Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 45 (1.11.1864)
- Date
- 1864-11-01
- Page
- Seite 707 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226418-3226464--22567-3259846- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Halävy dirigirt wird. Auf die Einladung hin, welche wir erhielten, haben wir uns ein wahrhaftes Vergnügen daraus gemacht, der Feierlichkeit beizuwohnen, die so voll Ermuthigung für die Jugend ist. Wir fanden dort 60 Kinder von 6 bis 12 Jahren, alle in Rumänien geboren, die einen eingeborene, die anderen preußische und russische Unterthanen. Sie waren in 4 Classen getheilt. In den beiden ersten Classen lasen mehrere Kinder von 6 bis 8 Jahren einige Stellen aus der Bibel hebräisch ganz correct und übersetzten es in das Rumänische; in der dritten Classe antworteten uns 2 Kinder von 9 bis 10 Jahren mit sehr viel Verftändniß auf die Fragen, welche wir über die verschiedenen Redetheile an sie richteten. In der vierten Classe überzeugten wir uns von dem Vortheile des synoptischen Unterrichtes der Sprachen. Sämmtliche Kinder in dieser Classe sprachen die vier Sprachen, hebräisch, rumänisch, deutsch und französisch, welche der Gegenstand ihrer Studien sind, gleich gut. Ihre Schrift, hebräisch, lateinisch und deutsch, ist so, wie man sie nur von diesem Alter wünschen kann. Um sie in Verlegenheit zu bringen, fragten wir: „Welches war der erste Name von Jrthel?" und wir waren ebenso überrascht wie befriedigt, sie antworten zu hören: Luz. In Gegenwart dieser naiven und liebenswürdigen Jugend, welche so intelligent, so fleißig ist und noch nichts weiß von den Vorurtheilen, welche, zur Schande der Menschheit, ihre Väter während so vieler Jahrhunderte außerhalb des Völkerrechts gehalten haben, fühlten wir uns einerseits tief entrüstet über die Ungerechtigkeit des Fanatismus, welcher die Drohung und den Haß über ihre Zukunft ausgießt, andererseits wurden wir von der Hoffnung erfüllt, daß die Herren Minister des Innern und des öffentlichen Unterrichts bald mit uns die Worte wiederholen würden: „Lasset die Kindlein zu mir kommen." Bukarest, 11. October. Der „Presse" schreibt man: Mit nächstem Monat beginnen die Verpachtungen der Staats-Domänen für einen neuen Turnus von fünf Jahren. Sie haben diesmal eine größere Bedeutung als sonst. Bis jetzt konnte kein Israelit Pächter einer Staats-Domäne werden; die moldauische Gesetzgebung sowohl als das llöglemeut organique der Walachei verfügten dies ausdrücklich. Eine fürstliche Anordnung verfügt aber, daß bei den nächsten Verpachtungen der Staats-Domänen und Klostergüter jedermann ohne Unterschied des Standes und der Religion zuzulassen sei. Es ist nun kein Zweifel, daß sich diesmal die capitalsreichen Israeliten in großem Maßstabe und sicherlich nur zum Vortheile des in so hohem Grate geldbedürftigen Staatssäckels an den Pachtungen betheiligen werden. Anzeigen. Ein Cultus-Beamter, der die Function eines Vorbeiers, Schächters und Lehrers versehen kann, wird zum sofortigen Antritt, mit einem Gehalt von 180 Thlr. p. a. incl. Nebeneinkommen nebst freier Wohnung und Heizung, zu engagiren gesucht. Reflektanten können sich brieflich unter Beilegung ihrer Zeugnisse beim Unterzeichneten Vorstande melden. Lenzen, den 25. October 1864. Der Vorstand. M. M. Samten. Die Cantor-Stelle im Tempel des Humanitäts-Vereins ist gegenwärtig vacant. Cantoren, die musikalisch gebildet und einen Chor zu leiten verstehen, wollen sich unter Franco-Einsendung ihrer Atteste an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn S. Fiegel, wenden. Gehalt 3 bis 400 Thlr. und ein Neben-Einkommen von circa 200 Thlr. Reisekosten für Probe-Vorträge werden nicht vergütigt. Posen, im September 1864. Der Vorstand. Ein mit guten Zeugnissen versehener Lehrer wird für unser Waisenhaus gesucht. Gehalt neben freier Station 200—300 Thlr. Qualificirte Bewerber wollen ihre Papiere dem Unterzeichneten Curatorium einsenden. Paderborn, den 24. October 1864. Das Curatorium des israelit. Waisenhauses für Westfalen und Rheinland. Die israelitische Gemeinde zn G leid in gen bei Hannover sucht einen Lehrer, Vorbeter und Schächter unter sehr günstigen Bedingungen zu engagiren. Der Antritt muß bis zum r. April 1865 erfolgen. Reflectantcn wollen sich bald melden bei dem Synagogen - Vorstand. S. Ä. Frank daselbst. „Die Stelle eines Lehrers und musikalisch gebildeten Vorbeters ist bei der israelitischen Gemeinde zu Oberstein sofort zu besetzen. Gehalt 300 Thlr. Meldungen nimmt der Unterzeichnete entgegen." Birken selb, den 24. October 1864. Landrabbiner Goldmann.