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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-11-01 · Heft 45 (1.11.1864) · p. Seite 706

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 45 (1.11.1864)
Date
1864-11-01
Page
Seite 706 (sequence 12)
Language
German
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706 wo überall rings im religiösen Leben freiwillige Botmäßigkeit waltet und eine bessere Erkenntniß nur spärlich aufkommen läßt. Wo immer es gilt, in diesem bigotten Lande und unter der Proselyten werbenden Gesellschaft Alt-Englands ein freies, rechtfertigendes und überzeugendes Wort zu sprechen für das Judenthum und für eine bessere Würdigung desselben, da führt die Congregation of British Jews auf die edelste Weise den Reigen. Einen großen Theil ihres Flors verdankt die Manchester Gemeinde den Bemühungen ihres geistlichen Führers vr. Gottheil. Dieser Mann, vor 4 Jahren von Berlin auf die hiesige Kanzel berufen, hat sich mit seltenem Talente und in überraschend kurzer Zeit in den Genius der englischen Sprache hineingelebt und versteht es in seinen gehaltvollen und geistreichen Predigten aufs glücklichste, seine junge Gemeinde in ihrer großen Aufgabe zu belehren und zu bestärken. Der Einweihungsgottesdienst, bei dem Herr Stern, wie gewöhnlich, den Herrn vr. Gottheil unterstützte, ging mit jener Ruhe und jenem würdigen Anstande vorüber, welche jede heilige Handlung in diesem Hause auSzeichnen. Der Predigt lag der Text: 1 Chron. 29, 1. zum Grunde und in ihr führte der Redner die wahre Tendenz und Aufgabe eines geistigen Neubaues wie des vorliegenden aus. — Die zahlreiche Versammlung, in der auch Nicht-Israeliten zahlreich und würdig vertreten waren, war sichtlich und freudig überrascht von der neuen und veredelten Erscheinung der auch in ihrer Schmucklosigkeit liebgewordenen Räume. Ein wesentlich neues Werk ward hier natürlich nicht bereitet, die Arbeit der Vollendung und Verschönerung lehnte sich eben an den Grundplan des Baumeisters an und bestrebte sich, zunächst in die architektonische Masse Saft und Leben zu bringen. Der Stil des Hauses ist der maurisch-byzantinische, mit einer weisen Einfachheit durchgeführt. Demgemäß trug die Ausschmückung ebenfalls den Charakter dieser Stilart. Die Säulencapitäler prangen nun in reicher Vergoldung mit Frucht- und Blumenumkleidung, wie man es an den besten byzantinischen Mustern sehen kann. In die nach Art der Basiliken offene speicherförmige Decke und wo sonst ein freier Raum sich darbot, ward etwas blauer Himmel, wurden Sterne und anderes Schmuckwerk hin ein gedichtet, ohne daß deshalb die Ornamentik zu sehr in den Charakter des Arabeskenartigen übergeht. Den schönsten Schmuck des Hauses bilden unstreitig die passend gewählten Bibelverse, die in der Ursprache sich von den Wänden und Nischen erheben. Dieser Theil der Ausstattung erinnerte mich lebhaft an die Synagoge zu Magdeburg, in welcher Schriftstellen als Wandbekleidung einen größeren Raum einnehmen als in anderen Synagogen der Neuzeit. Die Anordnung dortselbst ist ein schönes Zeugniß für den Geschmack des Herrn Redacteur dieser Zeitung, dem die Auswahl jener Verse angehört. — In der Alhambra zu Granada, deren schönste Theile im Krystallpalaste zu Sydenham mit wunderbarer Wirkung nachgebildet sind, drängt sich Vers an Vers des Korans auf den goldbeladenen Wänden, unter deren Schriftreichthum das Auge vergebens nach lebendigen Gestalten späht. Bedeutsamer Gegensatz des Orie«> alen und des Griechen. Der Hellene, gewohnt, vcu Geist in sichtbare Gewänder zu kleiden und auch das Abstracteste als sinnliche Gestalt zu denken, erfüllt seine Welt mit marmorner Wirklichkeit und umwebt selbst die Schauer des Todes mit einem Relief des genußfrohen Lebens. Bei dem Orientalen dagegen verflüchtigt sich selbst das Wirklichste sofort zur abstracten Idee. Seine Hand, mit dem Meißel bewaffnet, entsetzt sich vor der alltäglichen Gestalt. Einen Fries von Gedanken wölbt er auf die Zinne seiner Tempel; mit einem Relief von Wahrheiten bekleidet er die Wände seiner Paläste. Die Synagoge, in dem von Israeliten zahlreich bewohnten hügeligen Stadttheile tllieviham Hill gelegen, führt sinnig genug den Namen: yps nyaa. — Ohne mit den großartigen synagogalen Neubauten des Continents wetteifern zu dürfen, mag dies Gotteshaus doch als eine neue Warte des jüdischen Lebens in dem freien Jnselreiche betrachtet werden. — Donaufürstenthümer. Bukarest, im Oktober. (Privatmitth.) Wenn auch nicht immer im Glanz des Tages, mit plötzlich in die Augen springenden Resultaten, die Arbeit unserer Zeit geht rastlos vorwärts. Die Herren N. K. Popper und Halövy haben hier eine rumänischisraelitische Schule gegründet, welche ausgezeichnete Erfolge eriveist. Der Unparteilichkeit wegen gestatten Sie mir einen Bericht hier wiederzugeben, den ein hiesiges Blatt La Rfcformc brachte. „Am verflossenen Sonntag fanden die Prüfungen in der rumänisch-israelitischen Schule statt, welche von den Herren Popper und

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