „der Name Israels sollte nicht mehr gedacht werden", und immer wieder erhob und gestaltete sich in Wien eine israelitische Gemeinde, die nicht etwa blos ein sieches Leben führte, sondern lebenskräftig dastand, segensreich nach innen und außen wirkte und maßgebend für andere Gemeinden im Vaterlande und außerhalb desselben war. Zum ersten Male wurden die Juden aus Wien im Jahre 1349 zur Zeit der schwarzen Pest, wo allgemeine Judenverfolgungen an der Tagesordnung waren, vertrieben. Kein Rest blieb zurück. Zum zweiten Male wurden sie im Jahre 1421 vertrieben; 110 Juden wurden auf der „Gänseweide" verbrannt, andere ergriffen die Flucht. Ähre Häuser wurden zum Baue der „Bursen", wie anfänglich die Universität genannt wurde, verwendet, und in solcher Weise trugen die Juden materiell, wenn auch nicht geistig, was man ihnen nicht gestattete, zur Errichtung der Universität bei. Die letzte Ausweisung der Juden fand im Jahre 1670 statt. Sämmtliche Juden mußten auswandern; ihre Häuser wurden den Bürgern um einen Spottpreis verkauft, um die Gläubiger der Juden zu befriedigen, und ihre Haupt-Synagoge zu einer Kirche umgewandelt. — Schon im Jahre 1673 kehrten sie wieder zurück; aber erst durch eine kaiserliche Verordnung vom 5. Mai 1764 erhielten ihre Verhältnisse den Charakter der Dauerhaftigkeit, in denen die Juden zum lebenslänglichen Wohnen in Wien berechtigt sind, weshalb der Verfaffer von diesem Tage das Entstehen der Gemeinde datirt, die freilich über 80 Jahre noch um ihre Existenz zu kämpfen hatte. Diesen Kampf beschreibt nun der Verfasser ausführlich in der vorliegenden Schrift auf anziehende Weise, wobei sich abermals erweist, daß die Ausdauer im Guten und Rechten doch immer zum Ziele kommt. — Die zweite, umfänglichere Schrift, dem vr.Zunz zu dessen 70. Geburtstage gewidmet, beschreibt die inneren und äußeren Verhältnisse der Juden von 1625, wo sie nach der Leopoldstadt übersiedeln mußten, bis 1670, wo sie aus Wien verjagt wurden, als der Zeit, wo sie in Wien ein Ghetto bewohnten. Mit den Ursachen, Umständen und Bedingungen ihrer Rückkehr im Jahre 1673 schließt das Buch, welchem aber eine reiche Sammlung wichtiger Urkunden noch hinzugefügt ist. Auch wir wünschen, daß der Verfasser seine historischen Arbeiten immer mehr ausdehne und ihm die Muße werde, eine Geschichte der Juden in Oesterreich zu verfassen. Frankfurt a. d. Oder, im October. (Literarische Miscellen.) 1. „Nathan der Weise." O Lesstng, was ist über deinen „Nathan" nicht alles schon geschrieben, was aus diesem deinem herrlichen dramatischen Gedichte nicht alles schon gemacht worden? — Dasselbe „aus seinem Inhalte zu erklären" ist die Aufgabe, welche Herr I. G. Rönnefahrt in seiner neulich (zu Stendal) herausgegebenen Schrift: Lessing's „Nathan der Weise" sich gestellt hat. — Nach ihm hat das deutsche Volk den Beruf erfüllt, das klare Bewußtsein von Natur und Bestimmung des Menschengeschlechts durch die Hauptwerke seiner großen Dichter in fester Form zu Tage zu stellen. Er sieht in einer Reihe dra-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.